Erster Schulausflug nach dem Krieg
Dampferfahrt im weißen Hemd

In Donaustauf gehen die Luher von Bord und steigen dann hinauf zur Walhalla.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
04.07.2017
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Junglehrer Gottfried Hirschmann begleitet die fröhliche Kinderschar aus Luhe beim Ausflug mit dem Donauschiff "Regensburg". Repros: sef (3)

Eine Schifffahrt auf der Donau und der Besuch der Walhalla begeistern Schüler und Lehrer der Luher Schule. Der Ausflug ist der erste nach dem Zweiten Weltkrieg und es gibt von diesem Tag sogar noch Bilder.

Der Eintrag in der Schulchronik zu dem Wandertag des Schuljahres 1948/49 ist knapp. Verfasst hat ihn Schwester Gertrud Gicklhorn:

"Am 4. Juli 1949 versammelten sich die Klassen 5+6 und 7+8 mit ihren Lehrkräften Gottfried Hirschmann und Ludwig Spindler in früher Morgenstunde vor dem Schulhaus und warteten auf die aus Wernberg kommenden Autobusse, die sie an den Ausflugsort Regensburg bringen sollten. Voll befriedigt von den Erlebnissen des Tages, zu denen auch eine Schiffahrt zur Walhalla gehörte, kehrten die Schüler am Abend zurück."

Junglehrer als Fotograf

Vom Ausflug der Luher Schulkinder per Bus nach Regensburg und mit dem Fahrgastschiff "Regensburg" der Firma Knoll zur Walhalla existieren noch Fotografien, die der damalige Junglehrer Spindler aufgenommen hat. Sie lassen die Begeisterung erkennen, mit der die 86 Buben und Mädchen bei der Sache waren. Spindler unterrichtete später von 1950 bis 1978 in Wernberg.

Extra zu der Fahrt zogen alle ihre Sonntagskleidung an. Auch die Lehrer wollten nicht zurückstehen und banden sich eine Krawatte um. Erstaunlich ist, dass so eine kostspielige Fahrt ein Jahr nach der Währungsreform stattfand, als es zwar wirtschaftlich aufwärts ging, aber noch überall der Mangel spürbar war.

Päckchen aus Amerika

Das Rote Kreuz lieferte für die 168 Kinder in den vier Klassen - je zwei Jahrgänge waren in einer Klasse zusammengefasst - Schreibhefte, Bleistifte, Federhalter und Farbkreide. Wegen zahlreicher Flüchtlingskinder mussten 80 Buben und Mädchen immer noch die seit Mai 1947 angebotene Schulspeisung in Anspruch nehmen. An Weihnachten waren für alle Schüler, deren Väter gefallen, vermisst oder gefangen waren, Päckchen aus den USA eingetroffen.

Als junger Lehrer begleitete auch Gottfried Hirschmann den Ausflug. Von 1974 bis 1986 leitete er die Volksschule Luhe.

Schulausflug und Jubiläumsfahrt1989 wandelte die fünfte Klasse der Volksschule Luhe-Wildenau mit Rektor Josef Eimer auf den Spuren der Nachkriegskinder. Zuerst begegneten die Hauptschüler römischen Relikten in der Regensburger Altstadt und der Architektur des gotischen Doms.

Am Nachmittag bestiegen sie das Motorschiff "Rataspona", das zu Füßen der Walhalla anlegte. Der schweißtreibenden Bewältigung von 358 Marmorstufen folgte ein Rundgang im dorischen Ruhmestempel mit den Marmorbüsten. Danach genoss die muntere Schar den grandiosen Ausblick auf die weite Donaulandschaft und rastete auf der angrenzenden Wiese. Dort hatten auch 40 Jahre zuvor die beiden Klasse Pause gemacht. Mit dem Bus, der aus Regensburg nachgekommen war, ging es zurück nach Luhe.

Die Walhalla hatte König Ludwig I. von 1830 bis 1842 durch Leo von Klenze errichten lassen. Zum 175-jährigen Jubiläum der Eröffnung wird am 21. Oktober diesen Jahres ein musikalisches Prachtfeuerwerk gezündet. Ein Konvoi geschmückter Donauschiffe fährt von Regensburg aus zur Feier. (sef)


SchulanzeigerAus dem amtlichen Schulanzeiger für das Schuljahr 1948/49:

"Die Walhalla ist täglich von 8 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Es ist notwendig, auf Nachstehendes aufmerksam zu machen: Die Art und Weise, wie ein Schulklasse in die Walhalla hineingeführt wird und sich in dem Weihetempel verhält, ist entscheidend für die Erlebnismöglichkeiten und für das Ansehen der Schulklasse und der Lehrerpersönlichkeit. Zur Vorbereitung wird die Anschaffung der Broschüre 'Geschichte und Beschreibung der Walhalla' aus dem Gustav Bosse Verlag in Regensburg für die Lehrerbücherei empfohlen. Sie kostet 60 Pfennige. (sef)
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