Schulverbund ruft Schülerbeförderung ins Leben
Schulbus startet vor 50 Jahren

Mit den typischen runden Formen der 1960er Jahre präsentierte sich der Omnibus, mit dem für die Neudorfer und Oberwildenauer Kinder die Zeit des Fußwegs zur Schule endete.
Vermischtes
Luhe-Wildenau
01.09.2017
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Von 1950 bis 1979 unterrichteten die Lehrer in der Oberwildenauer Schule.

Vor 50 Jahren endet für viele Schüler in Oberwildenau und Neudorf die Zeit, in der sie zu Fuß zur Schule gehen. Seitdem fahren sie mit dem für Eltern und Kinder kostenlosen Schulbus.

Die Volksschule Oberwildenau wurde 1947 gegründet. Sie startete ihren Betrieb im Gasthaus Neumann, zog aber 1950 in ein Gebäude mit drei Klassenzimmern um. Zusammengefasst waren dort die Jahrgänge 1 bis 2, 3 bis 5 sowie 6 bis 8.

Auf eine weitaus längere Tradition blickt die Volksschule Neudorf zurück. Sie bestand mindestens seit 1759. Weil bis Anfang der 1960er Jahre nur ein Saal vorhanden war, errichtete die Gemeinde 1962 ein neues Schulhaus samt Gymnastikraum. Es kostet damals 350 000 Mark. Unterwiesen wurden hier in zwei Abteilungen die Grundschuljahrgänge 1 bis 4 sowie die älteren Kinder der Klassen 5 bis 8.

Freiwilliger Schulverband

Die Selbstständigkeit beider Bildungsstätten endete bereits fünf Jahre später. Um mit einer stärkeren Gliederung die Unterrichtsqualität zu verbessern, regten die Kommunen Oberwildenau und Neudorf im Vorgriff auf bevorstehende Veränderungen die Einrichtung eines Schulverbandes an. Besonders Hauptlehrer Eduard Haimerl warb bei Elternversammlungen in beiden Orten für dieses Vorhaben. Landrat Christian Kreuzer rührte gleichfalls die Werbetrommel. Er betonte die Vorreiterrolle dieses Zusammenschlusses im Landkreis Neustadt und wies auf die unentgeltliche Nutzung des Schulbusses hin.

Weil die Gemeinderäte und Eltern dem Vorhaben zugestimmt hatten, wurde der Schulverband Oberwildenau und Neudorf mit Regierungsverordnung vom 4. Januar 1968 genehmigt. Um ein Pilotprojekt zu schaffen, durfte dieser freiwillige Zusammenschluss bereits am 7. September 1967 seinen Betrieb aufnehmen.

Logische Konsequenz: Erstmals musste der versprochene Schulbus eingesetzt werden, um den Nachwuchs von einem Ort zum anderen zu befördern. Zuvor hatten beispielsweise die Grünauer Mädchen und Buben vier Kilometer nach Neudorf zu Fuß zu laufen. Mit ihrem Transport und dem ihrer Klassenkameraden aus Neudorf und Oberwildenau wurde die Firma Josef Kraus in Unterköblitz beauftragt.

Laut Vertrag vom 1. September 1967 durfte der Unternehmer, der am 3. Dezember 1972 mit zahlreichen Berufskollegen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, 87 Mark pro Unterrichtstag berechnen. Finanziert wurden die Kosten von 18 751 Mark für das Schuljahr 1967/68 und 18 927 Mark für das darauf folgende durch den Freistaat Bayern zu 70 Prozent. Der Landkreis übernahm 12 Prozent und die Gemeinden Oberwildenau und Neudorf die restlichen 18 Prozent. Den Eltern entstanden also - wie versprochen - keinerlei Auslagen. Da trug wesentlich zur Akzeptanz der Neuregelung bei.

Fahrt zur Sporthalle

Kraus war verpflichtet, den Busverkehr nach den Weisungen der Schulleitungen durchzuführen, die Omnibusse entsprechend zu kennzeichnen und die Sicherheit der Fahrschüler zu gewährleisten. Für die Buben und Mädchen waren die Fahrten zumindest am Anfang eine erfreuliche Abwechslung, zumal im moderneren Schulgebäude in Neudorf eine kleine Turnhalle zur Verfügung stand. In Oberwildenau war Sportunterricht nur im Freien auch auf dem Platz des SC Luhe-Wildenau möglich.

Drei Kombiklassen

Die 187 Schüler waren auf fünf Klassen verteilt. Oberwildenau bekam die Klassen A (Jahrgang 1, Lehrerin Maria Jodl), C (Jahrgang 4, Hermann Richthammer) und E (Jahrgang 7 und 8, Eduard Haimerl). In Neudorf hatten die Klassen B (Jahrgang 2 und 3, Christl Wünsch) und D (Jahrgang 5 und 6, Heinz Wünsch) ihr Domizil. Edeltraud Schafhauser gehörte zu den ersten Oberwildenauer Kindern, die im 5 Kilometer entfernten Neudorf unterrichtet. Sie saß bei Heinz Wünsch in der Kombiklasse 5. und 6. Klasse. Das Ziel, ausnahmslos Jahrgangsklassen zu schaffen, war immerhin in der ersten und vierten Jahrgangsstufe gelungen.

Die Verbindung bestand lediglich zwei Jahre. Schuld daran war die größte Veränderung in der bayerischen Volksschulgeschichte, die sich im Artikel 7 des Schulpflichtgesetzes vom 15. April 1969 manifestierte: "Die Volksschulen sind so zu errichten, daß die Schüler grundsätzlich auf Jahrgangsklassen verteilt sind. Die Schulpflicht endet nach neun Schuljahren." Der Schulverband wurde aufgelöst, Luhe kam mit ins Boot und fungierte als zentraler Standort. Bis 1979 waren Klassen nach Neudorf und Oberwildenau ausgelagert.
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