28.02.2018 - 20:00 Uhr
Mantel

Vortrag von Bernahrd Weigl Weiden um 1700

Über reges Interesse freute sich Bernhard Weigl in der Marktbibliothek. Gespannt verfolgten seine Zuhörer Geschichten und Anekdoten aus Weiden aus der Zeit um 1700 erzählte, untermalt mit vielen alten Fotos.

Mit vielen interessanten Anekdoten würzt Bernhard Weigl seinen Vortrag über Alt-Weiden. Bild: sei
von Eva SeifriedProfil

Die Gäste erfuhren, dass damals der Siechenweiher viel größer war als die Altstadt von Weiden und die heutige Max-Reger-Straße der Damm des Weihers war. Zwei der damaligen Halbschalentürme in der Stadtmauer sind heute noch erhalten.

Der "Stadtwachtmeister" hatte seine Dienstwohnung im "Unteren Tor". Er hatte keinen einfachen Job. Die Stadtschlüssel lagen damals nicht im Rathaus sondern beim "Pfleger" des Amtes Parkstein, der im "Vesten Haus" wohnte. Der Torwächter musste sich die Schlüssel holen. Im Sommer wurden frühmorgens um 3 Uhr die Tore aufgesperrt und nachts um 22 Uhr verschlossen, im Winter um 4 und um 21 Uhr.

Vor dem Zusperren wurde die Sperrglocke geläutet, damit sich alle beeilten, die noch außerhalb der Stadtmauer waren. Wer dann bis 24 Uhr noch Einlass wollte, musste einen Torsperrkreuzer bezahlen und nach 24 Uhr zwei Torsperrkreuzer. Vor den Stadttoren gab es zwei Gasthäuser, den "Schwarzen Bären" und "den Schwan". Weiden hatte vier Bürgermeister, von denen jeweils einer für ein Vierteljahr im Amt war. Zwei Bürgermeister waren katholisch, zwei evangelisch. Je vier Wächter bewachten tagsüber die Tore.

Dank an Jakob Schabner

Ab 1803 blieben die Tore offen, und die Stadtmauer wurde stückweise verkauft. Von einem Kilometer Stadtmauer sind leider keine 100 Meter mehr übrig und sichtbar, bedauerte Weigl. Einige Zeit gab es zusätzlich noch eine Vorstadtmauer. Nach der Einnahme der Stadt 1634 durch die Schweden errichteten diese zusätzlich Erdwälle in Dreiecksform. "Vieles weiß man so genau, weil damals Bürgermeister Jakob Schabner alles genau niedergeschrieben hat", freute sich Weigl.

Wo damals die Stadtmühle war, befindet sich heute "K & L Ruppert". Weiden war nur ein kleines Landstädtchen. Die weiß verputzte Stadtmauer war schon eine Baulast für die Stadt, betonte Weigl. Die Pest raffte von den 2500 Einwohnern 1800 dahin. Der erste Friedhof befand sich um die Kirche St. Michael, dann wurde er bei der Heilig-Geist-Kirche angelegt, wo sich heute die Stadtsparkasse befindet. Der Pestfriedhof war außerhalb dieser Friedhofsmauern.

Manchmal spaziert man beim Bummel durch Weiden über historische Bauten, ohne es zu bemerken. Vor dem Oberen Tor befanden sich noch zwei Tortürme und eine Steinbrücke. Diese Brücke ist heute noch unter dem Pflaster erhalten. Bernhard Weigl hat im Keller des Anwesens der Familie Friedmann Fotos gemacht und zeigte, wo man noch die Brückenpfeiler sieht und auch die Rundung der Türme.

Interessante Wappen

Während des Vortrags und eines 3-D-Films tauchten Fragen auf. Weigls neuestes Projekt ist die Rekonstruktion der Festung Waldeck. Wie im Falle Weiden ist dabei ein Stich von Matthäus Merian hilfreich. "Merians Arbeiten sind toll und wahnsinnig genau", sagte der Referent.

Er hat zu seiner großen Freude im Bayerischen Nationalmuseum in München ein Modell entdeckt, das Waldeck um 1660 zeigt. Im Laufe seiner Recherchen hat Weigl auch das schwedische Wappen und das Wappen des Generals von Königsmarack entdeckt, die in Sulzbach lagerten. Die Wappen befanden sich einmal im Vortor des Unteren Tores von Weiden. Mittlerweile sind sie wieder in Weiden angelangt und Weigl hofft, dass sie auch wieder öffentlich ausgestellt werden, weil es sehr schöne und gut erhaltene Stücke sind.

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