17.01.2014 - 00:00 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Komponist Georg Augustin Holler vor 200 Jahren gestorben - Geboren in Sperlhammer Musik für Mozart und "Müllner Peter"

Zum 200. Mal jährt sich am 13. Februar der Todestag von Georg Augustin Holler. Der 69-Jährige war inzwischen erblindet. Der Münchner Stadtmusikmeister und Komponist ist ein gebürtiger Nordoberpfälzer. Er kam am 17. Juni 1744 in Sperlhammer zur Welt.

Die "Missa solemnis in D" widmete Georg August Holler seinem Freund, dem als "Müllner Peter" bekannten Universalgenie Peter Huber aus dem oberbayerischen Sachrang. Das Titelblatt endet mit den lateinischen Worten "ad me Petrum Huber". Repro: sef
von Autor SEFProfil

Das Dorf war lange Zeit ein Ortsteil von Rothenstadt, seit 1978 ist er dem Markt Luhe-Wildenau eingegliedert. Sperlhammer hieß damals "Machinhammer" (lateinisch machina = die Maschine). Die Eltern waren der Nagelschmiedemeister Georg Holler und seine aus Pertolzhofen stammende Frau Margarethe. Am 18. Juni taufte der Rothenstädter Pfarrer Johannes Bausch den späteren herzoglichen Musiklehrer. Als Pate fungierte der Hammerschmiedeknecht Georg Augustin Rasch. Um 1750 zog die Familie nach Zangenstein um, wo der Vater im Eisenwerk arbeitete.

Über die frühen Jugendjahre Hollers sind keine gesicherten Nachrichten bekannt. Wahrscheinlich besuchte Georg Augustin das Benediktinergymnasium Freising, weil dort 1763 eine von ihm komponierte Schulkomödie aufgeführt wurde.

Hochzeit in Frauenkirche

Erst 1769 begegnet man dem begabten Tonsetzer in München wieder. Hier heiratete er am 26. Juni in der Frauenkirche die Müllerstochter Maria Anna Übelhör aus Wessobrunn. Seine Standes- und Berufsangabe lautete "civis et musicus" (Bürger und Musiker).
Holler scheint weiterhin in München geblieben zu sein. Am 4. Juni 1773 wurde er Nachfolger des Stadtmusikers Franz Albert. Er gehörte damit zur Zunft der Stadtmusikanten, die in Gottesdiensten musizierte und der Bürgerschaft bei festlichen Anlässen aufspielte. Auch Turmblasen, Serenadenkonzerte und Tanzuntermalung in Wirtshäusern hatte sie zu übernehmen.

Als Wolfgang Amadeus Mozart im Oktober 1777 beim Weinwirt Albert logierte, hörte er die Stadtmusiker: "Beyläufig um halbe 10 Uhr kam eine kleine Musique von 5 personnen, 2 clarinete, 2 corni und 1 fagotto. Herr Albert, dessen Namenstag morgen ist, ließe mir und ihm zu Ehren diese Musique machen. Sie spielten gar nicht so übel zusammen", schrieb er anerkennend dem Vater Leopold. Es ist anzunehmen, dass Georg Augustin Holler zu den gerühmten Musikern gehörte.

16 Blasinstrumente

Um diese Zeit muss Holler auch als Komponist tätig gewesen sein. Mehrere seiner Werke, vor allem Serenaden und Sinfonien, dürften aus jener Zeit stammen. 1778 schrieb Holler eine achtsätzige "Serennata in C", die als seine wichtigste Schöpfung gilt. Mit der auffallend großen Besetzung aus 16 Blasinstrumenten übertrifft sie alle vergleichbaren Werke am Hof des bayerischen Kurfürsten.
1780 nahm Herzogin Maria Anna (1722 bis 1790) großen Einfluss auf Holler. Die Tochter des Erbprinzen Joseph Karl Emanuel von Pfalz-Sulzbach gründete 1778 die herzoglich-marianische Landesakademie, an der die Offiziere ausgebildet wurden. Zum Musiklehrer berief die Herzogin, die auch Veteranen, Waisen und Findelkinder unterstützte, Georg Augustin Holler. Er unterrichtete hier bis 1789.

Maria Anna war Mittelpunkt der Patriotenpartei, die erfolgreich die Tauschabsichten des Kurfürsten Karl Theodor durchkreuzte und den Annexionsgelüsten Kaiser Josephs II. von Österreich entgegentrat. Auf diese Weise wurde sie zu einer Bewahrerin der Eigenstaatlichkeit Bayerns.

Mittlerweile hatte sich Holler als Komponist weithin einen Namen gemacht. Seine zahlreichen Sinfonien, Serenaden, Divertimenti, Menuette, lateinischen und deutschen Messen (38), Vespern, Litaneien, Offertorien und Kirchenlieder (41) wurden weit über München hinaus gespielt und gesungen.

Ein Divertimento in B-Dur für Violine, Klarinette und Fagott mit zwei Hörnern, zwei Bratschen und Kontrabass vertrieb der Verleger Breitkopf in Leipzig. Die Volksnähe der Musik trug viel zur Verbreitung auch auf dem Lande bei. Hier verstand es ein Tonkünstler, für die einfachen Leute zu schreiben. Die kirchenmusikalischen Werke Hollers - darunter die wunderbare "Missa pastoralis in C" - wurden besonders in den bayerischen Klöstern gern aufgeführt.
Der Hauptanteil von mehr als 110 Werken ist jetzt in der Musikabteilung der Bayerischen Staatsbibliothek zu finden. Bis vor wenigen Jahrzehnten befand er sich im Gebirgsdorf Sachrang bei Hohenaschau. Hier wirkte das Universalgenie Peter Huber (1766 bis 1843) als Müller, Viehzüchter, Heilkundiger, Bürgermeister, Organist und Chorregent.

Der "Müllner Peter" besuchte in München das Gymnasium und beschäftigte sich mit Sprachen, Wissenschaften, Musik und schloss Freundschaft mit Augustin Holler, der ihm die "Gratolations Music in B" zum Namenstag am 29. Juni 1807 widmete.

Selten zu hören

Die mehrfach im Bayerischen Fernsehen wiederholte "Chronik von Sachrang" verschaffte dem "Müllner Peter" bis in unsere Tage einen hohen Bekanntheitsgrad, an dem es Georg Augustin Holler zu Unrecht mangelt. Seine Kompositionen werden gerade in der Oberpfalz allzu selten aufgeführt. Der Markt Luhe Wildenau ehrt den musikalischen Sohn mit einem Konzert in seinem Heimatort (siehe Kasten).

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