Wie geht es nach dem Sturm dem Waisenhaus und der Schule von Claudette Leconte?
Von "Matthew" gebeutelt

Die Schule und das Waisenhaus von Lothar Wiesners Schwägerin, Claudette Leconte (rechts im Bild) bietet armen Kindern eine Chance, die andere auf Haiti nicht haben. Noch immer ist der Inselstaat eines der ärmsten Länder der Welt. Bild: hfz (2)
Vermischtes
Mantel
07.01.2017
18
0

Auf der Karibikinsel Haiti ist es schwer, jemanden zu erreichen, seit im Oktober Hurrikan "Matthew" gewütet hat: Strom, Internet und Funknetz sind knapp. Lothar Wiesner aus Mantel weiß trotzdem, wie es mit dem Waisenhaus und der Schule seiner Schwägerin Claudette Leconte weitergeht.

Cap Haïtien liegt im Norden von Haiti. Dort lebt Claudette Leconte. Auch hier hat "Matthew" seine Spuren hinterlassen. Der Hurrikan fegte am 4. Oktober mit 200 km/h über die Insel. Er vernichtete 80 Prozent der Ernte und viele Häuser. Die Konsequenzen sind Hungersnot, Engpassversorgung und ansteigende Cholera-Fälle. Das weiß Lothar Wiesner aus Mantel nur zu gut. Claudette Leconte aus Haiti ist seine Schwägerin. Sie gründete dort 1997 den katholischen Laienorden "Communauté des Laiques Catholiques d'Haiti". Dieser betreut seit 2001 eine Schule und seit 2007 ein Waisenhaus am Rande des Slums "Shada". Doch was ist nach dem Sturm von den Einrichtungen noch übrig?

Wiesner fragt sich durch. Die Antwort erschüttert. Die Gebäude der Institution befinden in einem schlechten Zustand. Sie sind weder sturm- noch erdbebenfest. Durch die erheblichen Regenfälle während des Hurrikans wurden unter anderem die Blechdächer von Gebäuden abgedeckt. "Das ganze Gelände war unter Wasser gesetzt, da es kein Abwassersystem gibt", weiß Marie-Jose Franz. Die Bonnerin ist aktives Mitglied der "action five e. V. Bonn" und Vorstand für Haiti. Der Verein kümmert sich um Selbsthilfeprojekte in Entwicklungsregionen. Franz ist regelmäßig vor Ort und setzt sich für die Organisation von Claudette Leconte ein.

Sie weiß auch, dass die kleine Geflügelzucht auf dem Gelände komplett zerstört ist: "Sämtliche Hühner ertranken, die zur Versorgung der Kinder gedacht waren", weiß Lothar Wiesner zu berichten. Die Folge: "Um die Kinder im Waisenhaus zu versorgen, bräuchten wir etwa 50 US-Dollar pro Kind im Monat", so Franz. Durch die fehlende Infrastruktur kann keine Schulkantine betrieben werden. Ebenso fehlt das Frischwasser. Strom ist ein rares Gut. Nur zwei bis vier Stunden täglich gibt es Energie über einen Dieselgenerator. Für mehr gibt es kein Geld.

Wiesner war selbst mehrere Male vor Ort. "Früher war alles baufällig und kaputt. Die Leute dort sind ja unglaublich arm." Sein Bruder Joachim kümmerte sich jahrelang intensiv um die Kinder. Jetzt kann er altersbedingt nicht mehr so mit anpacken, wie er gerne möchte. Inzwischen leben im Waisenhaus 83 Kinder. Die jüngsten Bewohner sind gerade ein Jahr alt, die Älteste ist 25. Ab dem dritten Lebensjahr besuchen die Kleinen einen Kindergarten, der sich auch auf dem Gelände befindet. Schüler gibt es aktuell 450. Alle Abgänger haben die Mittlere Reife erreicht. "Zur Zeit sind drei Kinder des Waisenhauses in der Ausbildung zur Krankenschwester, Physiotherapeutin und zur Schneiderin", berichtet Franz. Alle konnten eine weiterführende Schule in der Stadt Cap Haïtien besuchen.

Bessere Stromversorgung

Doch was gilt es jetzt zu tun? Das Institut will es nicht bei diesen unhaltbaren Zuständen belassen. Seit 2013 sind bauliche Maßnahmen geplant: Gebäude sollen sturmfest verbessert sowie erweitert werden. Solaranlagen werden auf den Dächern platziert, um eine bessere Stromversorgung zu gewährleisten. Eine Frischwasseranlage wird installiert, um Krankheiten vorzubeugen. Doch es geht nur langsam vorwärts.

Zur Finanzierung der Umbaumaßnahmen werden Spenden benötigt. Der Verein "Technik ohne Grenzen" hat sich dem Projekt angenommen. Wer spenden möchte, kann das über das Konto "Technik ohne Grenzen e. V." (DE88 4306 0967 8203 6815 02), GLS Gemeinschaftsbank eG, Projekt-Code: HTI-01, machen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.