Das Leben von Wilhelm von Leuchtenberg
Der unglückliche Landgraf

Die Medaille mit seinen Konterfei gab Landgraf Wilhelm von Leuchtenberg 1616 selbst in Auftrag. Repro: fz
Vermischtes
Leuchtenberg
05.01.2017
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Die achteckige Gedenkmedaille des Landgrafen Wilhelm von Leuchtenberg ist 400 Jahre alt. Er ließ sie 1616 aus reinem Silber gießen. Der Adelige hatte einen Ruf als Raufbold und Trunkenbold.

(fz) Der glücklose Fürst wird auf der Medaille mit bloßem Haupt, mit Knebelbart, mit Spitzenkragen und reich besticktem Wams dargestellt. Die Rückseite trägt das Leuchtenberger Wappen im Barockrahmen unter dem Fürstenhut mit der Inschrift "Vide cui fidas!" ("Sieh zu, wem du vertraust" oder "Trau, schau, wem").

Illuminatus Wagner hat in seiner "Geschichte der Landgrafen von Leuchtenberg" eine Ansicht überliefert. Vergangenes Jahr kam eine Medaille in einem Auktionshaus zum Verkauf, wie Heimatkundler Karl Ochantel feststellte.

Hoch verschuldet

Landgraf Georg Ludwig starb 1613 in Wien an Typhus, tags darauf seine Gemahlin Anna Eusebia, geborene Poppel von Lobkowitz. Sein einziger Sohn Wilhelm war in allem das Gegenteil, auch damals für einen Fürsten von ungewöhnlicher Liederlichkeit. In Geldsachen war er unzuverlässig und leichtsinnig, daher hoch verschuldet. Er pflegte einen leichtfertigen Umgang.

Im Februar 1615 war Landgraf Wilhelm in Rom. Ausgelassen feierte er Fasching in Pfreimd. Wagner gibt im Kapitel "Wilhelms Sündenregister" eine ausführliche Darstellung der Verfehlungen des Adeligen. Keine Ermahnung half, keine Drohung. Ein kaiserlicher Haftbefehl erging, die Landgrafschaft kam unter bayerische Verwaltung. Mit der Zwangsbewirtschaftung wurde der bayerische Herzog Maximilian beauftragt.

Geistlicher Weg

An Fronleichnam, 2. Juni 1616, starb die Landgräfin Erika, Wilhelms Frau, in Grünsfeld an der Wassersucht. Wohl in Aussicht auf das Erbe ließ der Landgraf die Medaille mit seinem Bildnis schaffen. Wie sich herausstellte, war das Erbe angesichts der hohen Schulden fast bedeutungslos. Nun wählte er den geistlichen Stand, in der Absicht sein weltliches Einkommen durch geistliche Einkünfte aufzubessern.

Am 31. Juni 1616, acht Wochen nach dem Tod seiner Gattin und nach Beendigung der Landestrauer, erhielt er die erste Tonsur. Von Grünsfeld aus reiste er wieder nach Rom. Dort weihte ihn ein Kardinal zum Priester. Am 25. November 1616 feierte er in der Gruft von St. Peter seine Primiz. Auch nach dem Eintritt in den geistlichen Stand zerschlug sich die Hoffnung, durch reiche Pfründe die Finanzen aufzubessern. Schließlich kam Wilhelm im Februar 1617 als Kanonikus von Brixen mit vielen Schulden in Begleitung von etlichen weltlichen Priestern wieder in Pfreimd an.

Sache scheint einfach

Derjenige, dem er nicht hätte trauen dürfen, war Herzog Maximilian von Bayern. Er wollte dem "ärgerlichen Lebenswandel" des Landgrafen mit einer List ein Ende setzen. Zunächst bestellte der Kaiser einen Verwalter für die Landgrafschaft Leuchtenberg und Herrschaft Grünsfeld. Folgendes Vorgehen war geplant: Der Landgraf erhält eine Vorladung an den kaiserlichen Hof nach Wien. Sobald er sich dort befindet, begibt sich der Verwalter nach Pfreimd und überreicht das kaiserliche Schreiben an die leuchtenbergischen Anwälte und Räte mit der Aufforderung, dem neuen Kommissär und Administrator Gehorsam zu leisten. Im Einvernehmen mit Kaiser und Herzog sollte die Landgrafschaft dann weiter verwaltet werden. Die Sache schien ganz einfach. Aber Wilhelm traute dem Frieden nicht. Der kaiserlichen Zitation vom 21. Oktober 1617 leistete er keine Folge.

Schloss geplündert

Der Dreißigjährige Krieg begann 1618. In den folgenden Jahren gab es Durchmärsche von Truppen zum böhmischen Kriegsschauplatz. Im Juli 1620 nahmen die Mansfeldischen ihr Quartier im Markt Leuchtenberg, Michldorf und Lückenrieth. Sie plünderten das Schloss Leuchtenberg. Der Landgraf machte Giech zum Roggenstein verantwortlich, weil er das Schloss treulos verlassen habe. Als nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag unter dem Drucke der Bayern im September 1621 die mansfeldischen Truppen von der böhmischen Grenze bei Waidhaus wieder zurückfluteten, wurde Pfreimd mit seiner schwachen bayerischen Besatzung zur Übergabe gezwungen, geplündert und die Vorstadt niedergebrannt.

Leben im Kloster

Landgraf Wilhelm wurde als Gefangener nach Amberg geführt, nach drei Tagen aber in Freiheit gesetzt. Völlig mittellos begab er sich nach Kelheim ins Franziskanerkloster. Er schien ungefährlich geworden zu sein. Doch dann wurde er auf Befehl des Herzogs Maximilian verhaftet und im Schloss Burghausen in Gewahrsam gehalten, ohne den Grund dafür zu erfahren. Da er auf andere Weise die Freiheit nicht mehr zu erlangen hoffte, trat er in den Franziskanerorden ein und legte am 2. Juli 1624 nach einjährigem Noviziat zu Augsburg die Profess ab. Nach manchen Bitterkeiten, die ihm die Münchner Regierung selbst im Kloster noch zufügte, starb der auch an Körpergebrechen leidende Landgraf am 20. März 1634 im Franziskanerkloster zu Ingolstadt als Pater Wilhelm Leuchtenberger. Mit Sohn Maximilian Adam endete 1646 das Geschlecht der Leuchtenberger.
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