03.03.2017 - 11:52 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Abriss statt teurer Umgehungsstraße Webertor weicht Verkehr

In Mantel soll für 12 Millionen Euro eine 900 Meter lange Umgehungsstraße durchs Haidenaabtal gebaut werden. In Luhe hatte man vor 80 Jahren ähnliche Pläne. Doch dann entschied man sich für einen kostengünstigeren Abriss.

Im Februar 1937 entstand diese Aufnahme des Webertors neben der Martinskirche. Einen Monat später begann der Abbruch des historischen Gebäudes mit dem gotischen Spitzbogen, dem Lastwagen schwer zugesetzt hatten und das als Verkehrshindernis galt. Repro: sef
von Autor SEFProfil

Luhe. Dem verheerenden Brand am 9. August 1928 trotzte das Webertor - wie erwähnt - ohne nennenswerte Schäden. Am 28. Dezember 1935 berichtete der "Oberpfälzische Kurier": "Vor nunmehr sieben Jahren hat das Wüten jenes schrecklichen Ereignisses den Marktflecken Luhe überall bekannt gemacht. Inzwischen sind die Spuren davon völlig verschwunden. Aus einem rauchenden Trümmerhaufen ist dank der Hilfsbereitschaft eines ganzen Landes Luhe in neuem Gewand wieder erstanden. Unter den wenigen Gebäudlichkeiten, die damals verschont wurden, befindet sich das alte Torhaus mit der gewölbten Ausfahrt über der Straße nach Regensburg. In früherer Zeit besaß der Markt Luhe drei Tore. Heute ist nur mehr das eine im Süden erhalten."

Drei Einfahrten

Mindestens bis 1758 trotzten Fleischertor (in der Nähe waren die Fleischbänke aufgestellt) in Richtung Weiden, Faltertor, für das es auch die Schreibweise Pfaltertor gab, an der Straße nach Amberg und Tumltor (Unteres Tor) in Richtung Regensburg. Bekannter wurde letzteres unter dem Namen Webertor, weil im Nebenhaus ein Weber lebte.

Lediglich vom Webertor blieben historische Lichtbilder erhalten. Auf ihnen ist der gotischer Spitzbogen als Schmuck der Außenöffnung zu sehen. Um ihn hatten die Erbauer vier Klauensteine angeordnet, durch die im Mittelalter ein Fallgitter ratterte. Ein Tonnengewölbe krönte die Durchfahrt, die unter einem Rundbogen zum Marktplatz führte. Über eine steile Treppe, neben der sich ein Gemischtwarenladen befand, erreichte man das Obergeschoss mit drei Zimmerchen. Zuletzt wohnte hier eine siebenköpfige Familie.

Lastwagen schrammten immer öfter an die Torbögen. Um das Bauwerk zu erhalten, war eine Umgehung geplant. Die Reichsstraße 15 sollte im Naabtal am Ort vorbeigeführt werden. Dafür hatte die staatliche Baubehörde bereits einen detaillierten Plan erstellt. Der 1,3 Kilometer lange Bypass sollte bei der Naabmühle beginnen und beim vormaligen Netto-Markt enden. Die Kosten waren mit 400 000 Reichsmark veranschlagt. Wegen des hohen Aufwands und der Hochwassergefahr wurde der Entwurf wieder ad acta gelegt. Als Lösung für einen besseren Verkehrsfluss blieb der Abriss des Tores.

Wirtschaftliche Schäden

Heute kaum mehr bedacht, fürchtete man damals auch eine "Schädigung des Marktfleckens Luhe, wenn der starke Verkehr, der täglich auf dieser Fernverkehrsstraße flutete, den Ort nicht mehr berühren würde". Schließlich hält dann auch keiner der Reisenden an, um im Ort zu tanken, einzukaufen oder ein Wirtshaus zu besuchen.

Über die Abrisspläne berichtete die "Bayerische Ostmark" am Samstag, 13. März 1937: "Besonders in Luhe, das an der großen Reichsstraße von Regensburg nach Hof liegt, haben sich in den letzten Jahren derartige Verkehrsschwierigkeiten eingestellt, dass die Beseitigung der Gefahrenstellen dringend notwendig geworden ist. In einer gefährlichen S-Kurve fährt man von Weiden kommend um das alte Kommunbrauhaus herum in den schmucken Marktflecken ein. Bei der Ausfahrt aber stellt sich ein neues Hindernis entgegen, ein an sich romantisch wirkendes, aber leider nur sehr niedriges und schmales Tor.

Es ist ein Überbleibsel aus dem alten Luhe. Die Verhandlungen über den Abbruch sowohl des Brauhauses, des Torgebäudes und des angrenzenden Hauses sind nunmehr zum Abschluss gekommen. Neben den Kraftfahrern begrüßt auch die Bevölkerung von Luhe die nächste Woche beginnenden Arbeiten."

Rundumschlag

Nachdem die Baumaßnahmen beendet waren, rieben sich vor allem alteingesessene Luher die Augen. Das gewohnte Ortsbild hatte sich nicht nur vorteilhaft verändert: Im Zusammenhang mit dieser für die damalige Zeit erhebliche Aktion wurden das Stangl-Anwesen ebenfalls geschleift, die Ortsdurchfahrt gepflastert, der Buckel am ehemaligen Faltertor abgetragen, das alte Kommunbrauhaus abgerissen und die Brücke über den Mühlbach erweitert.

Tor - Säule - Wirtshaus

An die mittelalterlichen Tore erinnern zwei Granitstelen, die bei der Marktsanierung vor einigen Jahren aufgestellt wurden. Eine davon ist dem Webertor gewidmet und befindet sich in der Nähe des vormaligen Standorts. Die andere Säule weist auf das Faltertor hin.

Eine andere Erinnerung ist der "Gasthof zum Webertor" Wirtin Martina Hagler wechselt nach 30 Jahren demnächst in "Die Villa" in Weiden. Die Familie Hagler, die aus Seibertshof stammt und seit 1748 in Luhe ansässig ist, hatte das Anwesen Nr. 14 (Regensburger Straße 1) 1857 durch Tausch von Georg Schenkl erworben. Der Gasthof lag außerhalb der Marktbefestigung und grenzte an das Webertor an. Georg Schenkl gehörte die Ziegelhütte Luhe, die südlich des Marktes bis 1880 Ziegel brannte. (sef)

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