16.10.2017 - 16:16 Uhr
MantelOberpfalz

Ein Hochlied auf die Grüne Insel: Mit „Na Ciotogi“ an den Wurzeln der irischen Musik

Das Wappen der Republik Irland zeigt eine Harfe. Schon hier wird deutlich, welchen Stellenwert die Musik für die Iren hatte und immer noch hat. Die Gruppe "Na Ciotogi" gibt im Amberger Musikomm einen Einblick in die traditionelle irische Volksmusik.

Irische Volksmusik aus erster Hand: "Na Ciotogi" (die "Linkshänder") kommen aus verschiedenen Regionen Irlands. Im Amberger Musikomm begeistern sie das Publikum mit einem musikalischen Schatz aus den letzten Jahrhunderten. Bild: Reitz
von Louis ReitzProfil

Amberg. Der Geruch eines Torffeuers liegt in der Luft. Aus einem Pub an einer Wegkreuzung dringen Dudelsack- und Geigenklänge. Plötzlich erhebt ein Gast an der Theke die Stimme und trägt ein Lied mit unzähligen Strophen vor. Alle hören gebannt zu und stimmen beim Refrain mit heiseren Stimmen ein, das Guinness fließt in Strömen.

Solch romantische Vorstellungen verbinden viele mit der "Grünen Insel", und so mancher Irland-Fahrer hat diese Situationen schon selbst erlebt. Da gibt es Orte, wo sich am Wochenende Musikanten, Sänger oder Dudelsackspieler treffen, wie "Alan, the Piper", die einen legendären Status innerhalb einer Region haben.

Das passt so gar nicht zu einem Konzertsaal mit ordentlicher Bestuhlung, bunten Scheinwerfern und hervorragend ausbalancierter Soundanlage. Auf der Bühne sitzen fünf Musikanten mit ungewöhnlichen, ja fast archaischen Instrumenten und einem Akzent, der sich vom Schul-Englisch deutlich abhebt. Gott sei Dank vermittelt David McMahon aus Dublin, der seit Jahren in Landshut wohnt, in einer aus Deutsch, Bayrisch, Englisch und Gälisch durchwirkten Sprache und macht deutlich, dass die Volksmusik in Bayern und Irland Parallelen aufweisen. Die Jigs, Reels und Hornpipes sind Stücke, die in erster Linie zum Tanz aufgespielt wurden, wie in Bayern Polka, Landler oder Zwiefache.

Souverän und authentisch

Timmy McCarthy aus Cork, mit 71 Jahren der Senior der Gruppe, liefert mit einer Anleitung zu einem typischen Tanz den Beweis. Er steht für Authentizität und hat sich die Melodien für sein Knopf-Akkordeon noch durch Überlieferung angeeignet. Gebannt lauscht man seinen Liedern, auch wenn man den Text nur bruchstückhaft versteht. Ähnlich wie Balladen oder Moritaten, erzählen sie von berühmten Personen, historischen Ereignissen, Liebesaffären oder humorvollen Anekdoten, oft mit unzähligen Strophen, deren Refrain von allen mitgesungen werden kann. Natürlich dürfen auch einige Seitenhiebe auf die Engländer nicht fehlen.

Virtuose am Dudelsack

Typisch ist der Klang des Dudelsacks, der von Dan O'Callaghan meisterhaft gespielt wird. Die Uilleann Pipes unterscheiden sich vom schottischen und auch dem böhmischen Dudelsack durch ihren weichen, harmonischen Klang. Ein unbegleitetes Solostück macht das deutlich. Hier baut er auch Akkordwechsel ein, die in der traditionellen Musik nicht üblich sind. Ein Schüsselstellung innerhalb der irischen Musik nimmt die Geige oder "Fiddle" ein. Paddy O'Neill aus Tyrone kennt unzählige Melodien aus der Überlieferung und spielt sie souverän. Virtuosität steht hier nicht im Vordergrund, aber die Melodien müssen eingängig und rhythmisch zupackend sein und werden meist von allen Musikern unisono vorgetragen. Spannung entsteht durch kleine individuelle Abweichungen, Verzierungen und Improvisationen.

Tony McCarthy setzt die Tradition seines Vaters fort. Auf der Querflöte und der "Tinwhistle" zeigt er, dass ihm die Melodien in Fleisch und Blut übergegangen sind. Meist setzt er allerdings auf der irischen Bouzouki harmonische Akzente. Dieses achtsaitige Instrument ist erst seit den 60er Jahren in der irischen Musik heimisch und rundet das Klangbild ab.

Wenn Timmy McCarthy nicht auf seiner Knopfharmonika spielt, akzentuiert er mit dem Bodhran den Rhythmus. Die irische Rahmentrommel mit ihrem tiefen Klang wird sehr sensibel mit einem zweiendigen Holzschlägel bearbeitet und hat sich in der gälischen Musik einen festen Platz erobert. Daneben kommen Querflöte, "Tinwhistle" und auch die Mundharmonika zum Einsatz und bereichern das Klangbild.

Besinnung auf Ursprung

In den 70er Jahren hatte die irische Musik Kultstatus und auf großen Tourneen unter dem Motto "Irish Folk Festival" wurde sie deutschen Fans schmackhaft gemacht. In ihrer kommerziellen Form erweckten Gruppen, wie die Dubliners oder die Clancy Brothers, den Eindruck, die irische Musik bestünde hauptsächlich aus Trinkliedern und blutrünstigen Heldenballaden. Inzwischen besinnt man sich wieder mehr auf die traditionellen Ursprünge, ein Phänomen, dass man auch in der bayerischen Volksmusik beobachten kann. Die Gruppe "Na Ciotogi" erweist sich als idealer Botschafter. Das Publikum ist begeistert und bekommt eine a capella gesungene Zugabe. "Sláinte!"

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.