29.06.2013 - 00:00 Uhr
MähringOberpfalz

Spaziergang durch das Atelier von Brigitte Breusch-Veittinger in Mähring: Die Frau der Ringe und Kelche

Nicht alles, was glänzt, ist aus Gold oder Silber. Das ist im Atelier von Brigitte Breusch-Veittinger nicht anders. Zwar arbeitet die freischaffende Künstlerin und Silberschmiedemeisterin oft und gern mit den beiden Edelmetallen. Aber seit sie in der Oberpfalz lebt, schätzt sie genauso das "weiße Gold", das Porzellan, als Werkstoff. Oft kombiniert sie die Materialien und schafft damit außergewöhnliche Schmuckstücke.

Ein Kelch für die evangelische Erlöserkirche in Tirschenreuth.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Planierhämmer, Belzerithämmer, Zisilierhämmer, Treibhämmer und ein Till-Eulenspiegel-Hammer hängen sauber aufgereiht in ihrer speziellen Halterung unter dem Fenster. Dutzende davon hat Brigitte Breusch-Veittinger in ihrer Werkstatt. Sie sind die augenfälligsten Werkzeuge in der Silberschmiede. Der Hängebohrmotor wird seinem Namen gerecht und hängt an der Unterseite des riesigen Goldschmiedetisches, an dem zwei Leute Platz finden.

Werkstatt-Stillleben

Er treibt die verschiedensten Minifräser an. Die sind, bekommen sie Kontakt mit dem Werkstück, für das typische hochfrequente Geräusch verantwortlich, dass jeder vom Bohren beim Zahnarzt her kennt. Auf dem Tisch ein Sammelsurium an Kleinwerkzeugen, Hilfsmitteln, verschiedensten Materialien und allerhand Krimskrams. Ein Werkstatt-Stillleben, dessen genaues Studium Tage in Anspruch nähme.

Es ist der Lieblingsplatz von Brigitte Breusch-Veittinger, seit sie 2006 mit ihrem Mann ins ehemalige Zollhaus eingezogen ist. Viel Zeit hat sie seither hier verbracht.
Der Raum, der sich anschließt, ist ebenfalls Werkstatt. Am großen Goldschmiede-Tisch finden sogar fünf Leute Platz. Hier gehen die Kurse über die Bühne, die Breusch-Veittinger in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule anbietet. Zwei Wände teilen den Raum noch einmal ab. In dem kleinen Zimmer steht der Porzellan-Brennofen. Seit die Künstlerin in Mähring lebt, schwärmt sie für das Arbeiten mit Porzellan.

Löffelstiele, Halsketten oder Ohrringe fertigt sie daraus. Die Teile tragen mächtig auf und nehmen es vom Gewicht her locker mit massiven Feingoldcolliers auf. Nur preislich liegen sie gewaltig darunter. Das ist keineswegs abwertend gemeint.

Porzellan im Mittelpunkt

Denn mit dem Unikat einer Porzellankette steht jede Diva bei jeder Gelegenheit sofort im Rampenlicht. Und wer dann doch ein wenig Edelmetall dabei haben will, kein Problem. Denn oft spendiert die Künstlerin ihren Schöpfungen Applikationen aus Gold oder Silber.

In der Porzellanmanufaktur von Heinz Kilian sei sie stets mit offenen Armen aufgenommen worden, erzählt sie. "Und wenn ich die Leute dort auch noch so genervt habe, sie hatten viel Geduld mit mir und mir alles beigebracht, was ich wissen musste. Ich durfte sogar dort brennen lassen."
Getrocknete Samen von Kapuzinerkresse und Pfaffenhütchen oder Eicheln und Eiertomaten können ihr als Vorbilder für ihre extravaganten Schmuckstücke dienen. Aber Schmuckstücke sind nur ein Bruchteil ihrer Kreationen.

Als evangelische Christin hat sie drei Jahre als Mitarbeiterin in einer Augsburger Werkstatt für kirchliche Gold- und Silberschmiedekunst sakrale Gegenstände für diverse katholische Kirchen gefertigt. Ökumene auf profaner Basis gewissermaßen. Für die evangelischen Kirchengemeinden Tirschenreuth und Vohenstrauß hat sie je einen Kelch gefertigt. Außen Silber, innen vergoldet, der Modus aus Porzellan.

Weil ihr Mann gerne Erdnüsse isst, sie die Tüten, die überall im Haus verteilt sind, unansehnlich findet, hat sie kurzerhand den "tanzenden Nussbehälter" erfunden. Mehrere Versionen gibt es davon. Ganz edle Teile aus Silber und Gold und bezahlbarere Versionen aus Porzellan.

"Limulus - vom Wandbild zur Schale", heißen die Kunststoffteile in verschiedenen Größen und Farben, die eine Wand in ihrer Werkstatt zieren. Daran sind die Kunstwerke. Mit ein paar geschickten Handgriffen zusammengefaltet, werden daraus große oder kleine Schalen.

Vögel als Vorbilder

Wassergießer, Kannen und Ausgießer, ebenfalls aus Gold- und Silber, stehen im Raum. Einen der edlen Wasserkocher hat sie ständig im Gebrauch. Die sind meistens Vögeln nachempfunden. Vor allem die Schnäbel der Geschirre erinnern an die der gefiederten Vorbilder.

Inspirieren lässt sich Brigitte Breusch-Veittinger durch gute Musik. Johann Sebastian Bach ist ihr bevorzugter Klassiker. Joan Armatrading und Al Jarreau die zeitgenössischen Lieblingsmusiker.

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