25.04.2018 - 16:10 Uhr
MantelOberpfalz

Nach Rechtsrock-Konzerten Steuerfahnder bei Neonazis

Seit Jahren fordern Thüringer Landespolitiker, die Finanzbehörden müssten genauer kontrollieren, was mit den Geldern geschieht, die bei Neonazi-Konzerten eingenommen werden. Nun bekamen die zwei Männer, die hinter den Konzerten von Themar stehen Besuch von der Steuerfahndung.

Polizeibeamte und Teilnehmer des Rechtsrock-Festivals "Rock für Deutschland" stehen auf dem Veranstaltungsplatz in der südthüringischen Kleinstadt Themar. Archivbild: Bodo Schackow/dpa-Zentralbild/dpa weltweit
von Autor FPHProfil

Suhl/Mantel. Bei den Veranstaltern zweier Rechtsrock-Konzerte in der rund 2400 Einwohner großen südthüringischen Stadt Themar (Kreis Hildburghausen) im vergangenen Jahr hat es Durchsuchungen der Steuerfahndung gegeben. Nach Informationen der Zeitung "Frankenpost" schlugen die Steuerfahnder am Mittwoch in Kloster Veßra und Oberhof in Thüringen sowie in Mantel (Kreis Neustadt/WN) zu.

In Kloster Veßra wurden Räume eines bekannten Neonazi durchsucht, der das erste der beiden Rechtsrock-Konzerte in Themar unter dem Titel "Rock gegen Überfremdung II" angemeldet hatte. Zu dieser Veranstaltung, die als politische Kundgebung deklariert war, waren etwa 6000 Rechtsextreme aus ganz Europa angereist. Die Durchsuchung in Oberhof richtete sich gegen einen Oberpfälzer Neonazi. Er hatte das zweite Konzert unter der Überschrift "Rock für Identität" in der Kleinstadt im Landkreis Hildburghausen angemeldet. Dazu waren etwa rund 1000 Neonazis angereist.

Beide Männer stehen nach Informationen der "Frankenpost" im Verdacht, die Einnahmen aus den Konzerten nicht ordnungsgemäß versteuert zu haben. Eine Sprecherin der Landespolizeiinspektion Suhl sagte der Zeitung, insgesamt seien zehn Beamte aus verschiedenen Bereichen der Dienststelle an den Durchsuchungen beteiligt gewesen. Dabei habe die Polizei aber nur eine unterstützende Funktion gehabt. Weiter Angaben könne sie nicht machen, da das Finanzamt Gotha für die Verfahren zuständig sei.

In Mantel, dem Wohnort des Oberpfälzer Neonazis gab es nach Angaben eines Sprechers der bayerischen Polizei am Mittwoch ebenfalls Durchsuchungen zur Unterstützung der Steuerfahndung. Weitere Einzelheiten wollte er mit Verweis auf die Zuständigkeit der Steuerverwaltung nicht nennen.

Thüringer Landespolitiker vor allem von Linken und Grünen fordern seit Langem, dass die Finanzbehörden genau prüfen, was mit den Gelder passiert, die bei Rechtsrock-Konzerten umgesetzt werden. Alleine bei dem von dem Neonazi aus Kloster Veßra angemeldeten Konzert in Themar sind mindestens 210 000 Euro umgesetzt worden. Die Tickets für die Veranstaltung waren über das Internet für 35 Euro pro Stück angeboten worden.

Ein Sprecher des Thüringer Finanzministerium wollte die Durchsuchungen nicht kommentieren. Aufgrund des Steuergeheimnisses könne man dazu keinerlei Angaben machen, sagte er. Ein zwingendes öffentliches Interesse an den Fällen sei nicht gegeben. Das Finanzministerium ist die oberste Finanzbehörde Thüringens.

Ob die bayerische Finanzverwaltung ein eigenes Verfahren gegen den Mann aus Mantel führt oder ob die Durchsuchungen in Mantel von Thüringen aus angestoßen wurden, ist derzeit unklar. Ein Sprecher der Steuerfahndung Regensburg - die für die Oberpfalz zuständig ist - wollte die Durchsuchungen ebenfalls nicht kommentieren.

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