11.09.2017 - 13:16 Uhr
MantelOberpfalz

Spaziergang für Waldbesitzerinnen im Neunkirchener Kirchenwald Frauensache Forst

Dass Waldbesitzer mit einem Förster fachsimpeln, kommt so häufig vor, wie Blätter, die sich im Herbst verfärben. Ein Treffen von zehn Waldbesitzerinnen mit einer Revierförsterin, ist dagegen etwas recht Seltenes. Und Spannendes.

Zehn Waldbesitzerinnen freuen sich über das Angebot von Revierförsterin Andrea Sauer (Vierte von rechts), bei einem Waldspaziergang mehr über die Forstbewirtschaftung zu erfahren. Bild: sei
von Eva SeifriedProfil

"Schade, dass es schon vorbei ist", bedauerten die zehn Frauen hinterher. Gerade hatten sie an einem zweieinhalbstündigen Waldspaziergang mit Revierförsterin Andrea Sauer teilgenommen. "Gerade ich als Försterin weiß, dass die Hemmschwelle, zu einer Veranstaltung in der Männerdomäne Forst zu gehen, oft hoch ist," erklärte Sauer. Doch der Anteil der weiblichen Waldeigentümer steige.

Die Erfahrung zeige aber, dass das Interesse der Frauen am Wald dem der Männer keineswegs nachstehe. Ganz im Gegenteil: "Wann gibt es die nächsten Kurse für Waldbesitzerinnen?", lautete der Tenor nach dem Treffen. Beim Rundgang durch den Neunkirchener Kirchenwald erklärte Sauer die Bewirtschaftung anhand von vielen praktischen Beispielen. Die Route führte die Gruppe durch verschiedene alte Waldflächen, in denen gängige Maßnahmen von der Pflanzung bis zur Ernte besprochen wurden.

Als wichtigste Punkte hob Sauer den Pflanzzeitpunkt, die Baumartenwahl und die notwendigen Schutzmaßnahmen hervor. Anders als in der Landwirtschaft oder im heimischen Garten haben mögliche Fehlentscheidungen im Wald längere Konsequenzen. Waldbäume müssten im Gegensatz zu Getreide und Gemüse mehrere Jahrzehnte reifen, bevor sie geerntet werden können.

Bei späteren Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen gehe es vorwiegend darum, besonders schöne und gesunde Bäume in ihrer weiteren Entwicklung zu unterstützen, indem Konkurrenten entnommen würden. Konkurrenz herrscht bei Bäumen vor allem um Licht. Bäume können nur an Umfang zulegen, wenn sie besonders im Kronenraum genügend Platz zum Ausbreiten hätten. Natürlich spielt aber auch der Kampf um Wasser und Nährstoffe eine Rolle.

Die Holzernte umriss Michael Bock, Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Neustadt/WN Süd. Dafür sei es wichtig, ein gut ausgebautes Wegenetz im Wald zu etablieren, um das Holz schnell abtransportieren zu können.

Bei der Ernte machen sich auch frühere Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen bezahlt. Die Waldbesitzer schaffen damit stabile Wälder, die wenig anfällig für Stürme seien. Dadurch könnten die Forsteigentümer selbst entscheiden, wann sie Holz ernten und den besten Preis erzielen.

Gerade wenn es um Arbeiten gehe, böten die Waldbesitzervereinigungen oder Forstbetriebsgemeinschaften als Verein gegen geringe Gebühren Unterstützung an. Kostenfreie Beratung bieten die Revierförster der Forstämter. Sie zeigen auch Fördermöglichkeiten für Pflanzung und Pflege von Laubholz auf.

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