Egerland-Museum präsentiert zwei Sonderausstellungen
Schätze, die Geschichten erzählen

"Jalousiebilder" nennt Roland Helmer seine Werke, deren Farbgebung er dem Bundesvüarstäiha Volker Jobst (rechts) erklärt. Bild: Miedl
Kultur
Marktredwitz
18.05.2017
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80 Porzellan-Trinkbecher aus Karlsbad sind zu sehen. Bild: Miedl

Pünktlich zum alle zwei Jahre stattfindenden Egerlandtag präsentiert das Egerland-Museum in Marktredwitz zwei Sonderschauen, die höchst unterschiedlich sind, aber eines gemeinsam haben: Die Ausstellungsstücke erzählen Geschichten - über sich, ihre Zeit des Entstehens, ihre Schöpfer und ihre Sammler.

Die eine, etwas kleinere Ausstellung widmet sich in einem Raum der Kunstgalerie dem "Weißen Gold des Egerlandes". Sie entführt in die böhmische Porzellan- und Bäderwelt des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Wie edel man damals speiste oder sich zum Kaffee niederließ, kann man am aufwendig gestalteten Jugendstil-Porzellan sehen, das aus der Sammlung des Ingolstädters Kurt Rödig stammt. Der gebürtige Egerländer aus einer Altrohlauer Porzellinerfamilie widmet sich in seiner Sammlertätigkeit besonders dem Porzellan aus seiner Heimat.

Geschätztes Souvenir

Weiter nach Karlsbad geht die Reise, nämlich zur Trinkkur und den dazugehörigen Sprudelbechern aus Porzellan, die sich im 19. Jahrhundert zum geschätzten Souvenir entwickelten. Rund 150 dieser Becher hat - nomen est omen - die Münchnerin Editha Becher gesammelt. 80 davon sind in Marktredwitz zu sehen - von den bauchigen der Anfangszeit bis zu späteren flacheren mit Trinkschnabel. Museum-Mitarbeiterin Carola Reul, die federführend bei der Porzellan-Schau war, erklärte am Donnerstag bei der Präsentation der Ausstellungen, weshalb damals überhaupt die Schnabelbecher aufkamen: Damit sollte verhindert werden, dass das an Mineralien reiche Heilwasser den Zahnschmelz angreift. Nicht aus Porzellan, aber eines der wertvollsten Ausstellungsstücke im Bestand des Egerland-Museums ist das "Gedenkbuch Hotel Holzer Franzensbad", dessen Ersteintrag aus dem Jahr 1884 stammt. In dem gediegenen Gästebuch haben sich 413 Monarchen, Adelige und wohlhabende Bürger verewigt - vom Fürsten zu Schwarzenberg-Rudolstadt bis zu einer afghanischen Prinzessin. Erstmals wird das Gedenkbuch aus dem Hotel Holzer der Öffentlichkeit präsentiert. Wie das Hotel Holzer ausgesehen hat, das kann man auf einem der ebenfalls ausgestellten historischen Plakate des Wunsiedlers Sebastian Fexer sehen. Kunst mit Egerländer Bezug zeigt auch die neue Schau "Geschenkte Kunst" im Sonderausstellungsraum. Werke von sieben Künstlern sind hier versammelt, die vornehmlich aus dem Egerland stammen. Sie sind sehr unterschiedlich und "bieten einen Schnitt durch verschiedenste Stilepochen", sagte Museumsleiter Volker Dittmar beim Rundgang am Donnerstag. Gemeinsam haben die Bilder eines: Sie alle sind Schenkungen an das Museum, womit sich auch der etwas provokante Titel der Schau erkläre, so Dittmar. In der Regel gelangen die Werke nach dem Tod eines Künstlers in den Besitz des Museums, wie etwa Werke des Marktredwitzers Hans Zeitner. So hat dessen Tochter Ingeborg Schott-Zeitner dem Museum Zeitners Selbstporträt in Öl und das Porträt seiner Frau Karoline überlassen.

"Konkrete Kunst"

In mehrfacher Hinsicht einen Sonderstatus nimmt der 1940 in Karlsbad-Fischern geborene Künstler Roland Helmer ein: Zum einen sind die von ihm präsentierten Bilder nicht gegenständlich wie alle anderen, sondern "konkrete Kunst" mit exakten geometrischen Farbflächen. Und zum anderen war es Helmer ein Anliegen, seine Werke schon zu Lebzeiten dem Museum zu stiften. Auch Helmers Frau, Ingryda Suokaite, hat dem Museum ein Bild vermacht. Es hängt schon seit einiger Zeit in der Dauerausstellung. "Das hat er mir mal geschenkt. Solche Geschenke bekomme ich heute nicht mehr", meinte Suokaite scherzend.

In der Sonderausstellung werden außerdem Werke folgender Künstler gezeigt: Josef Dobrowsky, Wilhelm Klier, Walter Lederer, Eduard Pulz und Erika Zimmermann.Künstler Roland Helmer lobte die Präsentation der Werke in höchsten Tönen. Und Museumsleiter Dittmar blickte voraus: Im Herbst werde es in Marktredwitz eine Sonderausstellung mit historischen böhmischen Marionetten geben.

Heute VernissageAm heutigen Freitag um 18 Uhr werden beide Ausstellungen mit einer Vernissage eröffnet. Zu sehen sind sie dann von Samstag bis zum 30. Juli zu den Öffnungszeiten des Egerland-Museum, Dienstag bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr. (fph)
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