12.03.2018 - 20:10 Uhr
Leonberg

Inklusion macht Schule

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, das Thema Inklusion in der Schule anzugehen. Im Landkreis Tirschenreuth läuft hier bereits mehr als selbst Fachleute vermuten.

Alle Aussteller, Referenten und Podiumsteilnehmer. Bilder: exb (2)
von Externer BeitragProfil

Beim Fachtag "Inklusion und Schule" des Netzwerks Inklusion Landkreis Tirschenreuth kamen am Samstag im barrierefreien Pfarr- und Jugendheim in Leonberg rund 70 Vertreter zusammen, die das Thema in den verschiedensten Schulformen voranbringen wollen. Stellvertretender Landrat und Vorsitzender der Lebenshilfe Roland Grillmeier begrüßte die Vertreter. Die Eltern spielten neben den Lehrkräften eine ganz besondere Rolle beim Thema Schule, meinte er. Bürgermeister Johann Burger erläuterte kurz die Geschichte des Gebäudes, das für alle nutzbar gemacht werden solle.

Form für alle Schularten

Regierungsschuldirektor Stefan Fricker von der Regierung der Oberpfalz, zuständig für das Sachgebiet Förderschulen, erläuterte stellvertretend für den erkrankten Ministerialrat Erich Weigl vom Kultusministerium die Formen von Inklusion in den bayerischen Schulen. Die bekannteren Formen sind Einzelinklusion, Partnerklasse, Kooperationsklasse und Tandemklasse. Das Schulprofil Inklusion sei eine neuere Form, die sich für alle Schularten eigne. Der Exot sei die offene Klasse der Förderschule. Der vom bayerischen Landtag festgelegte Auftrag sei, dass alle Schulen inklusiv werden sollten. Die Förderschulen sollten Kompetenzzentren bleiben, die die allgemeinen Schulen bei diesem Auftrag unterstützen. Von großer Bedeutung sei das Elternwahlrecht. Perspektivisch solle auch die Schulbauverordnung angepasst werden: mehr Barrierefreiheit - so lautet der Maßstab.

Im Anschluss gab Schulamtsleiter Wolfgang Krauß einen Einblick in die Schullandschaft im Landkreis Tirschenreuth. Er widerlegte damit die humorvolle Bemerkung von Stefan Fricker, dass "im Landkreis Tirschenreuth ländliche Entwicklung zu leisten ist". "Im Gegenteil: Wir können hier viel vorweisen und waren an manchen Stellen sogar schneller als Regensburg oder München", so Krauß. "Ich erlebe eine große Offenheit für das Thema. Die Bürgermeister und Gemeinden haben trotz der anfangs knappen Möglichkeiten gut zusammengearbeitet und Kompromisse geschlossen. Schule, Kommune und Elternbeirat müssen bei der Inklusion am selben Strang ziehen."

Im Landkreis gebe es vier Schulen mit dem Schulprofil Inklusion: die Grundschule Mitterteich, die Mittelschule Mitterteich, die Grundschule Tirschenreuth und ganz neu die Grundschule Waldershof, die bisher mit dem Modell "Flexible Grundschule" gute Erfahrungen gemacht habe. "Für die Einwohnerzahl und Größe des Landkreises ist das ein guter bis sehr guter Standard."

Eine wichtige Rolle im Prozess der Veränderung hin zu Inklusion spielten neben einem überzeugenden Schulkonzept und der Unterstützung durch die Regierung auch die Eltern: "Sie sind Überzeugungsträger - neben allen Sorgen um Übertrittsleistungen und der Garantie für einen guten Unterricht." Die Lehrkräfte benötigten die passende Ausbildung und Fortbildung, gute Diagnostik-Instrumente und die Bereitschaft zur Kooperation und Team-Teaching. Krauß äußerte jedoch auch Kritik: die Zeit, die zur Kooperation und Absprache benötigt werde, werde vom Ministerium nicht berücksichtigt und bezahlt.

Petra Andritzky und Christa Besold von der Grundschule Waldershof stellten das Modell der Flexiblen Grundschule vor. Von hier sei kein weiter Weg hin zum Schulprofil Inklusion. Wenn Kinder individuell nach Lerntempo und Leistungsvermögen jahrgangsstufenübergreifend lernen könnten, sei das für alle ein Gewinn. "Bei dieser Form des Lernens erfahren Kinder ihre Verschiedenheit als Normalzustand und lernen ihren eigenen Lernfortschritt besser zu beobachten und zu beurteilen", so Andritzky.

Das bestätigte auch Kathrin Rüth, Konrektorin der Grundschule Waldsassen und Kooperationsbeauftragte für den Bereich Kindertagesstätten. "Wir brauchen einen breiten Inklusionsbegriff, der den Bildungsleitlinien entspricht. Immer wieder stellen wir fest, dass die Übergänge die eigentlichen Barrieren sind: von der Kita in die Schule und zwischen den Schulformen. Wir wollen auch die Erziehungspartnerschaft stärken und Barrieren zwischen Elternhaus und Schule abbauen."

Podiumsdiskussion

Beim anschließenden Markt der Möglichkeiten konnten die Besucher gute Beispiele für Inklusion an Ständen ansehen. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit Manfred Böhm vom BLLV Oberpfalz, Fachgruppe Förderschulen, Stefan Fricker von der Regierung der Oberpfalz, Anne Geiger vom Förderzentrum Mitterteich, Irene Oertel vom Netzwerk Inklusion Bayern und Elternstammtisch Inklusion sowie Gisela Worf als Vorsitzende des Elternbeirats von Förderzentrum und HPT in Mitterteich. Moderiert wurde das Podium von Projektleiterin Christina Ponader.

Markt der Möglichkeiten

Beim Markt der Möglichkeiten gab es viele Beispiele für gelungene Projekte. Anna Merzinger von der Unabhängigen Beratungsstelle für Inklusion am Staatlichen Schulamt im Landkreis Tirschenreuth stand für Fragen zur Verfügung. Monika Herold-Walther und ihre Kollegin stellten die Partnerklasse der St.-Notker-Schule und Tagesstätte der Lebenshilfe Deggendorf am Gymnasium in Metten vor. Hier besuchen Jugendliche mit geistiger Behinderung eine weiterführende Schule.

Dr. Katja Sachsenhauser von der Bischof-Wittmann-Schule Regensburg gab Auskunft über die Partnerklasse des bsz mit zwei Sozialpflegeklassen in ihrem Haus. Im Bereich der beruflichen Bildung ist das einzigartig in der Oberpfalz.

Josef Weilhammer von der Europa-Berufsschule Weiden stellte das Schulprofil Inklusion und insbesondere den Bereich Leichte Sprache an seiner Schule vor. Hiervon profitieren vor allem auch Geflüchtete. Uli Sommer und Ursula Siller vom BBZ Erbendorf stellten ihr Projekt "Inklusion in Erbendorf" vor, das die diesjährige Heilerziehungspflegeklasse mit Erfolg durchgeführt hat.

Petra Andritzky stand für Nachfragen zum Schulprofil "Flexible Grundschule" an der Jobst-vom-Brand-Grundschule Waldershof zur Verfügung.

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