28.03.2018 - 19:18 Uhr
Luhe-Wildenau

Fischerbauern sorgten über viele Generationenlang für Karfreitagsessen Privileg mit dem Kahn

Vor 100 Jahren tummelten sich in der Naab noch reichlich Hechte, Barben, Rutten, Brachsen, Barsche, Aitel, Äschen, Schleien, Aale, Saiblinge, Karpfen und Krebse. Der "Fischerbauer", wie er allgemein genannt wurde, ruderte mit dem Kahn auf den Fluss hinaus und warf ein Netz aus Hanf aus. Es war 60 bis 80 Meter lang.

Fischer Jakob Schwab um 1930 vor dem Markt Luhe. Er steht in einer Zille, die an beiden Enden spitz zuläuft. Repros: sef (2)
von Autor SEFProfil

Luhe/Grünau. Bleikugeln ließen es auf den Grund sinken. Holzstücke dienten als Schwimmer. Auch Reusen kamen zum Einsatz. Mit dem Fang belieferten Michael Kick und Jakob Schwab Haushalte, Wirtshäuser und Märkte. Was sie nicht gleich brauchten, hälterten sie in einem Fischkasten, der an einer Kette im Wasser schwamm.

Gefragt waren Fische ganz besonders am Karfreitag, aber auch für die Mahlzeiten an anderen Freitagen. In Erinnerung an den Kreuzestod Jesu galt an diesen Tagen in katholischen Gegenden ein striktes Fast- und Abstinenzgebot. Die Gläubigen durften sich nur einmal satt essen und mussten auf das Fleisch warmblütiger Tiere verzichten. Deshalb wichen sie auf Fischgerichte aus. Das galt auch am Aschermittwoch und an den Quatembertagen, die jeweils den Mittwoch, Freitag und Samstag in der dritten Advents-, der ersten Fasten-, der Pfingst- und der Kreuzerhöhungswoche umfassten.

Am 9. Januar 2004 starb der Luher Josef Schwab. Sein Vater Jakob hatte 1911 den elterlichen Hof übernommen und damit auch das Fischrecht in der Naab von der Oberen Au bis zum "Rossdümpfl" bei der Naabmühle erhalten. Die Verleihung dieses Privilegs, das auch Regal (lateinisch regalis, das heißt dem König geziemend) genannt wurde, stand neben dem Zoll-, Münz-, Markt-, Geleit-, Forst-, Jagd-, Berg- und Salzrecht ursprünglich nur dem König zu. Es gehörte zum Gesamtbesitz eines Anwesens und wurde mit ihm vererbt oder verkauft.

Die angestammten Privilegien, darunter auch das Fischrecht in der Naab, hatte Kaiser Ludwig der Bayer 1331 dem Markt Luhe bestätigt. Er erlaubte den Gemeindebürgern auch, jeden Mittwoch einen Markt und jährlich zwei Jahrmärkte abzuhalten, und zwar am Montag in der Osterwoche und am Bartholomäustag (24. August). Den Markt in der Karwoche hat Bürgermeister Karl-Heinz Preißer als Krammarkt am Sonntag vor Ostern wiederbelebt.

Seit 1551 existierte eine spezielle Marktordnung. Dort hieß es im Artikel 35: "Der Fischer allhier soll sich befleißigen, dass er an den Fasttagen dem einem und anderen ein Fischessen um die gebührliche Bezahlung gebe." Weil Fische gefragt waren, brachte dieses nebenberufliche Gewerbe neben der Landwirtschaft und/oder dem Handwerk einen willkommenen Zuverdienst ein. In Luhe gibt es noch zwischen Marktplatz und Ringstraße eine Fischergasse.

Über das Fischrecht weiter flussabwärts durch die Untere Trad bis zur Hammerleite auf Höhe von Grünau verfügte Bauer Michael Kick. Er hatte am 27. Juli 1885 Anna Schlosser, die Tochter von Sebastian Schlosser, geheiratet. Grünau gehörte bis 1978 zur Gemeinde Neudorf. Dort war die Familie Kick seit 1745 auf dem "Lippenhof" ansässig. Am 6. August 1826 hatte Michaels Großvater Johann die "Fischerbauern"-Tochter Katharina Häsler aus Grünau geehelicht. Er übernahm von Schwiegervater Justin Häsler das Anwesen Nr. 1 und etablierte den Namen Kick im Ort.

Michael und Anna Kick bekamen fünf Kinder: Johann, Barbara, Anna, Georg und Josef. Im Alter von 86 Jahren starb der "Fischerbauer" Michael Kick am 15. Juli 1949 - 11 Jahre nach seiner Frau Anna. Beide sind im Luher Friedhof begraben.

Tochter Barbara erlag bereits im Alter von 6 Jahren der Diphtherie. Josef, der jüngste Sohn, wurde wie damals üblich am Tag der Geburt, am Freitag, 31. Juli 1896, in der Martinskirche von Pfarrer Josef Mauerer getauft. Er gehörte damit zu den 85 Kindern seines Jahrgangs, die in Luhe dieses Sakrament empfingen. Ein langes Leben war ihm nicht vergönnt. Der junge Bäcker musste im Dezember 1915 zum 14. bayerischen Infanterie-Regiment in Amberg einrücken. Nur wenige Wochen vor dem Waffenstillstand im November fiel er am 22. August 1918 in Frankreich.

Mehr Glück hatte Sohn Johann, der den Hof erbte und 1977 im Alter von fast 90 Jahren starb. Anna blieb ledig und diente als Magd auf dem elterlichen Anwesen. Georg heiratete in Gebenbach ein. Der heutige "Fischerbauer" heißt wie sein Urgroßvater, Großvater und Vater ebenfalls Johann Kick.

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