20.08.2014 - 00:00 Uhr
LeuchtenbergOberpfalz

Bürgermeister Anton Kappl spricht im NT-Interview über seine ersten 100 Tage im Amt "Dirigent eines Orchesters"

Abgesehen von einem kurzen Urlaub ist Bürgermeister Anton Kappl 100 Tage im Amt. "Es gibt keinen einzigen Tag, an dem ich es bereut habe", sagt der Rathauschef. Im NT-Interview mit unserem Mitarbeiter Ernst Frischholz blickt er zurück auf positive Erlebnisse seit seinem Eintritt in "einen neuen und einschneidenden Lebensabschnitt" und auch voll Optimismus in die Zukunft von Leuchtenberg.

Bürgermeister Anton Kappl freut sich auf seine Aufgaben. Manche davon werden nicht einfach sein, der Rathauschef ist aber optimistisch. Bild: fz
von Ernst FrischholzProfil

Würden Sie wieder für das Bürgermeisteramt kandidieren?

Ohne wenn und aber, ein uneingeschränktes Ja! Es ist wahrscheinlich das schönste und schwierigste Amt zugleich.

Wie sehen sie ihre Rolle als Bürgermeister?

Das Amt ist eine große Herausforderung mit vielen Aufgabengebieten und das macht gerade eben den Reiz und den Spaß an der Aufgabe. Ich sehe mich selbst als Dirigent eines Orchesters. Ich muss nicht die erste Geige spielen - und noch die Trommel dazu schlagen.

Froh bin ich, dass ich mit Karl Liegl einen zweiten Bürgermeister habe, der als Bauunternehmer was den Bausektor betrifft, unheimlich wichtig für mich und auch für die Gemeinde ist. Hilfreich ist da für mich auch das gute Miteinander mit dem ganzen Gemeinderat, was auch ein sehr gutes Klima im Gremium ergibt. Ich verstehe mich als Anwalt der Bürger um für diese und für die gesamte Marktgemeinde das Bestmögliche zu erreichen. Ich fühle mich angenommen.

Hat sie bisher etwas besonders beeindruckt?

Positiv beeindruckt bin ich vom Vertrauen und auch dem Verständnis, das mir die Bürger entgegen bringen. Es ist wirklich sehr aufbauend und bestärkt mich in meiner täglichen Arbeit. Hierfür möchte ich ausdrücklich allen danken.

Was hat sie am meisten überrascht?

Die vielen teils auch kleinen Probleme, mit denen Bürger zu mir kommen. Auch wenn es dann mal gerade wegen der Vielzahl der Anfragen etwas dauert, hat man dafür Verständnis. Und kann man da mal Soforthilfe bieten, ist das immer ein aufbauendes Erlebnis. Der Bürger soll wissen, dass ich jederzeit für seine Probleme da bin und mich derer annehme. Nicht nur in den Sprechstunden, sondern auch auf der Straße oder bei Festen und Veranstaltungen. Bürgermeister ist man rund um die Uhr.

In Ihrem Wahlprogramm haben Sie mit "Bürgernähe, Familie und Soziales", Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen, Kultur in Leuchtenberg und "Aussichten für die Zukunft" fünf Kernbereiche genannt. Gibt es hier schon Wasserstandsmeldungen?

"Bürgernähe" habe ich von Anfang an praktiziert, wie ich schon ausgeführt habe. "Familie und Soziales": Darin stand die Schaffung von günstigem Bauland, um so junge Familien zu gewinnen, damit der Bestand des Kindergartens und auch der Grundschule gesichert ist. Hier ist in den letzten drei Monaten beim Baugebiet "Pfarrhäusl" ein Durchbruch gelungen. Nach intensiven Verhandlungen mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt und positiven Gesprächen mit dem Bischöflichen Ordinariat werden wir wohl im September den Bebauungsplan erlassen können.

"Schaffung von Arbeitsplätzen": Hier ist der Focus auf das Gewerbegebiet in Wieselrieth gerichtet. Nach der doch sehr verfahrenen Situation habe ich die Grundstückseigner, die sich bisher außen vor sahen, sowie auch die Verantwortlichen von der Straßenbaubehörde zwecks Zufahrtsregelung auf der Bundesstraße zusammengeholt. Bei bisher zwei Gesprächen entstand eine Basis mit den Eignern, und so können wir auf der Schiene fortfahren. Sicherlich wird das eine der längsten und schwierigsten Baustellen werden. Aber der positive Anfang ist gemacht.

