Neue Erkenntnise für St. Moritz
Geschichte wird lebendig

Frank Borchardt, Bernhard Weigl und Alfons Lebegern (von links) ernteten für ihre kurzweilige und lebendige Kirchenführung viel Beifall von etwa 40 Interressierten.
Kultur
Mantel
12.09.2017
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Am Tag des offenen Denkmals erleben viele Interessierte die etwas andere Führung durch die Moritzkirche. Die Organisatoren hauchen der Geschichte des Kirchleins Leben ein.

Jeweils etwa 40 Interessenten fanden sich zu den beiden von Bernhard Weigl angebotenen Führungen ein. Weigl befasst sich seit etwa 20 Jahren mit der Geschichte der ehemaligen Wallfahrtskirche.

Weil Kirchenpfleger Wolfhard Erling 2016 das Pfarrarchiv neu geordnet hatte und dabei die kompletten Bauakten für St. Moritz aufgetaucht waren, weiß man nun über den Wiederaufbau im 18. Jahrhundert detailliert Bescheid. Wie Weigl ausführte, könne man praktisch jede kleine Handwerkerleistung nachvollziehen.

Im Verlauf der Führung tauchte Schauspieler Alfons Lebegern alias Zimmermeister Jacob Näger aus Neustadt auf, der 1738 den Dachstuhl gezimmert hatte. Er erklärte: "Damals hat die Kirche nicht so schön ausg'schaut wie heit. Da herrin hat's ausg'schaut wie in einem Stodel." Das war ein Hinweis, dass damals die Fassade nur mit Brettern verschlagen war.

Näger erwähnte, dass er im Dachstuhl seine Initialen I.N. eingeschnitzt hat, damit er nicht in Vergessenheit gerät. Wie Weigl hinzufügte, wusste man bis zur Auffindung der alten Akten nicht, was diese Initialen bedeuten. Einst hatte sich in der Moritzkirche ein alter Altar aus einer Weidener Kirche befunden.

Schauspieler Frank Borchardt, der den Holzbildhauer Phillipp Lutz darstellte, berichtete, wie er 1773 einen eigenen Hochaltar für die Kirche geschaffen hatte. "Wir haben damals den Altar mit drei Wagen, neun Pferden und sieben Mann aus Amberg nach Mantel transportiert. Da Mantel damals zum selbstständigen Herzogtum Sulzbach gehörte, mussten wir Maut und Zoll zahlen und auf dem Rückweg auch noch Pflastergeld. Das Geld will ich aber von euch zusätzlich zu meiner Rechnung haben", mahnte er.

Weigl erzählte die Anekdote von der Dreifach-Bestattung der Frau von Hann in der Kirche. Im ersten Grab stand Wasser. Deshalb ließ ihr Gatte ihren Sarg und den des Sohnes unterhalb des Hochaltars einmauern, was natürlich der kirchlichen Obrigkeit gar nicht passte und in der Kirche auch für üblen Geruch gesorgt hatte, bis die beiden Särge wieder an die alte Grabstelle gebracht wurden. Diesmal fachgerecht. Bernhard Weigl, Alfons Lebegern und Frank Borchardt erhielten viel Beifall für die kurzweilige dreiviertelstündige Kirchenführung.
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