27.04.2018 - 20:10 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Bayernweit einzigartige Anlage: Dietmar Paulus eröffnet Schießkino Afrikanische Büffel im Industriegebiet

Blätter rauschen im leichten Wind, Vögel fliegen zwitschernd durch den dicht bewachsenen Wald. Plötzlich kreuzt ein Wildschwein. Ein tödlicher Schuss. Das Tier ist getroffen. Szenen, die sich nicht in der Natur abspielen, sondern im Industriegebiet "Obere Tratt". Dort betreibt Dietmar Paulus eine bayernweit einzigartige Einrichtung.

Es gibt kaum eine Waffe, die Dietmar Paulus seinen Kunden nicht anbieten kann.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Luhe. "Wir arbeiten hier mit modernster Technik", erzählt der 50-Jährige. Nach einjährigen Bauarbeiten eröffnete er mit seinem Geschäftspartner Thomas Haas am Sonntag ein Schießkino. Schon seit fünf Jahren "schwirrte" ihm diese Idee im Kopf herum, erinnert sich Paulus, der seit 2000 ein Waffengeschäft in seinem Wohnhaus betrieb. "Als dann das neue Industriegebiet erschlossen wurde, war die Zeit gekommen. Die Lage ist perfekt. Jeden Tag kommen etwa 30 000 Autos auf der Autobahn hier vorbei." Paulus hat sich einen Traum verwirklicht - und ein kleines Paradies für Waffenbegeisterte geschaffen.

Besonders stolz ist er auf das Herzstück - das Schießkino. Um sich auf das Projekt vorzubereiten, reiste der 50-Jährige durch ganz Europa, informierte sich über "die modernste Technik". Nach einer "gigantischen Bauzeit" ist das Hightech-Projekt fertig: Ein 35 Mal 10 Meter großer Raum mit einer Deckenhöhe von 4 Metern. Die Stirnseite ziert eine 9,50 Mal 3,50 Meter große Leinwand - Full HD, hochauflösendes Bild. An den Wänden und an der Decke sind Lautsprecher angebracht, helle Lampen leuchten jeden Winkel des Zimmers aus. Ein leichter Windhauch zieht durch den Raum. "Eine Lüftungsanlage, die den Staub und Schmutz, der durch das Schießen entsteht, sofort vom Schützen wegträgt."

Täuschend echte Szenen

"Wir bieten hier Sportschützen, Jägern, Polizisten, aber auch ganz normalen Bürgern die Möglichkeit, ihre Treffsicherheit zu testen, im Umgang mit der Waffe sicherer zu werden - und das unter täuschend echten Bedingungen." Das Projekt ist bayernweit einzigartig. Über 100 Filme hat Paulus im Repertoire: Szenen aus dem Wald, in denen eine Rotte Wildschweine über den Bildschirm huscht, ein neugieriger Fuchs, der im Schnee auf der Suche nach einer Maus ist, ein imposanter Hirsch, der sich seinen Weg über eine bewachsene Wiese bahnt.

Oder doch lieber ein kurzer Ausflug nach Afrika, um "Büffel zu jagen"? Auch dafür hat der 50-Jährige das passende Video. Geschossen wird mit scharfen Waffen. Welche, das wird den Gästen überlassen. "Jäger und Sportschützen können auch ihre eigenen mitbringen. Für alle anderen habe ich Leihwaffen." Natürlich fange ein Laie nicht mit einer Großkaliber an, darauf achte er. Paulus fungiert auch als Aufsichtsperson, weist in die Waffen ein und erklärt, wie man damit umgehen muss. "Sicherheit hat natürlich oberste Priorität."

Paulus fährt die vier Monitore im Technikraum hoch, den eine dicke Glasscheibe vom Schießkino trennt. Von dort aus kann er seinen Kunden durch ein Mikrofon Anweisungen geben, mit ihnen die abgegebenen Schüsse analysieren. Zwei Beamer projizieren das Bild auf die Leinwand. Durch eine zusätzlich angebrachte Wärmebildkamera kann Paulus "millimetergenau" erkennen, wo der Schuss das Tier auf der Leinwand erwischt hat.

"Mir war wichtig, dass die Schießbedingungen so realistisch wie möglich sind - der Sound, die Bewegungen der Tiere, die Beleuchtung." Das hat einen Grund: Paulus bietet in seinem Schießzentrum auch eine Jungjägerausbildung an. "Geht hier ein Schuss daneben, ist das nicht schlimm. Er landet im Kugelfang. Geht er in der Natur schief, verletzt er ein Tier, tötet es aber nicht. Wir wollen, dass kein Tier leiden muss."

"Kein Tier soll leiden"

Zudem lernen die jungen Schützen, wie sie Situationen einschätzen müssen. "Entdecken sie ein Wildschwein, ist das vielleicht die Mutterbache. Dann müssen sie wissen, dass ihr noch mehrere folgen, sie also nicht auf sie schießen sollen." Der "bewegte Schuss" sei nicht zu unterschätzen. "Es ist nicht schwer, auf eine unbewegliche Zielscheibe zu schießen. Bewegt sich allerdings ein Tier vor dem Zielfernrohr, sieht das schon anders aus." Um die Situationen - vor allem für die Ausbildung von Jungjägern - noch realistischer darzustellen, stellt Paulus in den kommenden Wochen einen Hochsitz in das Schießkino - "wie im Wald eben". Die Distanz zu den Zielen kann der 50-Jährige variieren. Je nach Können der Schützen bis zu 300 Metern.

Doch auch für Firmenausflüge sei das Schieß-Zentrum Bayern geeignet. "Wir bieten auch Fun-Schießen an. Nicht auf Tiere, sondern unter anderem auf aufsteigende bunte Luftballons oder Fußbälle, die sich auf einer Mauer drehen. Es ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei." Doch woher kommt Paulus Faszination für Waffen? "Das hat früh angefangen. Familientradition", verrät der 50-Jährige, der selbst Sportschütze und Jäger ist, und lacht. "Außerdem komme ich aus einem Metallberuf. Daher interessiere ich mich für die Feinmechanik."

Neben dem Schießkino bietet er Kleidung für die Dame und den Herren an, verkauft Lang- und Kurzwaffen und betreibt einen Gastro-Bereich. "Falls die Männer mal länger brauchen, können es sich ihre Frauen bei einem Cappuccino gut gehen lassen", betont er schmunzelnd.

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