"Kultur in Leuchtenberg": In kein Thema habe ich bisher so viel Zeit investiert. Die Burgfestspiele mit einer lebendigen Burg sind ein Aushängeschild für Leuchtenberg. Der Konsens mit den Anliegern ist dabei das A und O. Ich bin die gesamten drei Monate im Gespräch mit den Beteiligten. Die Festspiele sind vorbei. Die Burg ist noch bis November geöffnet. Bis dahin wird es weiter Gespräche geben und am Schluss werden wir analysieren, ob die bisherigen Maßnahmen ausreichend sind, oder ob und wie nachgebessert werden muss.

"Aussichten für die Zukunft": Darin stand der weitere Abbau von Schulden. Dies läuft in dem Übergangsjahr ohne große Investitionen und wir werden zum Jahresende fast die Null-Verschuldung erreicht haben. Im Gleichklang habe ich aber auch gesagt, dass notwendige Investitionen nicht aus den Augen verloren werden dürfen. Das ist für die nächsten Jahre primär. Zur Verbesserung der Infrastruktur mit der Sanierung von Straßen muss einfach Geld in die Hand genommen werden. Die bessern sich nicht von selbst aus. Das schnelle Internet für jeden Haushalt war ebenfalls niedergeschrieben. Auch hier schon eine Erfolgsmeldung. Wir sind mit den Planungen schon gut vorangekommen und zudem in die höchstmögliche Förderstufe aufgenommen worden. Ende nächstes Jahr soll das Projekt in der Marktgemeinde abgeschlossen sein. Für mich ist das eine zentrale Zukunftsaufgabe. Insgesamt gesehen muss die Gemeinde wieder konkurrenzfähig werden."

Gibt es auch Dinge, die sie nicht, oder nur minder beeinflussen können?

Ich plane für meine Gemeinde, setzte Prioritäten und dann kriege ich die Planung auf den Tisch, dass einige Meter an der Gemeindegrenze Wernberg-Köblitz/Leuchtenberg bei Wittschau ein Windrad in die Genehmigungsphase geht. Ich sehe, dass die Ortschaften Wittschau und Preppach die Beeinträchtigungen trägt und der Rahm in einen anderen Topf läuft. Keine Ortschaft aus der Nachbargemeinde ist näher an dem geplanten Standort. Wir haben Windkraftprojekte zwecks Beeinträchtigung der Burgansicht aufgegeben. Der geplante Standort liegt höher als die nur wenige Kilometer entfernte Burg. Im Konsens mit den Bürgern werde ich alles versuchen, um Schaden abzuwenden.

Ihre Vorgängerin war nicht berufstätig und praktisch Fulltime-Bürgermeisterin. Sind sie da im Nachteil?

Vor meinem Amtsantritt hatte ich die Zielsetzung "Familie - Beruf - Bürgermeisteramt". Dies unter einen Hut zu bringen, ist eine Herkulesaufgabe und erfordert eine gute Zeiteinteilung. Diese Aufgabe klappt schon, das hab ich hingebracht, nur die Reihenfolge hat sich verändert.

Was heißt das im Detail?

Die Bundeswehr als mein Dienstherr baut natürlich weiter auf meine Arbeitskraft und Erfahrung. Meine grundsätzliche Arbeitszeit ist halbtags. Die Bundeswehr ist sehr verständnisvoll, wenn etwa außerplanmäßige Termine hereinkommen. Was sich nach hinten verschoben hat, ist meine Familie. Meine vier Frauen, Ehefrau Maike sowie die drei Töchter, sind sehr verständnisvoll. Sie haben meinen Entschluss, als Bürgermeister zu kandidieren und das Amt anzutreten, voll mitgetragen. Nicht vergessen möchte ich meine Eltern die bei uns wohnen und von uns versorgt werden müssen. Trotzdem habe ich da Gewissensbisse. Ich bin mir aber sicher, dass es gelingt, nach der intensiven Anlaufphase die Prioritäten wieder entsprechend auszurichten.

Auf was freuen sie sich in den nächsten Wochen am meisten im Bürgermeisteramt?

Ich darf am Samstag meine erste Eheschließung vornehmen, und das sind auch noch Freunde von mir. Diesen glücklichen Tag mitgestalten und praktisch besiegeln zu dürfen, ist wohl eine der schönsten Aufgaben eines Bürgermeisters.

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