29.12.2017 - 16:38 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Hermann Joseph Zimmerer lässt Leiterwagen von Ziegen ziehen Ein seltsames Gespann

Wer an den Verkehr vor dem Auto-Zeitalter zurückdenkt, sieht meist nur Pferde- und Ochsenfuhrwerke vor seinem geistigen Auge. Doch für weniger begüterte Menschen gab es noch andere Gespanne.

Aus den 1940er Jahren stammt das Bild von Hermann Zimmerer, der mit dem Ziegengespann auf der Naabbrücke zwischen Ober- und Unterwildenau unterwegs war. Repro: sef
von Autor SEFProfil

Pferdehaltung beschränkte sich ehedem auf wohlhabende Bauern oder Fuhrbetriebe. So schirrten im alten Markt Luhe nur der Naab- und Forstmüller die kräftigen "Noriker" und "Oberländer" an, um Baumstämme zum Sägegatter zu befördern. Ansonsten herrschte die Ochsen- oder Kuhanspannung vor.

An der Bahn geboren

Wer gar mit Ziegen sein Gras, Heu oder Brennholz heimbrachte, zählte gewiss nicht zu den begüterten Ökonomen. Es waren vielmehr "Kleinhäusler", die eine Geiß (Einzahl "Goaß") oder zwei dieser anspruchslosen Milch- und Fleischlieferanten (Mehrzahl "Goaßn", "Goiß/n") an den Zügel nahmen. In Bauernhöfen wurden die "Eisenbahnerkühe" genannten Tiere grundsätzlich nicht gehalten.

Ein Ziegengespann existierte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts auch in Oberwildenau. An seinen Lenker Hermann Joseph Zimmerer erinnerten sich Helga Feneis und Luise Kick noch gut. Zimmerer wurde am 28. April 1907 im Wechselwärterhaus Nr. II geboren. Laut "Kilometerverzeichnis der Bahnmeisterei Wernberg" aus der Sammlung von Josef Kleber stand es 350 Meter nördlich des Bahnhofs Luhe-Wildenau bei Kilometer 78,469 ab Regensburg.

Vater Hermann arbeitete dort als Stationsdiener und hatte die Schranken zu bedienen. Die Mutter, eine geborene Kohl, hieß Babette. Der Junior wurde am 1. Mai 1907 von Pfarrer Joseph Mauerer in St. Martin getauft. Von 1914 bis 1921 besuchte er die Volksschule in Luhe. Dort unterrichtet ihn Hauptlehrer Michael Lehner. In Oberwildenau wurde erst 1947 eine eigene Volksschule gegründet.

Als naturverbundenes Original verkaufte Hermann Joseph Gemüse und Obst aus dem eigenen Garten, beschnitt und veredelte Bäume und verdiente sich den Lebensunterhalt recht und schlecht mit Gelegenheitsarbeiten. Wenn es an der Zeit war, spannte er seine Ziegen an und holte im Leiterwägelchen Gras und Heu von den Feldrainen und Bahndämmen. In den 40er Jahren entstand von ihm auf der alten Naabbrücke zwischen Ober- und Unterwildenau ein Foto samt Ziegen.

Gras- und Heutransport

Zimmerer starb am 7. Juni 1978 in Störnstein. Kirchlich eingesegnet wurde er aber drei Tage später in seinem Heimatort Oberwildenau von Oberstudienrat Hans Weis, der die Expositur St. Michael von 1976 bis 1978 betreute. Schwester Hilde hatte bereits am 22. Oktober 1976 das Zeitliche gesegnet. Beide Gräber sind mittlerweile aufgelöst.

Inzwischen ist die Ziegenhaltung wieder im Kommen. In Stein zwischen Pfreimd und Trausnitz werden die genügsamen Kreaturen, die zu den ältesten landwirtschaftlichen Nutztieren zählen und einst das Überleben der Bevölkerung sicherten, als Landschaftspfleger eingesetzt. Sie bewahren durch ihre Weidetätigkeit die Trockenrasen auf dem Granit und Gneis vor Verbuschung.

Nicht nur Kuh-, sondern auch Ziegenmilch verkauft Georg Kick in Luhe. Der Aussiedlerbauer bietet sie ebenso wie manche anderen Landwirte in der Region in einem hofeigenen Automaten rund um die Uhr zum Selbstabfüllen an.

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