30.06.2017 - 19:22 Uhr
MantelOberpfalz

Bürgermeister Stephan Oetzinger hat nun Doktortitel Langer Weg zu zwei Buchstaben

Stephan Oetzinger hält acht Jahre Arbeit auf 289 Seiten im Arm. Die haben ihm nun einen Titel eingebracht. Bild: gsb
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Seit Dienstag ist der Manteler Bürgermeister der Herr Dr. Stephan Oetzinger. Er hat seine Dissertation "cum laude", das Mündliche gar mit "magna cum laude" abgeschlossen.

Am Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte von Professor Peter Schmid an der Uni Regensburg untersuchte Oetzinger die "Deutschlandpolitik der CSU von 1969 bis 1993". Eine spannende und komplizierte Materie. Sie reicht von der Ablehnung der Brandtschen Ostpolitik und der Klage gegen den Grundlagenvertrag über Strauß' Milliardenkredit für die DDR bis zu Plänen zu einer deutschlandweiten Ausdehnung der CSU kurz nach der Wiedervereinigung.

Acht Jahre hat der Doktorand an dem 289 Seiten starken Werk gearbeitet. Ganz schön lange. Aber Oetzinger war seit 2009 auch als JU-Kreisvorsitzender, Bürgermeister, Fraktionssprecher im Kreistag, CSU-Kreisvorsitzender, Vater und stellvertretender JU-Landesvorsitzender eingespannt. Das bedeutet nicht zuletzt Abendtermine.

"Ich hab oft überlegt, ob das gutgehen kann", gibt er zu. "Als ich mit der Promotion anfing, hab ich aber noch nicht gewusst, dass ich Berufspolitiker werde", sagt der designierte CSU-Landtagskandidat. Vier Menschen hätten ihn bestärkt, das Angefangene fertigzumachen: "Mein Vater, Reinhold Meier aus Mantel, Professor Schmid und meine Frau."

Gerade für seine Barbara , der er im Vorwort ausdrücklich dankt, sei die Arbeit ebenfalls ein Kraftakt gewesen. Denn einige Wochen Urlaub verbrachte der angehende Dr. phil. in den vergangenen Jahren nur in der Uni-Bibliothek. Den wichtigsten Teil der Forschungsarbeit hatte er als Stipendiat der Hanns-Seidel-Stiftung schon im Hauptstaatsarchiv in München hinter sich, als er 2012 zum Manteler Bürgermeister gewählt wurde. Sonst hätte es wahrscheinlich nicht geklappt. Und dann war da noch was anderes, das auch mit der CSU zu tun hatte. Ein adeliger Doktor aus Oberfranken musste 2011 zugeben, dass er seine wissenschaftliche Leistung von anderen geklaut hatte. "Als das aufkam waren wir Doktoranden wahnsinnig nervös", erinnert sich Stephan Oetzinger. Beim Formulieren, Zitieren, Argumentieren sah jeder lieber dreimal hin, um ja nicht in Guttenberg-Verdacht zu geraten.

So kommt auch Oetzinger auf stattliche 1128 Fußnoten. "Die Uni lässt da einen Plagiatssucher drüberlaufen." Der bescheinigte der Arbeit des 32-Jährigen Unbedenklichkeit. Den damit verbundenen Titel will er nicht überbewerten. "Ich gehe weder offensiv noch defensiv damit um." Immerhin steht das Dr. nun schon im Briefkopf von Schreiben des Marktes Mantel. "Neue Visitenkarten lasse ich mir aber deswegen nicht gleich drucken", sagt der Historiker.

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