Michael Siegert wird 1881 mit 29 Jahren Bürgermeister von Luhe
Müller mit Patenten vom Kini

Der Naabmüller Michael Siegert steht mit Ehefrau Anna vor dem Wohnhaus, das er nach einem strengen Winter 1874 erbaut hat. Im Hintergrund sind Dienstboten zu sehen. Repros: sef (3)
Vermischtes
Luhe-Wildenau
09.03.2018
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Anna und Michael Siegert bei ihrer goldenen Hochzeit 1927.

Zwei Priester und ein Bürgermeister entstammen im 19. Jahrhundert der Naabmühle in Luhe. Besonders geachtet ist Michael Siegert, der sogar zwei Urkunden von König Ludwig II. erhält.

Luhe. 1807 erblickte Georg Siegerts dritter Sohn Joseph das Licht der Welt. Mutter war die aus Pleystein stammende Katharina Bauriedl. Weil die älteren Brüder Georg Ulrich und Johann Georg den geistlichen Stand bevorzugt hatten, trat Joseph 1834 das väterliche Erbe an. Er heiratete Margarethe Hutzler aus Deindorf. Nach deren frühen Tod nahm er 1840 deren Schwester Therese zur Frau. Sie gebar ihm am 7. Februar 1852 Sohn Michael.

Dieser genoss das Privileg, nach der Werktagsschule Luhe bei Lehrer Andreas Hilburger an der Gewerbeschule Regensburg "studieren" und in der Kreishauptstadt wohnen zu dürfen. Doch bereits 1870 - früher als erwartet - musste er die mit dem größten Grundbesitz des Ortes ausgestattete Mühle übernehmen, weil der Vater einem Leberleiden erlegen war. Laut Familienchronik ging Joseph Siegert als vermögendster Naabmüller in die Geschichte ein. Die Mühle war mindestens seit 1583 in Betrieb und kam 1719 in den Besitz der Familie Siegert. 1868 wurde im Königreich Bayern eine neue Wehrverfassung eingeführt. Sie verfügte eine allgemeine Wehrpflicht von drei Jahren, ohne die Möglichkeit, einen Stellvertreter zu bezahlen. Wer sich allerdings für ein Jahr freiwillig verpflichtete, durfte bereits nach zwölf Monaten den Dienst quittieren. Voraussetzungen waren der Besuch einer Mittelschule und eine finanzielle Beteiligung.

Militärdienst abgekürzt

Der betuchte Michael Siegert erfüllte diese Bedingungen. Er trat im Frühjahr 1872 als Einjährig-Freiwilliger in das 6. Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm König von Preußen zu Amberg ein und schied bereits 1873 als Vize-Feldwebel aus. Am 4. August 1873 beförderte der später Märchenkönig genannte Ludwig II. den Bürgerlichen zum Seconde-Lieutenant (Leutnant) und am 24. Mai 1884 zum Premier-Lieutenant (Oberleutnant) der Reserve. Einige Fotos und die beiden Patente bewahrte Urgroßnichte Olga Kammerer. Beide tragen die Originalunterschrift des Königs. Endgültig verabschiedet wurde der Reservist am 25. November 1885 und zwar auf eigenes Nachsuchen.

Volljährig war man bis 1875 erst mit 25, danach mit 21 Jahren. Ende 1881 fanden in Bayern Gemeindewahlen statt. Das aktive und passive Wahlrecht besaßen alle volljährigen Männer. Sie mussten das vom Magistrat oder Gemeindeausschuss verliehene Bürgerrecht besitzen, seit fünf Jahren im Ort wohnen, jährlich eine gewisse Steuerlast tragen und in einer öffentlichen Wählerliste stehen.

Im Markt Luhe fanden diese Kommunalwahlen am 18. November 1881 statt. Stimmberechtigt waren 120 Männer, die acht Gemeindebevollmächtigte beriefen. Das waren Matthias Brunner, Georg Schwandner, Michael Reichenberger, Georg Sperer, Georg Böhm, Wolfgang Post, Johann Häusler und Johann Müller. Von Beruf waren sie Hafner, Binder, Weber, Hutmacher, Schmied, Bäcker und zwei Ökonomen.

Wahl zum Bürgermeister

Für Ausscheidende standen vier Ersatzmänner bereit. Die frisch bestimmten Vertreter der Marktbewohner wählten anschließend mittelbar den erst 29-jährigen Michael Siegert für die nächsten sechs Jahre zum Bürgermeister. 1887 wurde der Naabmüller für eine weitere Amtsperiode bestätigt. Offenbar hatte er sich so viele Verdienste erworben, dass ihm der Marktrat 1924 das Ehrenbürgerrecht verlieh. Michael Siegert hatte am 15. April 1877 Anna Herdegen geheiratet. Sie war die Tochter des Kronen-Wirts Nepomuk Herdegen und seiner Ehefrau Rosina, eine geborene Reichenberger. Das Müllerehepaar Siegert hatte die drei Kinder Therese, Maria und Georg. Der Sohn übernahm später das Anwesen.

Michael und Anna feierten 1927 goldene Hochzeit. Am 14. August 1932 schließlich meldete Sohn Georg im Rathaus den Tod seines 80-jährigen Vaters. Die Mutter war schon drei Jahre zuvor gestorben.

Am 16. August bewegte sich ein stattlicher Leichenzug von der Naabmühle zum Friedhof. Trotz dringenden Erntewetters kamen auch aus der weiteren Umgebung Trauergäste, um dem alten Müller die letzte Ehre zu erweisen. Die Dienstboten trauerten um einen stets besorgten Herrn, der ihnen 1880 anstelle des kleinen Mühlrades ein Tagelöhnerhäuschen errichten ließ. Es stand auf der anderen Straßenseite.

Zwei GeistlicheZwei Onkels väterlicherseits von Michael Siegert waren Priester. Der älteste wurde 1805 geboren und hieß Georg Ulrich . 1828 war seine Priesterweihe, 1840 wurde er Stadtpfarrer von Eschenbach. Er starb bereits fünf Jahre später 1845. Johann Georg , geboren 1807, wurde ebenfalls Priester und stieg 1850 zum Stadtpfarrer von Pfreimd auf. Er war als Wohltäter geschätzt und starb als Ehrenbürger 1887. (sef)
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