10.02.2017 - 08:50 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Pkw-Diebstähle in Weiden und im Kreis Neustadt Luxus-Liebe der Autodiebe

Böse Überraschung am Morgen: Das teure Auto ist weg. Am Abend stand es noch vor der Haustür. Acht Mal ist das in den letzten Monaten in der Region geschehen. Zuletzt in der Nacht zum Mittwoch in Parkstein. Der Schaden geht in die Hunderttausende.

BMW X5 stehen bei Autodieben in der Region hoch im Kurs. Auch weitere Modelle des Münchener Autobauers sowie hochwertigen Audis haben Diebe in den vergangenen Monaten entwendet. Archivbild: obs/BMW Group
von Julian Trager Kontakt Profil

Luhe-Wildenau/Weiden. (jut/za) Die Zahlen bei Autodiebstählen in der Oberpfalz sind nach Angaben des Polizeipräsidiums eigentlich tendenziell rückläufig. Auch in Weiden werden diese Delikte seit 2014 weniger. Im Landkreis Neustadt/WN sind 2016 zwar erstmals seit drei Jahren wieder mehr Autos gestohlen worden, die Zahlen bleiben aber im niedrigen Bereich.

Polizeisprecher Albert Brück sagt: "Man muss mit den Zahlen vorsichtig hantieren." Weiden und der Landkreis Neustadt seien nur ein kleiner Bereich mit wenigen Fällen. Die Statistik in Weiden zeigt, dass die Diebstähle seit 2013 um 50 Prozent zurückgingen. Das hört sich gewaltig an, aber es handelt sich dabei nur um sechs Delikte. Brück: "Wenn man die Kriminalstatistik anschaut, sind das immer Wellenbewegungen: Mal steigen die Zahlen, mal fallen sie."

Teure Autos im Visier

Der Polizeioberkommissar stellt fest: "Wir können auf keinen Fall Entwarnung geben." Denn, wie die Polizei mitteilt, ist in der Oberpfalz ein Trend zum Diebstahl hochwertiger Autos erkennbar. Eine Rolle spielt dabei "Keyless Go", ein System, mit dem der Pkw über Funkwellen ohne aktive Benutzung eines Schlüssels entriegelt werden kann. Das Phänomen ist auch im Landkreis und in Weiden zu erkennen: Im vergangenen Jahr sind, in der Region sechs teure Fahrzeuge gestohlen worden. Im April verschwanden in einer Nacht ein BMW 430d aus einem Carport in Neustadt/WN und ein BMW 530d aus einem Carport in Parkstein, jedes Auto mit einem Wert von etwa 60 000 Euro. Letzteres Fahrzeug wurde später unbeschädigt aufgefunden.

In Luhe-Wildenau wurden zwei Autos geklaut - ein BMW X 5 im Mai und ein Audi A 6 im Dezember. Zusammen waren sie ungefähr 190 000 Euro wert. Beide Luxus-Karossen wurden von der Straße weg entwendet. Zwei weitere X5, jeweils auf 60 000 Euro taxiert, verschwanden im Juni in Weiden und Pressath.

2017 haben sich Diebe bereits zwei weitere hochwertige Autos gekrallt. Zunächst traf es wieder Luhe-Wildenau, wo Anfang Januar ein schwarzer BMW X5 gestohlen wurde. Das 80 000-Euro-Auto stand am Morgen nicht mehr vor der Haustür seines Besitzers. Ebenso erging es nun einem Parksteiner. Dieser hatte laut Polizeibericht seinen schwarzen Audi RS 7 am Dienstag gegen 23.30 Uhr in seiner Hofeinfahrt in der Tulpenstraße abgestellt. Bereits eine Stunde später bemerkte der Besitzer, dass das Fahrzeug mit einem Zeitwert von 90 000 Euro weg war. Auch in diesem Fall mutmaßen die Ermittler, dass die Diebe "Keyless Go" überwunden haben. Hinweise zu diesem und anderen Fällen nimmt die Kriminalpolizei unter der Telefonnummer 0961/401-291 entgegen. Albert Brück erklärt, dass es nichts Neues sei, dass Autos direkt vor der Haustür gestohlen werden. "Die werden da entwendet, wo man für einen längeren Zeitraum nicht beobachtet wird." Brück sagt, dass es sich nicht nur um Banden, vor allem aus Osteuropa, handelt: "Es gibt auch immer wieder regionale Täter." Von "professionellen" Gruppen, wie oft gesagt wird, würde er nicht sprechen: "Das würde ja heißen, die hätten eine Ausbildung gemacht." Trotzdem seien die Täter gut vorbereitet: "Da gibt es sicherlich Strukturen dahinter. Teilweise werden die Fahrzeuge auf Bestellung entwendet. Das wissen wir."

Diebe technisch top

Die Autodiebe arbeiten laut Polizeipräsidium in organisierten Banden zusammen. Es gebe Auftraggeber, Hehler, Diebe, Fahrer und Ausspäher, die Wohngebiete durchstreifen und schauen, wo wertvolle Gefährte stehen. Die Späher geben die Informationen an die Diebe weiter, die technisch meistens so ausgerüstet sind, dass sie serienmäßige Sicherheitssysteme knacken können. "Die Täter machen sich den technischen Wandel zunutze", sagt Albert Brück.

"Autodiebstahl ist eine besondere Deliktsklasse. Man merkt erst am nächsten Morgen, dass das Auto weg ist", teilt der Polizeisprecher mit. Das erschwere die Aufklärungsarbeit der Polizei. "Die Täter haben einen gewissen Vorsprung. Das ist extrem schwierig zu verfolgen", sagt Brück. Der Beamte empfiehlt, möglichst frühzeitig bei der Polizei Bescheid zu geben, wenn man auffällige Personen oder Fahrzeuge sieht.

Grenze kein Faktor

Albert Brück hält die Nähe zur tschechischen Grenze für keinen großen Faktor. "Wir sehen in ganz Bayern die gleiche Entwicklung." Auch die Nähe zur Autobahn wie in Luhe-Wildenau spiele eher eine kleine Rolle: "Das ist ein Für und Wider." Zum einen gelangen die Täter dort schneller voran, zum anderen sind auf der Autobahn aber auch viele Polizisten unterwegs. "Wir haben die ganze Grenze entlang Fahndungseinheiten", sagt Brück. Zudem arbeite die bayerische Polizei eng mit der Bundespolizei, dem Zoll und den Nachbarländern zusammen. Das trage Früchte, erklärt der Sprecher des Oberpfälzer Polizeipräsidiums: "Es ist erfolgreich. Wir profitieren von allen Seiten."

Da gibt es sicherlich Strukturen dahinter. Teilweise werden die Fahrzeuge auf Bestellung entwendet.Albert Brück, Polizeisprecher

Tipps der Polizei

Stellen Sie, wenn möglich, hochwertige Fahrzeuge in einer abschließbaren Garage ab.

Benutzen Sie zur Aufbewahrung des Funk-Autoschlüssels besonders gesicherte Schlüsseltresore. Legen Sie den Schlüssel nicht in der Nähe der Haustür ab. Lässt sich dies nicht vermeiden, schirmen Sie das Funksignal etwa mit Hilfe eines Schlüsseletuis mit Cryptalloy-Folie ab. (jut)

Weitere Informationen der Polizei zum Schutz vor Autodieben unter www.onetz.de/1725657

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