Nur das Blinken des Ladegeräts der Zahnbürste spendet Licht
Vier dunkle Nächte

Nachtaufnahmen wie die von Luhe mit seinem barocken Kern gelten als romantisch. Wie ungewohnt Dunkelheit ganz ohne Beleuchtung dagegen heutzutage ist, erlebten die Bewohner des Ortes unfreiwillig an vier Abenden. Bild: za
Vermischtes
Luhe-Wildenau
24.08.2017
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Nachts ist es finster. Das ist eigentlich eine Binsenweisheit. Doch so ganz dunkel sind die Nächte heutzutage gar nicht mehr. Das kann einem ganz unerwartet zur neuen Gewissheit werden.

Luhe. Claus Kleber und Gundula Gause vom "heute journal" hatten sich soeben mit einer "guten Nacht und dann bis morgen" von mir verabschiedet. Ich tat das mit einem Druck auf den roten Knopf der Fernbedienung. Die Mattscheibe wurde finster. Und nicht nur sie. Gleichzeitig war es auch im Wohnzimmer dunkel. Ich pflege ohne Licht fernzusehen, nur im Schein der Straßenbeleuchtung, die durch drei Fenster hereinscheint. Waren die Rollos zum Schutz vor der Tagessonne noch unten? Nein, die grauen Lamellen hätte ich in den Scheiben gesehen. Aber auch hier stockfinstere Nacht. An die Fenster vorgetastet entdecke ich totale Straßenfinsternis. Die Lampen waren im ganzen Viertel ausgefallen.

"Unsere" Straßenlaterne erhellt unsere gesamte Einfahrt einschließlich Garage und Carport, einen Teil des Gartens und sogar einige Zimmer im Haus. Bei der nächtlichen Kontrollrunde vor dem Zubettgehen der obligatorische Griff an die Haustür. Sie war offen und ungewollt stolperte ich fast in ein riesiges finsteres Loch. Unser Hauseingang ist komplett überdacht. Große dunkle Bäume einschließlich der schwarzen Teerstraße ließen kurzfristig die Befürchtung eines Verlustes meiner Sehkraft aufkommen. Auch das schwarze Auto der Nachbarn, das sonst im Schein der Straßenlaterne parkt, war mit der Finsternis eins geworden und somit fast unsichtbar.

Im Schlafzimmer brauchte ich den Rollo auch nicht mal halb zu schließen - wie sonst - , um die Spiegelung der Straßenlampe in den Scheiben zu vermeiden. Ein Blick aus dem Fenster offenbarte einen dunklen, aber nicht ganz finsteren Himmel. Ohne Sterne. Ohne Mond. Lediglich ein kleiner hellerer Streifen war am Horizont über dem finsteren Wald zu sehen. Lichtverschmutzung vielleicht vom Nachbarort? Diese kleine Helligkeit spiegelte sich minimalistisch im Glasrahmen eines großen Fotos an der gegenüberliegenden Wand. Gott sei Dank, ich war nicht blind.

Der nächtliche Toilettengang - dank Straßenlaterne normalerweise ohne Licht möglich - gestaltete sich zum Hindernislauf. Ich wollt's halt einfach wissen und mag außerdem absolut kein helles Licht mitten in der Nacht. Zuerst stand die Wäschekommode an der Schlafzimmertür der kleinen Zehe im Weg und dann die Sporttasche meines Jüngsten in der Diele mir insgesamt. Im Bad war es etwas leichter. Hier diente mir das Blinken des Ladegerätes der elektrischen Zahnbürste als feudale Lichtquelle. Der Rückweg verlief, langsam vorantastend, fast problemlos.

"Alter, was war denn heute Nacht los?", mit diesen Worten kam mein Jüngster von der Frühschicht nach Hause und an den Mittagstisch. "Stockfinster, ich wär beinah von der Hausstaffel geflogen und auf den Igel (unser einziges Haustier) getreten." Nur die Handylampe hätte ihn und den Igel auf dem Weg zum Carport gerettet. Eine Antwort konnte ich ihm nicht geben. Überraschenderweise blieb es auch in der folgenden Nacht stockfinster und in der nächsten und in der übernächsten.

Am letzten finsteren Abend schreckte mich ein Klingeln hoch. Mein naturverbundener und ökologisch denkender Nachbar stand mit seinem Neuerwerb, einem vierjährigen Schäferhundemix namens "Peppa", und einem "Wuuunderschööön" vor sich hinschmachtend, vor der Haustür. "Das musst Du dir ansehen", deutete er in die Nacht. Ich folgte ihm in die dunkle Einfahrt, wäre beinahe über Peppas Leine und die Geraniengießkanne gestolpert.

Zu dritt standen wir im Dunkeln und sahen uns den Himmel und die leuchtenden Fenster in der Nachbarschaft an, die mitunter ein klein wenig Lichtschein auf den stockfinsteren Gehweg, der sich kaum von der schwarzen Straße abhob, spendeten. So muss das früher gewesen sein, dachte ich mir, als es noch keine Straßenbeleuchtung gab, wie meine Großmutter erzählt hat - fast wirklich schön und beinahe ein wenig romantisch. Und noch ein Gedanke schoss mir durch den Kopf: Vielleicht würde manchmal jede zweite Laterne genügen.

Zwei StörungenEs waren gleich zwei Störungen, die die Straßenzüge "Am Gießhübel" und "An der Kapelle" vier Nächte lang verdunkelten. Der erste Anruf, der das Bayernwerk auf den Ausfall der Straßenbeleuchtung hinwies, sei am Donnerstag von der Gemeinde gekommen. Daraufhin sei ein Servicetechniker des Netzcenters Weiden losgefahren und habe eine defekte Sicherung an einer Leuchte getauscht, informiert Manuel Köppl, Pressesprecher des Bayernwerkes in Regensburg.

Dazu habe sich dann noch ein Fehler am Funkrundsteuerempfänger - quasi die Funkempfangsstelle für die Fernbedienung zum Ein- und Ausschalten der Anlage - gesellt. Hier wandten sich Anlieger am Samstag direkt an den Energieversorger, der den Fehler noch am gleichen Tag behob. Insgesamt sind so vier Nächte ohne Licht zusammengekommen.

Es gebe zwar digitale Systeme, die Ausfälle erfassten, jedoch hätte es sich hier um sogenannte "Bestandsleuchten" gehandelt, die an derartige Systeme nicht angebunden seien. "Da sind wir dann auf Störungsmitteilungen vor Ort angewiesen ," informierte Köppl. (mh)
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