Autorin Jakuba Katalpa zu Gast in Marktredwitz
Dreisprachig im literarischen Café

Jakuba Katalpa (eigentlich Tereza Jandová, 2. von links) stellte im „Literarischen Café“ ihr Buch „Die Deutschen - Geographie eines Verlustes“ persönlich vor. Unterstützt wurde sie dabei von Karl-Ludwig Ritzke und Jean Ritzke-Rutherford, die Passagen daraus zitierten. Dr. Ivo Polacek (links) übersetzte Katalpas Worte ins Deutsche. Bild: wro
Kultur
Marktredwitz
27.02.2018
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Jakuba Katalpa (Zweite von links) stellte ihr Buch "Die Deutschen - Geographie eines Verlustes" persönlich vor. Passagen daraus zitierten Karl-Ludwig Ritzke und Jean Ritzke-Rutherford. Ivo Polacek (links) übersetzte Katalpas Worte ins Deutsche. Bild: wro

"So sprachlich international durften wir unser literarisches Café noch nie erleben", freute sich Leiterin Roswitha Budow am Schluss des letzten Treffens vor der großen Pause über den dreisprachigen Verlauf auf Deutsch, Tschechisch und Englisch). Dazu begrüßte sie Jakuba Katalpa. Die 1979 in Pilsen geborene Autorin debütierte 2006 sie mit ihrem Buch "Kann man Erde essen?", das für den tschechischen Literaturpreis "Magnesia litera" nominiert wurde. Mit ihrem Roman "Die Deutschen - Geographie eines Verlustes" öffnete sie einen völlig neuen Blickwinkel auf die deutsch-tschechischen Beziehungen.

Der Besuch der zeitgenössischen Schriftstellerin aus Pilsen war der Höhepunkt der Buch- und Vorlesesaison, gefördert durch die Ackermann-Gemeinde und die Katholische Erwachsenenbildung. Das Interesse an zeitgenössischer Literatur stößt auf ständig wachsendes Interesse, Auch diesmal war die Besucherzahl groß. Die Pilsener Autorin, die ihr 2012 erschienenes und drei Jahre später von Doris Kouba ins Deutsche übersetzte Werk "Die Deutschen - Geographie eines Verlustes" dem Marktredwitzer Publikum vorstellte, wurde begleitet von Jean Ritzke-Rutherford und Karl-Ludwig Ritzke, die aus dem Buch abwechselnd zitierten. Mit dabei auch Ivo Polacek, der die ergänzenden Erläuterungen der Autorin, die außer ihrer tschechischen Muttersprache auch Englisch spricht, ins Deutsche übertrug. Kurze Passagen las Katalpa selber in ihrer Muttersprache.

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte einer jungen Frau namens Klara, die sich als Lehrerin während des Zweiten Weltkrieges in die bereits annektierten Sudetengebiete versetzen lässt. "Neue Stellen gibt es nur im Protektorat", wird ihr gesagt. Der Rückblick ist verwoben mit vielen Schicksalen in dieser gewalttätigen Epoche. Mehr aber noch ist er geprägt von der brennenden Frage, warum eine Mutter nach der Vertreibung ihr Kind zurückließ. Das Buch blickt auf die vielen Verluste aller Personen im Buch. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Betroffenen auf der einen oder anderen Seite stehen. Manchen wird das Leben genommen, andere geben es freiwillig her, um nicht den Verlust der Heimat ertragen zu müssen. Das Thema Selbstmord zieht sich wie ein roter Faden durch die 420 Seiten. Wer überlebt, steht vor dem Problem, sich trotz erlittener Wunden ein neues Leben aufzubauen.

Klara - eine starke Persönlichkeit - muss am Schluss erkennen, dass sich nicht alle Fragen beantworten lassen. Entscheidende Dinge wie die Frage nach der Zusammenführung mit ihrem Kind können an Kleinigkeiten, manchmal an fehlenden Papieren scheitern. Alle Charaktere haben eines gemeinsam, verriet die Autorin: Jeder von ihnen habe sich zu sehr mit sich und seinem Leben, weniger mit den Mitmenschen, schon gar nicht mit den Juden befasst. Die Protagonistin, umgeben von Sonderlingen, muss in den Zeiten des Unrechts immer wieder hören: "Was geht mich das an?"

Die Handlung sei frei erfunden, ebenso auch die vorkommenden Personen, sagte Katalpa, die am Ende der Lesung für Fragen bereit stand und die gekauften Bücher mit einer persönlichen Widmung versah. Der Nachmittag - eine mehrsprachige literarische Analyse beider Länder und dem Leid derer Menschen - war zugleich ein Geständnis der Autorin, dass die Beziehungen zum Nachbarn durchaus noch ausbaufähig seien.
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