30.04.2018 - 15:34 Uhr
MantelOberpfalz

Manteler schuften auf dem Kriegsgräberfriedhof in Halbe Schweißtreibender Einsatz der Reservisten

Kesselschlacht von Halbe

In den letzten Apriltagen 1945 wurden Truppenteile der Wehrmacht bei Halbe rund 40 Kilometer südlich von Berlin von der Roten Armee eingeschlossen. Nach Schätzungen kamen bei den Kämpfen mindestens 30 000 deutsche Soldaten, 10 000 Zivilisten, viele ausländische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter sowie 20 000 Rotarmisten ums Leben.

Wegen des warmen Wetters Anfang Mai 1945 und wegen Seuchengefahr ordnete das Sowjetmilitär die Bestattung an Ort und Stelle, in Einzel- oder Massengräbern an. Erst 1951 begann auf Initiative des Pfarrers Ernst Teichmann die Umbettung auf einen Zentralfriedhof, der sieben Hektar umfasst und seinen Namen "Waldfriedhof" wegen seines stattlichen Kiefern-Bestandes zurecht trägt. Seit 2002 hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge Pflege und Instandhaltung der Anlage übernommen.

Neben Wehrmachtsangehörigen sind dort - trotz der Widerstände der DDR - 4600 Zivilisten begraben, die nach dem Krieg im sowjetischen Internierungslager Ketschendorf umkamen. Besonders tragisch ist eine Grabplatte mit den Namen dreier Jugendlicher, die beim Spielen mit Munition ihr Leben verloren. (km)

Mantel/Halbe. Der Auftrag hörte sich nach Schwerarbeit an, aber die Reservisten-Kameradschaft Mantel bewältigte ihn mit Bravour. 230 Grabplatten waren auf dem Kriegsgräberfriedhof Halbe südlich von Berlin neu zu versetzen, also anzuheben, zum Teil zu drehen und auszurichten. Die Steine aus rotem Granit wogen zwischen zehn und fünfzig Kilogramm - das versprach schweißtreibende Arbeit.

Die Reservisten Thomas Neubauer, Patrick Kraus und Norbert Hermann sowie Erwin Klemm, Werner Fellner, Manfred Rauscher, Marco Cygan und Hans Klemm legen Hand an die letzte der 230 Grabplatten an. Bild: Bild. km
von Autor KMProfil

Aber die sieben RK-Mitglieder, tatkräftig unterstützt von Marco Cygan, Stabsunteroffizier beim Weidener Artilleriebataillon 131, hatten Glück mit dem Wetter. Nach Nieselregen am ersten Tag kam die Sonne durch und das Arbeiten mit Spaten, Schaufel und Gummihammer ging zwischen den Baumreihen zügig voran. Beeindruckt waren die Kameraden, wenn auf den Grabtafeln Namen auftauchten, die auch in der Heimat bekannt sind, oder kleine Granitplatten, auf denen nüchtern vermerkt war "180 Unbekannte". Untergebracht waren die Manteler im Technologiestützpunkt "Tarnen und Täuschen", eine ehemalige Kaserne der Nationalen Volksarmee der DDR, in der die Bundeswehr mit wenig Personal mit unterschiedlichsten Tarnmöglichkeiten bis hin zu aufblasbaren Panzermodellen oder täuschend nachgebauten Kampffahrzeugen experimentiert. Verpflegt wurden sie wenige Kilometer weiter in der Kurmark-Kaserne in der Storchen-Stadt Storkow. Selbstverständlich hissten die Reservisten um Erwin Klemm, Norbert Herrmann, Werner Fellner, Thomas Neubauer, Patrick Kraus, Manfred Rauscher und Hans Klemm in der Kaserne wie auf dem Gelände die Bayrische Fahne und legten im Auftrag des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein Gesteck am Gedenkstein in Halbe nieder. Die RK Mantel beendete damit ihren dritten Pflegeeinsatz nach Verdun in Frankreich und Bastogne in Belgien.

Nächstes Jahr planen die Reservisten eine Rückkehr nach Halbe. Nicht nur, weil Volksbund-Mitarbeiterin Kathrin Krabs hochzufrieden war mit dem Einsatz. Die Arbeit ist längst nicht beendet. Pro Jahr werden im Umkreis von Halbe etwa 100 Gebeine aus den letzten Kriegstagen aufgefunden, die auf dem Waldfriedhof zugebettet werden.

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