15.06.2009 - 00:00 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

"Romeo und Julia" feiert in einer Inszenierung der Burgfestspiele Leuchtenberg Premiere - ...: Klassisches Liebespaar in modernen Zeiten

Als sich Romeo und Julia (Janos Kapitany und Michelle Völkl, Mitte) beim Maskenball treffen, steht bei der Premiere des Shakespeare-Stückes bei den Burgfestspielen Leuchtenberg für einen kurzen Moment die Zeit still. Doch schon bald muss sich das Liebespaar mit der Fehde seiner verfeindeten Familien auseinandersetzen. Bild: Tobias Schwarzmeier
von Tobias Schwarzmeier Kontakt Profil

Ein liegen gebliebenes, zerbrochenes Messer als unfreiwilliges Symbol für das tragische Ende einer Blutfehde und eine Liebesgeschichte, die über die Jahrhunderte nichts von ihrer Wirkung eingebüßt hat - in dem Shakespeare-Drama "Romeo und Julia", das am Samstag in einer Inszenierung der Burgfestspiele Leuchtenberg Premiere feierte, begeistert die Stadtbühne Vohenstrauß mit einer schwungvollen und polarisierenden Interpretation des schwierigen Stoffes.

Die Handlung ist bekannt: Romeo (Janos Kapitany) und Julia (Michelle Völkl), die Sprösslinge der verfeindeten Familien Capulet und Montague, verlieben sich, heiraten heimlich und werden durch Romeos Verbannung nach dessen Mord an Julias Vetter Tybalt getrennt. Um einer aufgezwungenen Heirat mit Paris zu entgehen, trinkt Julia ein Gift, das sie für Stunden wie leblos erscheinen lässt, um danach mit Romeo zu fliehen. Da er nichts von diesem Plan erfährt, hält er seine Geliebte für tot, und das Unglück nimmt seinen Lauf.

Schöne, schwere Sprache

Viele Regisseure vertreten die Ansicht, dass eine allzu klassische Bearbeitung des Stoffes ebenso wie die elegante elisabethanische Sprache heute nur noch schwer vermittelbar ist - was teilweise zu haarsträubenden theatralen Auswüchsen führt. Doch obwohl mit modernem Gesicht, bleibt die gelungene Leuchtenberger Variante unter Regie von Matthias Winter im Kern erfreulich unverfälscht. Denn während in der minimalistischen Bühnenausstattung, den heftigen Action-Szenen und der dynamischen Körpersprache der Darsteller moderne Gestaltungselemente Verwendung finden, tastet Winter die klassischen Charaktere des berühmtesten Liebespaares der Literaturgeschichte kaum an.

Bilder: Tobias Schwarzmeier

Der Regisseur setzt ganz auf die Chemie seiner Hauptdarsteller Michelle Völkl und Janos Kapitany - die sichtlich stimmt - und trifft dabei ins Schwarze. Völkl glänzt als Julia mit anrührendem, mitreißendem Spiel und umwerfender Präsenz. Und auch Kapitany bringt bei seinem Debüt bei den Burgfestspielen frischen Wind in das Stück, indem er die Rolle des Romeo zwischen grüblerischem Ernst und schwärmerischer Emotionalität sehr ausgewogen anlegt.

Die Sprache des Paares bleibt in Dialogen wie der berühmten Abschiedsszene ("Es ist die Nachtigall") ebenso wie bei den gestrafften Monologen nahe am Original. Auch Szenen, die Freundschaft und Mitgefühl ausdrücken, wie Romeos Dialog in Gedichtform mit seinem Vertrauten, Bruder Lorenzo (mit philosophischer Würde: Georg Dippold), setzt Winter in elaborierte Sprache. Als Kontrast unterstreicht ein lockerer, derber Straßenjargon und verhohnepiepelte Pseudo-Hochsprache die unselige Fehde der beiden Clans. Der sprachliche Spagat gelingt, weil kreative Überleitungen die Kluft abmildern.

Die Bearbeitung erweist sich ohnehin als Spiel der intelligent gesetzten Gegenpole: Die Gefahr, dass die dominierend-tiefgründigen Protagonisten die anderen Charaktere erdrücken, wendet Winter mit gestärkten, skurrilen Nebenfiguren ab. Barbara Trottmann als "Mercy" - eine prollig-provozierende Punk-Version des Mercutio - kalauert und krakeelt sich trotz kurzen Auftritts in die Herzen des Publikums. Auch Julias clevere Amme (top: Claudia Lohmann) punktet mit flapsigem Spiel und erntet viel Szenenapplaus.

Ein knallbunter Maskenball, eine seltsame Oberpfälzer Hochzeitsband und Kabbeleien der Bediensteten, die sich als Waschpasten-Verkäufer, Mobbingopfer oder Analphabeten outen, sorgen nach dramatischen Schlüsselszenen für Tempo- und Stimmungswechsel. Unaufdringliche Musik, dosiertes Licht sowie eine reduzierte Ausstattung mit dezenten Kostümen und einfachen roten Holz-Baustahl-Elementen erlauben einen uneingeschränkten Fokus auf die durchweg glaubwürdigen Darsteller.

Doppelter Widersacher

Ein Sonderlob verdient Johannes Aichinger für seine etwas verwirrende Doppelrolle als Tybalt/Paris - quasi als personifiziertes Feindbild Romeos. Als arroganter Verlobter und cholerischer Haudrauf überzeugend, gönnt er seinen Rollen je einen starken menschlichen Moment: Paris' Trauer an Julias Grab und Tybalts Erschütterung, als er im Wutanfall Mercy tötet und das Morden einläutet.

Mit einem exzellenten Schauspielensemble gelingt "Romeo und Julia" hier trotz aller Moderne das, was die Geschichte verspricht - ein toller Theaterabend für echte Romantiker.

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