Lauter Streit um Feuerwehrhaus, Vorwürfe an Bürgermeister
„Unendliche Planung“

Das Grundstück hinter dem Naabtalhaus (an den Bäumen) wäre ein potenzieller Bauplatz für das neue Feuerwehrhaus. Von hier wäre eine direkte Einfahrt in die Kreisstraße (links) möglich. Bild: bey
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Luhe-Wildenau
10.12.2016
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Lautstarker Streit in der Bürgerversammlung. Grund ist das Feuerwehrgerätehaus Oberwildenau. Kommandant Sebastian Hartl wirft dem Bürgermeister vor, er kümmere sich zu wenig um das Problem.

Oberwildenau. Sieben bis acht Jahre werde über dieses Thema gesprochen. Mehrere Pläne gebe es dazu. Das beklagte der federführende Kommandant. Die Gesundheitsgefährdung im alten Gerätehaus sei hinreichend bekannt. Herbert Pschierer stieß ins selbe Horn. Es gebe kein Ergebnis dieser "unendlichen Planung", sagte er. Die Diskussion war zunehmend von einer höchst seltenen Lautstärke getragen. Vorwürfe häuften, die laut Bürgermeister Karl-Heinz Preißer (SPD) falsch sind. Fast drohte das vorzeitige Ende der Bürgerversammlung.

"Sind wir es nicht wert?"

Ausdrücklich hatte Hartl zu Beginn seines Redebeitrages betont, in seiner Eigenschaft als Feuerwehrkommandant, nicht als Marktratgemeinderatsmitglied (CSU), zu sprechen. Gleich mit seiner ersten Anmerkung, stieß Hartl bei den Zuhörern im voll besetzten Gastraum des Naabtalhauses auf laute Zustimmung: Der Bürgermeister hätte in seiner Präsentation dem "Brückenschlag" der Bundeswehr mehr Bedeutung beigemessen als dem Problem des Feuerwehrhauses. "Sind wir es nicht wert, ein neues Feuerwehrhaus zu bekommen", fragte Hartl und gab selbst die Antwort: "Wir haben uns die Entscheidung verdient."

CSU-Gemeinderat Josef Kres hielt Preißer vor, seit den Kommunalwahlen nicht mehr bei der Feuerwehr gewesen zu sein. Die Feuerwehr gehöre zu den Pflichtaufgaben einer Kommune, nicht die Herstellung eines vierzig Meter langen Stollens, sagte Kres. Johann Scharnagl forderte das Marktoberhaupt auf, sich nicht um einen Radweg für drei oder vier Personen zum Netto-Markt zu kümmern, sondern um das neue Feuerwehrhaus.

"Wo ich hingehe, ist meine Entscheidung", sagte Preißer. Er verwies auf seine ehrenamtliche Tätigkeit, die es ihm nicht möglich mache, zu jeder Versammlung zu gehen. Der Neubau eines Feuerwehrgerätehauses oder der Anbau müsse genau überlegt werden, sagte er.

Keine Schulden aufnehmen

Erst kürzlich habe die Regierung der Oberpfalz eine Prüfung empfohlen, ob die Größe des Feuerwehrhauses im geplanten Umfang notwendig ist. Ganz klar war die Meinung des Bürgermeisters zur Finanzierung: Schulden werden dafür nicht aufgenommen. Während der Diskussion wies Preißer deutlich darauf hin, dass es sich um eine Bürgerversammlung nicht um eine Feuerwehrversammlung handle. Den Vorwurf von Pschierer, dass er zu wenig auf die Wehr zugehe, wies der Bürgermeister zurück. Dies wisse auch der Feuerwehrkommandant. Ebenso sei die Behauptung falsch, er wolle nichts mit der Feuerwehr zu tun haben.

Weitere Themen der BürgerversammlungNeben dem Streit um das Feuerwehrgerätehaus gab es auch weitere Diskussionen in der Bürgerversammlung:

Einer Ausweitung der Einkaufsfahrten zum neuen Edeka-Markt in Etzenricht erteilte der Bürgermeister eine klare Absage. Es sei nicht verständlich, dass die Kaufkraft der Bürger in andere Kommunen gefahren werden solle. Wichtig sei, eigene Geschäfte zu unterstützen. "Sonst haben wir mal nichts mehr."

Johann Scharnagl nannte die geplante Altenwohnanlage am Ortsrand von Luhe "nicht realisierbar". Das Grundstück in Oberwildenau sei hingegen ein "super Platz". Bernd Gradl bezeichnete das Vorhaben in Luhe ein "Gegenprojekt" zu Oberwildenau. Bürgermeister Preißer wehrte sich dagegen, die beiden Vorhaben unterschiedlich zu behandeln. Für das Vorhaben Luhe habe die Planung früher als die für Oberwildenau vorgelegen. Für das Vorhaben Oberwildenau wurde eine Bauvoranfrage eingereicht, die den üblichen Weg gegangen sei.

Berndt Gradl sprach auch die Schließung der Geldinstitute an, bei der er ein "Wehren" seitens der Marktgemeinde nicht erkannt habe. Der Bürgermeister sagte, er habe nichts von der Schließung der Sparkasse gewusst. Das andere Geldinstitut als Genossenschaftsbank achte auf die Erträge für seine Genossen. Deshalb könne die Marktgemeinde nicht viel entgegen setzen. Zum Schließungstermin waren auch andere Markträte geladen. Er selbst habe wegen des Verhaltens der Sparkasse sein Girokonto aufgelöst.

Kritisch beäugte Bernd Gradl den fehlenden Radweg nach Etzenricht. Dazu habe die SPD-Fraktion beim Landkreis einen Antrag eingereicht, berichtete Preißer.

Zum Baugebiet "Eschlingweiher" kündigte der Bürgermeister an, dass die Ausschreibung für Kanal und Wasser baldmöglichst vergeben werde. Sollten allerdings Bauherren unbedingt mit der Errichtung eines Hauses beginnen wollen, werde ein Grundstück auch ohne amtliche Vermessung verkauft. In jedem Fall habe Luhe-Wildenau bei der Ausweisung des Baugebietes "wie immer" gearbeitet.

Wegen der möglichen Belastungen durch die Bahnstrecke Hof-Regensburg habe er schon viele Resolutionen unterzeichnet, sagte Preißer. Marktrat Roland Rauch bat die Bürger, Veranstaltungen zur Bahnlinie zu besuchen. (bey)
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