Heidi und Kurt Römelsberger entdecken in Schulbuch für russische Kinder Kapitel über ...
Kurioser Fund am Eismeer

Heidi Römelsberger unterrichtete an der Wirtschaftsschule Weiden Englisch und Französisch, ihr Mann Kurt lehrte dort Deutsch, Erdkunde und Geschichte. Auf einer Russlandreise stöberten sie ein interessantes Deutschbuch auf. Bild: Götz
Lokales
Leuchtenberg
08.07.2013
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Obwohl beide pensioniert sind, können Heidi und Kurt Römelsberger ihren Beruf nicht ganz hinter sich lassen. Das Lehrerehepaar reist gerne und behält das Hobby bei, in fremden Ländern Schulbücher zu kaufen, um zu sehen, was und wie die Kinder denn dort so lernen. In Russland machten die Weidener eine kuriose Entdeckung: In einem Deutschbuch behandelt ein Kapitel die Sage von der Entstehung der Burg Leuchtenberg.

Wer sie nicht kennt, hier die Kurzversion: Auf der Jagd verloren sich König Heinrich der Vogler und seine Tochter Jutta aus den Augen. Erst Jahre später fand der König sein Mädchen unversehrt wieder. Ein Licht leuchtete ihm den Weg zu einer Burg, auf der seine Jutta mittlerweile glücklich verheiratet als Herrin lebte.

"Dass mal was über Burgen in Deutschland drinsteht, ist nicht ungewöhnlich, aber wir haben nicht schlecht gestaunt, dass statt Neuschwanstein Leuchtenberg erwähnt wird", sagt Heidi Römelsberger. Den Fund in Murmansk verdankt das Paar einer Kriegsgräber-Reise im Juni an die finnische und russische Küste. Die ausländischen Schulbücher verraten den beiden Pädagogen nicht nur einiges über das Bildungsniveau und Lehrmethoden in anderen Ländern, sondern auch über die Sicht des Auslands auf den Rest der Welt. "Ich habe mal ein chinesisches Englischbuch mitgebracht, da haben sich meine Schüler gebogen vor lachen", erzählt die Fremdsprachenlehrerin.

Was war denn so lustig? "Na, die Chinesen geben Tipps, dass man bei Auslandsreisen nicht aufs Tischtuch spuckt und keine Knochen auf den Boden wirft." Interessant: Im chinesischen Lehrbuch tauchen als Ausland immer nur zwei Länder auf - Japan und die USA. "Von Deutschland und Europa findet sich gar nichts."

Modernes Deutschlandbild

Auffallend sind auch ältere Lehrwerke. Die Römelsbergs besitzen ein Englischbuch aus der früheren DDR, das unter den Sehenswürdigkeiten Londons die Grabstätten von Karl Marx und Friedrich Engels anpreist, aber kein Wort über den Buckinghampalast und die Queen verliert.

Von ihrem jüngsten Erwerb in Russland ist die Autorin zweier Französisch-Lehrwerke dagegen sehr angetan. Es vermittelt ein modernes und abwechslungsreiches Deutschland-Bild. Zwar fehlen Bier und Knödel nicht, aber es enthält auch "Spiegel"-Artikel über den Rückfall der allseits bekannten Christiane F. in die Berliner Drogenszene und die Disco-Kultur von Deutsch-Türken.

Didaktisch ist "Deutsch Mosaik 8" für 15-, 16-Jährige durchaus anspruchsvoll. Es enthält im Anhang nur ein einziges Vokabelverzeichnis, der neue Wortschatz ist nicht den einzelnen Kapiteln zugeordnet. Die Schüler müssen sich die neuen Wörter also selber zusammenklauben. "Und die Texte sind recht lang. Unseren Schülern fehlt dafür die Geduld", erkennt die Pädagogin.

Staunen dürften auch die russischen Jugendlichen über manch deutsche Einrichtungen. So heißt es in einer Lektion über Münchner Biergärten: "Nicht selten kann man einen Elektrowagen sehen, der die leeren Krüge einsammelt."
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