Gertraud Scharf, geborene Keppner verstorben
Zeitzeugin der Ortsgeschichte

Gertraud Scharf. Bild: hfz
Vermischtes
Luhe-Wildenau
21.12.2016
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Luhe. (sef) Gertraud Scharf, die Witwe des ehemaligen Nabburger Bürgermeisters Rudolf Scharf ist vor kurzem im Alter von 86 Jahren gestorben. Die frühe Kindheit hatte sie in Luhe verbracht. Vater Heinrich Keppner war hier von 1931 bis 1935 Bahnhofsvorstand.

Die Familie wohnte nicht im 1893 erbauten Ankunftsgebäude, sondern im ersten Stock des Hirschmann-Hauses, Nr. 102, gegenüber dem Gasthof "Krone" (Herdegen). Heute ist es das Anwesen Marktplatz 27. Scharf bekam hautnah das Geschehen im Ortskern mit und erstaunte mit einer selbst nach Jahrzehnten präzisen Erinnerung.

Besonders zwei einzigartige Persönlichkeiten des alten Marktes Luhe prägten sich ihrem Gedächtnis ein. Ihre Erinnerungen waren auch Grundlage für den Unterricht an der Grundschule über die Ortsgeschichte. Sie berichtete über den letzten Eremiten, den Einsiedler Arsenius Graf, der oft und gern ihre damals schon blinde Mutter Ottilie besuchte. Den Sterbetag des Eremiten am 7. April 1935 hatte sie in guter Erinnerung, weil sie von zu Hause weg und auf den Koppelberg gelaufen sei.

"Mein Ziel war die einsam gelegene Klause, wo der Franziskanermönch aufgebahrt war. Ich sehe ihn noch heute mit seinem weißen Rauschebart in der ärmlichen Bettstatt liegen, den Rosenkranz um die gefalteten Hände gewunden. Meine Eltern suchten mich überall, bis ihnen schließlich irgendjemand verriet, ich wäre oben in der Klause", hatte sie für die Grundschüler aufgeschrieben.

Ebenso lebendig beschrieb sie den Kindern den Bader Johann Ruf: "Mein Großvater Josef Stieler, der mit der Großmutter auch bei uns wohnte, ging jeden Tag zum Rasieren zum Bader Ruf am Marktplatz. Ich lief manchmal mit und wartete brav auf den Stufen vor seinem Geschäft, über dem ein Zunftschild in Form eines Schaumtellers hing, bis er wieder herauskam.

Bader Ruf, der auch Zähne zog und Wunden verband, war stämmig, hatte einen gepflegten Schnurrbart und sorgfältig gescheiteltes Kopfhaar. Ich erlebte ihn als freundlichen Mann, der uns Buben und Mädchen viel Lustiges erzählte. Oft stand er vor der Ladentür und wir liefen gleich zu ihm hin. Er hatte nämlich immer Milchbonbons in der Hosentasche, die er freigebig verteilte."
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