17.10.2017 - 20:00 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Historischer Club eröffnet Vortragsreihe mit Prof. Hermann Joseph Hiery Der Zweck heiligt die Mittel nicht

Karl Ludwig Sand, geboren am 5. Oktober 1795 in Wunsiedel, gilt neben Jean Paul als einer der berühmtesten Söhne seiner oberfränkischen Heimatstadt. Sein Leben, aber auch die Gründe, die zur Verurteilung führten, waren Gegenstand des ersten Vortrages zusammen mit Professor Hermann Joseph Hiery beim "Historischen Club". Er setzte nach der mehrwöchigen Sommerpause die regelmäßig gut besuchte Veranstaltungs- bzw. Vortragsreihe im Marktredwitzer "Meister Bär Hotel" weiter fort.

Hermann Joseph Hiery. Bild: wro
von Werner RoblProfil

Nahe dem Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum wurde dem einstigen Studenten und "Teutonia" Burschenschaftler Karl Ludwig Sand vor Jahren bereits eine breite Durchgangs-Straße gewidmet. Sie bildet die Fortsetzung der Jean-Paul-Straße. Unweit davon stand das Geburtshaus Sands. Vor mehr als 40 Jahren aber wurde es abgerissen. Anders als Jean Paul jedoch errang Karl Sand, der nicht einmal 25 Jahre alt wurde, eine traurige Berühmtheit. Als 24-jähriger Student der Theologie erstach er 1819 den Schriftsteller August von Kotzebue, da dieser die Burschenschaften verhöhnte und als Spion und Vaterlandsverräter galt.

Aufs Schafott

Karl Sand ging in Wunsiedel, Hof und Regensburg zur Schule, studierte in Tübingen und Erlangen und wurde begeisterter Anhänger der neu gegründeten Burschenschaften. Der junge Wunsiedler schwärmte für Friedrich Schiller und begeisterte sich rasch für revolutionäre Gedanken. Nach der Tat stieß sich Sand einen Dolch in die Brust, sein Selbstmordversuch aber scheiterte. 1820 wurde er zum Tod verurteilt und am 20. Mai - noch im selben Jahr - am Schafott hingerichtet.

Juristisch gesehen sei Karl Sand ein Mörder. Das könne man nicht von der Hand weisen, betonte der Referent von der Bayreuther Uni. Anders als die Sechsämterstadt hält Professor Hiery die Huldigung, die man dem Attentäter später zuteilwerden ließ, für nicht angebracht. Diese Meinung verteidigte er auch in seinem Vortrag "Der Zweck heiligt nicht die Mittel". Ziel des eineinhalbstündigen Referats war es, die Beweggründe des Mörders, die Hintergründe und Folgen der Bluttat zu durchleuchten.

Keine Einmischung

Der Historiker, Ostasien- und Pazifikforscher und Professor für Neueste Geschichte an der Universität Bayreuth hält den in Wunsiedel geborenen Burschenschaftler Karl Sand für einen Mörder und nicht für einen Freiheitskämpfer, schon gar nicht für einen Helden. Aus diesem Grund steht er der Huldigung durch die Sechsämterstadt eher kritisch gegenüber. "Ich möchte mich nicht in die Angelegenheit der Stadt Wunsiedel einmischen", sagte er im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Den Stadtoberhäuptern etwas vorzuschreiben obliege ihm nicht, beteuerte der Historiker, der an anderer Stelle früher einmal betonte: "Wunsiedel huldigt einem Mörder, das wird in keinster Weise hinterfragt."

Ob diese "Huldigung" so bleiben und ob Mord zur Lösung politischer Probleme dienen kann, sollte im Vortrag, der mit zeitgenössischen Stichen unterlegt war, ebenfalls hinterfragt werden. Fraglich sei auch, ob die Erinnerungszimmer im Fichtelgebirgsmuseum mit Karl Sand-Reliquien noch zeitgemäß und die Exponate echt seien. "Man hätte das Geburtshaus stehen lassen und daraus ein Museum machen sollen", bedauerte er die Entscheidung der Stadtväter, das Gebäude dem Straßenverkehr zu opfern.

"Sands Anschlag an den verhassten Schriftsteller war politisch motiviert." Auch wenn man die Beweggründe nachvollziehen könne: "Jeder ist für sich selber verantwortlich. "Der Zweck heiligt die Mittel keinesfalls." Vorstandsmitglied Hermann Meier, der den historischen Abend gemeinsam mit Bernd Leutheusser leitete, fasste zusammen: "Sand kann in der Geschichte der Stadt Wunsiedel nicht übergangen werden."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.