Selbsthilfe Mantel erhöht Beitrag von einem Euro auf 1,20 Euro je Todesfall - 1388 Mitglieder
Auch Sterben wird teurer

Die Selbsthilfe Mantel wählte turnusgemäß einen Teil des Vorstands neu. Thomas Magerl (Fünfter von links) ist nun stellvertretender Vorsitzender gewählt. Bild: sei
Lokales
Mantel
19.02.2013
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In der Generalversammlung der Selbsthilfe Mantel im VfB-Heim berichtete Vorsitzender Stephan Oetzinger, dass der Verein mit seinen 1388 Mitgliedern vergangenes Jahr 21 Sterbefälle begleitete. Das Eintrittsalter der Mitglieder liege bei durchschnittlich 26 Jahren, das durchschnittliche Alter der Mitglieder bei 55 Jahren. Von 1926 bis 2012 verzeichnete der Verein 1011 Sterbefälle. In dieser Zeit hat er außerdem 566 631 Euro an die Hinterbliebenen ausgezahlt.

Das aktuelle Sterbegeld beträgt 1280 Euro bei einem Beitrag von einem Euro je Todesfall. Wegen ständig steigender Kosten beschloss die Versammlung die Erhöhung des Sterbegeldes auf 1450 Euro bei einem Beitrag von 1,20 Euro je Sterbefall.

Viele Jahre hat Hilde Schätzler als Unterkassiererin die Beiträge eingesammelt. Nun erledigt diese Aufgabe Ingrid Zwerenz. Lob gab es für die hervorragende Kassenführung von Ulrike Schiller. Da die Beiträge immer erst bei den Sterbefällen, also im Umlageverfahren, einkassiert werden, hat der Verein kein großes Guthaben.

Einmalig in Deutschland

Turnusmäßig wird in jeder Jahreshauptversammlung die Hälfte des Vorstands neu gewählt. Am Sonntag bestimmten die Mitglieder Thomas Magerl als neuen zweiten Vorsitzenden. Der langjährige Stellvertreter Herbert Steiner nahm nach über zwei Jahrzehnten im Dienst des Vereins Abschied. Schriftführerin bleibt Monika Puff. Als Beisitzer wurden Franz Sperl und Wolfgang Reil bestätigt.

Zweite Bürgermeisterin Rita Steiner hat recherchiert und festgestellt, dass das Sozialwerk in der Form, wie es in Mantel besteht, einmalig in ganz Deutschland ist. Es ist auch der größte Verein in Mantel. "Wenn die damaligen Gründerväter wüssten, wie viele Mitglieder der Verein nun zählt, die wären glatt aus dem Häuschen", sagte Steiner.
Allein von 1970 bis heute stieg die Mitgliederzahl um 500. Vorsitzender Oetzinger appellierte nochmal an die Mitglieder, für die Mitgliedschaft bei Familie und Freunden zu werben, Nach diesem offiziellen Teil hielt Martina Fuhrmann vom Bestattungsinstitut Bauer in Weiden noch einen Vortrag über "Vorsorge - eine Sorge weniger". Die Bestattungsmeisterin erklärte Möglichkeiten von Erdbestattung über Feuer- und Seebestattung bis zur Bestattung im Weltraum.

Diamanten aus Asche

Nach einem relativ straffen Vortrag standen die Referentin und ihr Bruder Wolfgang Dobler für eine lebhafte Diskussionsrunde zur Verfügung. Zur Sprache kam sogar die Weltraumbestattung, wo ein Bruchteil der Asche in einer Kapsel mit einer Rakete in den Weltraum geschossen wird. Für normal Sterbliche ist dies wohl eher unerschwinglich. Aus einem Teil der Asche eines lieben Verstorbenen kann man auch einen Diamanten prägen lassen , hier gibt es eine Preisspanne zwischen 4000 und 20 000 Euro.
In Deutschland gibt es Bestattungszwang, auch für Urnen. Dies sei wichtig, damit die Nutzung der Friedhöfe für alle Mitbürger finanziell erschwinglich bleibe. Bestattungsrecht sei Länderrecht, erklärte Fuhrmann. Inhaber von Bestattungsinstituten bedauern, dass Bestatter kein Meisterberuf sei, jeder unbescholtene Bürger könnte sich dafür einen Gewerbeschein holen. Da aber der Beruf sehr hohe Anforderungen stelle und zu 80 Prozent aus kaufmännischen Tätigkeiten bestehe, haben Martina Fuhrmann und Wolfgang Dobler dennoch die Meisterprüfung für ihren Beruf abgelegt.
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