Lorenz und Josef König verabschieden sich 2009 von der "konventionellen" Landwirtschaft
"Warum nicht schon viel früher Bio-Landwirtschaft?"

Wie ein idyllisches Bild aus der bäuerlichen Vergangenheit: Mehrere Stunden täglich stehen die Milchkühe von Lorenz und Josef König auf der Weide im Dorf Rupprechtsreuth: von Mai bis November. Bild: cf
Wirtschaft
Mantel
06.07.2017
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Nein, die Umstellung von der konventionellen auf die ökologische Landwirtschaft haben sie nie bereut. Weder ideell noch finanziell. Dies betonen Lorenz König und sein Vater Josef mehrmals. Der 66-Jährige und der 38-Jährige verabschiedeten sich 2009 von ihrem herkömmlichen Dasein als Bauer, als sich Ertrag (damals acht Euro für den Doppelzentner Roggen) und Kosten nicht mehr rechneten, und die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit grundsätzlich in Frage stand. Die Königs verstehen sich keineswegs als Ideologen, die ihre "konventionellen" Kollegen an den Pranger stellen wollen.

Gewiss, die "mechanische Arbeit" mit durchschnittlich zehn Stunden am Tag sei mehr geworden, seit sie auf Fungizide und Herbizide zur Pilz- und Unkrautbekämpfung verzichten. "Doch die Qualität der Böden hat sich verbessert: Sie halten leichter das Wasser, es gibt wieder mehr Regenwürmer und mehr Insekten." Josef König und sein Sohn Lorenz, der den Betrieb führt, bewirtschaften ihren Hof im Dorf Rupprechtsreuth, zwischen Weiden und Mantel: insgesamt 95 Hektar Felder und Wiesen, von denen sie die meisten zugepachtet haben. Sie bestellen Roggen, Kleegras, Sommergerste, Hafer und sogar Mais, den eine bunt blühende "Bienen-Weide" (fast zehn Prozent der Anbaufläche) mit zigtausenden Blumen und Kräutern säumt.

Die Ernte liefert das Futter für die 150 Stück Rinder, davon ein Großteil Milchkühe. Durch den nahezu geschlossenen Kreislauf sind die Königs nicht mehr gezwungen, ihr Getreide zu oft nicht mehr kostendeckenden Preisen auf den Markt zu werfen und aus Brasilien (!) Soja als teure Eiweiß-Zugabe für die Kühe zuzukaufen. Für den Liter Biomilch erhält die Familie König über eine Bio-Vermarktungsgesellschaft fast 50 Cent für den Liter: im Vergleich zu etwa 35 Cent für normale Milch. Lorenz König weist aber darauf hin, dass eine Kuh in der konventionellen Landwirtschaft etwa 8000 Liter Milchleistung im Jahr bringt, ihre hingegen nur rund 6000 Liter. Das Bio-Zubrot für das Kilogramm Rindfleisch beträgt bis zu 60 Cent, je nach Klassifizierung.

Die Königs räumen ein, dass die Umstellung ohne Subventionen nicht machbar gewesen wäre. So bezuschusste der Staat in den ersten beiden Jahren jeden Hektar mit 200 Euro. Der Ernte-Ertrag (Quantität) schrumpfte um annähernd 40 Prozent, denn die Düngung erfolgt nur mit Gülle, Kompost und Kalk. Im Grünland zeigten sich bei Bodenproben von 30 bis 90 Zentimeter Tiefe "kaum Spuren von Nitrat".

"Uns geht es heute viel besser. Wir fragen uns häufig, warum wir nicht schon früher umgestellt haben", sagen Vater und Sohn übereinstimmend. Vor allem der "Stress" habe abgenommen.
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