04.03.2018 - 11:56 Uhr
Mantel

Das Emminger-Hahn Quintett beim Jazz-Zirkel-Weiden Moderner Jazz ganz ohne Verfallsdatum

Von Louis Reitz

Unverfälschter Modern Jazz in bester Tradition: Das Emminger-Hahn- Quintett sorgt im Bistrot Paris für ein Klangerlebnis der besonderen Art: Bernhard Pichl (Klavier), Rudi Engel (Kontrabass), Florian Kettler (Schlagzeug), Norbert Emminger (Baritonsaxofon) und Jürgen Hahn (Trompete). Bild: Reitz
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Weiden. Vor 24 Jahren lernten sich Norbert Emminger und Jürgen Hahn im Nürnberger "Sunday Night Orchestra" kennen, mit dem sie 2001 unter der Leitung von Ed Partyka auch in der Weidener Max-Reger-Halle gastierten. Nun gab es im Bistrot Paris ein "Wiederhören" mit den einstigen "Newcomern".

Jazz in Reinkultur, handgemacht und ohne doppelten Boden, so könnte man das Konzept des Emminger-Hahn-Quintetts umschreiben. Mit Ausnahme eines kleinen Bass-Verstärkers verzichten die Musiker völlig auf die Segnungen der modernen Elektronikindustrie und verwöhnen die Zuhörer mit einem Klangerlebnis der besonderen Art.

Breites Klangspektrum

Baritonsaxofon und Trompete kommen mit all ihren Obertönen voll zur Geltung, die Dynamik entwickelt sich aus dem körperlichen Einsatz. Auch der Flügel beschränkt sich auf sein natürliches Klangvolumen, Schlagzeug und Bass passen sich dem Klangbild optimal an: Musik für verwöhnte Ohren.

Am Anfang steht "Twogether", eine Komposition von Jürgen Hahn, die vertraut und doch neu anmutet. Auf dem Akkordgerüst des Standards "Alone Together" entwickelt sich ein neues Thema, eine Praxis, die im Jazz schon immer angewendet wird. Man denke nur an Charlie Parkers Neuschöpfungen, die auf alten Swing-Vorlagen basieren. Die Kombination von Baritonsaxofon und Trompete besticht durch das breite und durchsichtige Klangspektrum, aber auch den Kontrast in den Tonlagen. Vergleiche mit berühmten Vorlagen aus den 1950er Jahren wie etwa Pepper Adams mit Donald Byrd oder dem Gespann Gerry Mulligan und Chet Baker drängen sich auf.

Stilistisch bewegt man sich im Fahrwasser des Hardbop, Erinnerungen an Art Blakeys "Jazz Messengers", Horace Silver oder Cannonball Adderley werden wach. Aber da sind auch Einflüsse aus anderen Musikgattungen. Da gibt es eine "Samba da Paz" bei der Jürgen Hahn zum Flügelhorn greift und Rudi Engel ein herrliches Bass-Solo beisteuert. Das unverkennbare New Orleans Feeling kommt bei "Short Walk" zum Tragen und Schlagzeuger Florian Kettler demonstriert den Übergang vom mitreißenden Marschrhythmus zum feinen Swing auf höchst musikalische Art und mit viel Gespür für Nuancen und Feinheiten.

Nur eigene Kompositionen

Alle Kompositionen stammen von Norbert Emminger und Jürgen Hahn. Die beiden Bläser intonieren die Themen mit größter Präzision und sind optimal aufeinander eingespielt. Auch solistisch faszinieren sie durch ihre Spieltechnik und musikalischen Einfallsreichtum. Ein fest eingespieltes, homogenes Team ist die Rhythmusgruppe mit Bernhard Pichl am Flügel, Rudi Engel am Bass und Florian Kettler am Schlagzeug. Sie unterstützen die Bläser in allen erdenklichen Arten, kolorieren, setzen Akzente und sorgen für feinsinnige Stimmungen.

Wieder einmal erweist sich Rudi Engel als einer der eindrucksvollsten Bassisten der Szene. Sein Gefühl für Rhythmus ist phänomenal, seine Fingerfertigkeit versetzt in Erstaunen, seine solistischen Einlagen sind durchdacht und spannend angelegt. Meisterwerke sind seine unbegleiteten Einleitungen oder auch Passagen, die er nur im Duo mit Trompete oder Bariton spielt.

Erstaunliche Bandbreite

Ein Phänomen ist auch Florian Kettler am Schlagzeug. Unaufdringlich und mit größtem Einfühlungsvermögen prägt er den Gruppenklang. Er versteht es, den Songs ein unverkennbares rhythmisches Gerüst zu geben, und verfügt trotz seiner jungen Jahre über eine erstaunliche musikalische Bandbreite. Pianist Bernhard Pichl spielt mit den großen Namen des Jazz. Mit Dusko Goykovich, Scott Hamilton und Valery Ponomarev zeigte er schon bei früheren Konzerten in Weiden seine Klasse, und auch diesmal prägt er auf unaufdringliche Weise das musikalische Geschehen. Ausdrucksvolle Balladen, rasende Bebop-Phrasen, aber auch sensible Begleitung und Kontraste sind sein Metier.

Fünf Musiker auf höchsten Niveau, ein eingeschworenes Team mit homogenen Gruppenklang: Das Emminger-Hahn Quintett demonstriert die Essenz des Jazz. Ihre CD "Reunion" lässt das Konzert auch im heimischen Wohnzimmer aufleben.

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