Schulen auf dem Weg ins Medienzeitalter
Dankschreiben auf der Tafel

Am aufgeräumten Schreibtisch arbeitet Eduard Haimerl als Schulleiter in Oberwildenau.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
08.09.2017
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Der Lehrer Eduard Haimerl und seine Schulkinder sitzen in Martinsneukirchen rund um das gespendete Radiogerät. Repros: sef (2)

Unvergessen in Oberwildenau ist auch 35 Jahre nach seinem Tod Hauptlehrer Eduard Haimerl. In Martinsneukirchen erlebte er einen großen Schritt des immer mehr Fahrt aufnehmenden Medienzeitalters.

Oberwildenau. Haimerl leitete von 1961 bis 1972 die Volksschule. Zur Welt kam er 1907 in Furth im Wald. Von 1921 bis 1928 absolvierte er die Präparandenschule Cham und die Lehrerbildungsanstalt Amberg. Anschließend unterrichtete er unter anderem in Irlach, in Michldorf, Unterfrankennohe, Pielenhofen, Oberbernrieth und Schönthal.

1951 wurde Haimerl in den Landkreis Roding nach Martinsneukirchen versetzt, wo er bis 1955 blieb. Auf einer historischen Aufnahme, festgehalten mit einer Agfa-Box, ist zu sehen, wie er den Beginn des rasant fortschreitenden Medienzeitalters in der Schule seinen Kindern präsentierte und welche Sensation damals ein Radiogerät war.

Ordentliche Schrift

"Wir danken dem Bayer. Rundfunk für unser neues Schulfunkgerät", ist mit weißer Kreide in dicken Buchstaben in ordentlicher Schrift auf die Tafel geschrieben. Diese Aufmerksamkeit für ein Radiogerät mutet in einer Ära medialer Überversorgung reichlich antiquiert an.

Vor 70 Jahren - am 8. September 1947 - kündigte erstmals ein Gong eine Schulfunksendung in Bayern an. Allerdings hörten ihn nur wenige. Erst jede fünfte Volksschule besaß damals ein Empfangsgerät. Doch ab Oktober 1948 verteilte Radio München 300 Geräte, und zwar monatlich 50 Stück. Es gab auch Schulen, die sich selbst halfen: Sie sammelten Altmetall, Papier oder Beeren, um mit dem Erlös ein Radio zu kaufen. Eltern wurden um Spenden gebeten und Bürgermeister von der Bedeutung des Schulfunks überzeugt.

"Glückswelle" für Schulen

Ganz allmählich gab es immer mehr Radioapparate in den Bildungsstätten. Doch die Lehrmitteletats verharrten auf niedrigem Niveau. Deshalb häuften sich in der Landeshauptstadt die Bitten um weitere Empfangsgeräte. Erst 1951 konnte Geld aus der "Glückswelle", einer Sendereihe zur Förderung des Schulhausbaus, abgezweigt werden. Vor allem Rudolf von Scholtz, der erste Intendant des Bayerischen Rundfunks, sorgte für eine flächendeckende Verbreitung von Radiogeräten.

Nun konzentrierten sich die Wünsche der Hörer auf das Programm. Jeden Monat gab es in irgendeiner Ecke Bayerns eine Tagung, die sich mit dem Schulfunk und seiner Verwendung im Unterricht befasste. Lehrer, Autoren, Redakteure und Regisseure tauschten sich aus. So formten die Partner Schule und Rundfunk gemeinsam das Programm, das ab 1950 für ein ganzes Schuljahr im Voraus angezeigt wurde. Das gab es sonst nirgendwo in Deutschland. Dem neu eingeführten Fach Gemeinschaftskunde/Sozialkunde war bereits seit September 1949 eine eigene Sequenz gewidmet. Im Laufe der Zeit wurden weitere Fächer und Jahrgangsstufen einbezogen.

Zeitversetztes Hören

Eine große Errungenschaft stellten die Magnetophone dar, weil die Tonbandgeräte das Mitschneiden der Sendungen erlaubten. Damit war ein Abspielen in den passenden Unterrichtsstunden möglichen. Besonders interessiert waren die Unterstufenlehrer. Ihr Drängen bewirkte, dass von September 1951 an pro Jahr zwölf Sendungen für die jüngsten Schüler ausgestrahlt wurden.

Autoren waren Journalisten, Lehrer, Professoren und Dichter. Sie trugen eine Fülle an Material zusammen, das sie zu Manuskripten aufbereiteten. Nicht zuletzt zählten auch Kinder zum Kreis der Mitwirkenden.

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Quelle: Begleit-Zeitschrift "Schulfunk" Nr. 237, München 1967
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