21.07.2009 - 00:00 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Malermeister Thomas Lingl restauriert alte Kreuze - Namen und Jahreszahlen kommen zum Vorschein Wo Geschichte farbig wird

Malermeister Thomas Lingl kennt sie alle: So gut wie jedes Marterl rund um Luhe-Wildenau hat er fotografiert. Einige der Kreuze hat er selbst neu bemalt. Gerade arbeitet er an dem gusseisernen Kreuz eines Kunden: Dessen Opa hatte es aus Dankbarkeit gestiftet, weil er heil aus dem Krieg zurückgekommen war.

Der Jesus fehlt noch. Dieses Kreuz richtet Thomas Lingl für einen Kunden her. Dessen Opa hatte es aus Dankbarkeit aufstellen lassen: Er war heil aus dem Krieg zurückgekehrt. Bild: Duft
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Beim Reinigen des Kreuzes kamen alte Namen und Jahreszahlen zum Vorschein - höchst interessant für jeden Heimatforscher. Gerne würde Lingl der Geschichte jedes einzelnen Marterls auf die Spur gehen, doch in seiner Werkstatt wartet genügend andere Arbeit.

Mut zur Farbe

Das Hauptgeschäft macht der Malermeister mit Innen- und Außenarbeiten an Häusern. Dabei ist er auch als Farbberater tätig: "Manche Leute muss man richtig zur Farbe zwingen", hat seine Erfahrung gezeigt. Meist seien die Kunden danach aber froh um den Tipp. "Viele sind überrascht, was ein bisschen Farbe ausmachen kann." Seit vier Jahren hat Lingl seinen eigenen Betrieb, und richtig schwierig wurde es bisher nur einmal: "Vier Mal habe ich die Wände eines Kunden gestrichen: Erst beige, dann gelb, dann in einem anderen Gelbton und am Schluss dann doch wieder beige."

Solche Fälle sind aber Ausnahmen; Lingl bereut es nicht, sich selbstständig gemacht zu haben. Wie sehr er seinen Beruf liebt, merkte er, als er zwei Jahre in einer Fabrik arbeitete. "Das war nicht das meine."

Was so schön ist am Malerberuf? "Die Abwechslung. Alle paar Tage stehe ich vor neuen Wänden und Farben - und natürlich auch vor neuen Leuten." Allerdings: Die Krise spürt auch Lingl. Anfang des Jahres sind die Aufträge eingebrochen. "Früher war ich fünf Monate im Voraus ausgebucht, jetzt sind es nur mehr vier Wochen."

Was Lingl, der einen Mitarbeiter beschäftigt, auch anbietet: Die Dämmung von Häusern. "Das ist schwer angesagt in Zeiten der hohen Energiepreise." Und: "Es gibt reichlich Förderung. Jeder sollte sich darüber Gedanken machen."

Fit ist Lingl auch in Wisch-, Lasur- und Glättetechnik. Letztere findet sich häufig in Banken oder italienischen Restaurants. Der Clou: Das Ergebnis sieht aus wie Marmor. In drei Schritten wird die Wand dafür mit Spachtelmasse bearbeitet. Mit einer Venezianer-Kelle wird das Ganze fest verpresst und damit hart wie Stein. Den letzten Schliff bekommt die Luxus-Wand dann beim Polieren.

Marterl nach Blitzschlag

Auf den letzten Schliff warten auch mehrere Marterl in Lingls Werkstatt. Kreuze stehen in der Ecke, eine Jesus-Figur liegt zum Reinigen auf dem Werktisch. Auf zwei Fotos ist ein weiteres Marterl an einem Feld abgebildet, einmal alt und verwittert und einmal frisch restauriert.

Was es mit diesem Kreuz auf sich hat? "1921 ist dort einer vom Blitz erschlagen worden", erzählt Lingl. "Weil er ohne Sakramente von der Welt gegangen ist, glaubten die Leute, er sei im Fegefeuer gelandet." Am Kreuz beteten die Menschen für ihn. Dass Geschichten wie diese nicht verloren gehen, dagegen malt Lingl in seiner Werkstatt an.

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