28.11.2017 - 15:04 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Gelungene Premiere des Amateurtheaters Marktredwitz-Dörflas Der Tod hockt im Birnbaum

Mit dem Wünschen ist es nicht immer leicht. Vor allem, wenn die Zahl der frei wählbaren Anliegen auf drei begrenzt ist. Das stellt auch das Publikum des Amateurtheaters Marktredwitz-Dörflas fest.

von Werner RoblProfil

Mit dem "Tod im Birnbaum" beschenkten sich die Bühnenleute zum 115-jährigen Bestehen selbst. Ihr Fazit: Wenn es so ist, dass keiner mehr in den Himmel darf, geschweige denn hinunter in die Hölle muss, dann ist was faul auf der Erde, wo von einem Tag auf den anderen nicht mehr gestorben werden kann.

Während sich beim "Brandner Kaspar" nur eine einzige Person über das ewige Leben freuen darf, so haben der Leitner-Bauer und seine listige Anna beim "Tod im Birnbaum", der am Samstag Premiere in der Dörflaser Turnhalle feierte, gleich ganze Arbeit geleistet. Schuld daran ist eine Verflechtung von Wünschen, die eine gute Fee ihrem Lebensretter gewährt. Seine Frau hält ihn anfangs für "etwas verwirrt", als er ihr seine Geschenke freimütig offenbart: Immer etwas Geld im Kastl, so dass es halt zum Leben reicht. "Ein bisserl mehr hätt's aber schon sein können", jammert die enttäuschte Bäuerin. Aber dass niemand mehr ohne Gottfrieds Erlaubnis von dem karg gewachsenen Birnbaum herabsteigen darf, will ihr gar nicht einleuchten. Den dritten Wunsch spart sich der Gatte indes für schlechte Zeiten - denn er ist ja ein sparsamer Bauer.

Kirschgeist und "B'schiss"

Es ist ein Kreuz mit dem Wünschen, das merken die Zuschauer in der nahezu voll besetzten Turnhalle von Beginn an. Gerne lassen sie sich auf das vieraktige Spiel ein, das vom Leben und nicht mehr sterben können handelt. Es wird schon gut ausgehen, hoffen sie und warten auf weitere Parallelen zum "Brandner Kasper". Der Kirschgeist war wieder an allem schuld, aber auch der "B'schiss", die Bauernschläue nämlich, gegen die sogar der Boandlkramer machtlos ist. Statt Spielkarten waren's halt diesmal ein Birnbaum, dessen Früchte und eine angelehnte Leiter. Wie beim Brandner scheint der Gevatter Tod doch eigentlich ein gutmütiger Geselle zu sein. Man darf ihn halt nicht auf einen Baum locken und dort wegsperren. Denn dann fehlt der Alte halt doch irgendwie, nicht nur oben beim Petrus, sondern auch ganz tief unten.

Paraderolle für Rodehau

In Szene gesetzt hat das ins Wanken geratene "Welttheater" das Ensemble des Amateurtheaters um Regisseur Jürgen Bauer, der als zurückkehrender Soldat auch eine darstellerische Visitenkarte abliefern durfte. In Mundart geschrieben hat das philosophische Stück der Dichter Manfred Eichhorn. "Der schönste Krieg taugt halt auch ohne Sterben nichts", lautete eine von vielen Erkenntnissen. Wenn auch die Schenkelklopfer während der gut zweieinhalb Stunden in dem nachdenklichen Werk ausbleiben mussten, so durfte freilich auch gelacht werden. Dafür sorgte vor allem Kurt Rodehau, dem die Rolle des Gevatters Tod auf den Leib geschrieben war. Hinterfotzig eingestreute Zitate ("Eine hässliche Frau ist der beste Gartenzaun") fanden ihre dankbaren Abnehmer.

Dass es im Himmel manchmal auch lustig zugehen kann, weiß man vom Brandner Kasper. Und wofür soll das am Leben bleiben eigentlich gut sein, wenn oben alle auf einen warten? Diese Erkenntnis blieb jedem selber überlassen. Der trotz aller Philosophiererei unterhaltsame Abend endete mit viel Applaus. Der Vorhang schloss sich mit der Erkenntnis: Mit dem Tod treibt man keinen Spaß. Weitere Aufführungen sind am Freitag und Samstag, 1. und 2. Dezember, jeweils um 19.30 Uhr in der Dörflaser Turnhalle geplant. Vorverkauf (10 Euro) unter anderem bei den Tourist-Infos Marktredwitz, Mitterteich, Waldsassen und Tirschenreuth und an der Abendkasse (11 Euro), für Kinder um jeweils zwei Euro ermäßigt.

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