10.10.2017 - 18:34 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Neue Ausstellung im Egerland-Museum Bühne frei für 250 Marionetten

Das Egerland-Museum in Marktredwitz zeigt kunstvolle Figuren und Kulissen aus Böhmen und Bayern. Einige der Exponate sind erstmals öffentlich zu sehen.

Die Heuschrecke gehört zum Insektenorchester. Bild: Miedl
von Autor FPHProfil

"Eigentlich könnten wir jetzt schon öffnen." Die Freude über die nahezu komplett aufgebaute neue Sonderausstellung im Egerland-Museum vermag Museumsleiter Volker Dittmar nicht zu verbergen. Und zur Freude hat er allen Grund: Denn die Marionettenschau unter dem Titel "Großes Theater auf kleiner Bühne" verspricht eine richtige Attraktion zu werden. Davon können sich Marktredwitzer und Besucher von außerhalb überzeugen. Eröffnung ist am Donnerstag, 12. Oktober, um 19 Uhr.

Grundstock der Sonderausstellung ist eine Leihgabe des Sammlerehepaars Anita und Hartmut Naefe aus Viechtach in Niederbayern. Die Eheleute besitzen um die 1000 Marionetten. Rund 220 davon sind bis März 2018 in Marktredwitz zu sehen. Ein großer Teil davon stammt aus Böhmen, es sind aber auch bayerische Exemplare dabei, die ursprünglich aus dem Münchner Marionettentheater des Grafen von Pocci stammen. Begonnen hat die Sammelleidenschaft der Naefes 1998 mit einem Flohmarkt-Fund, einem frechen Kasperl. Sie stellten bald fest, dass die alte böhmische Marionettenkunst weit über die Figur des Kaspers hinausging. Auf den böhmischen Marionettenbühnen des 19. Jahrhunderts wurden alte Mythen und Märchen gespielt, aber auch klassische Dramen und Opern wie "Don Juan" oder die "Zauberflöte". Entsprechend gestaltete sich das "Personal" der jeweiligen Stücke. Eine Besonderheit des böhmischen Marionettenspiels waren auch mythische Figuren, Unterwassergeister, Zwischenwesen aus Mensch und Frosch. Kunstvoll waren die Marionettenbühnen gestaltet, mitsamt Kulissen und Vorhängen. Davon sind einige in Marktredwitz zu sehen. Man kann sich förmlich hineinfühlen in die alte Kunstform. Und das ist auch die Intention des Museumsleiters Dittmar und des Sammlerehepaars Naefe: "Ein wenig vom Zauber der alten Puppentheater soll in dieser Ausstellung wieder aufleuchten. Und wenn man genau hinhört, kann man vielleicht das lustige Lachen unseres kleinen, frechen Kasperls, dem Anstifter für diese Sammlung, hören." Die Figuren sind 10 bis 80 Zentimeter groß und wurden zwischen 1870 und 1950 hergestellt. Die Bühnen haben eine Breite zwischen 40 und 150 Zentimetern und orientieren sich am höfischen Barocktheater des 18. Jahrhunderts. Mit mehreren seitlichen "Gassen" hinter dem Bühnenportal erreichen auch kleinere Marionettenbühnen eine faszinierende Tiefenwirkung. Die Bühnen standen damals in reichen Bürgerhäusern und bei Adligen zu Hause. Das Marionettenspiel war aber immer auch echtes Volkstheater, bei dem in den Stücken der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten wurde und man sich auch so manche Derbheit erlaubte. Es gab feste öffentliche Bühnen und Wanderbühnen. Marionettenspieler reisten mit Wagen und Pferdegespann durch Europa, bis ins kleinste Dorf. Die Texte der Stücke hatten sich die Spieler in der jeweiligen Landessprache eingeprägt - auch wenn sie die ansonsten in keinster Weise beherrschten. Einen dieser reisenden Marionettenspieler hat Volker Dittmar noch selbst gekannt: den Slowaken Anton Anderle, der im Jahr 2004 sogar in Marktredwitz gastierte. Vor wenigen Jahren ist er gestorben. Ein großes Bild erinnert in der Ausstellung an ihn. Rund 30 Marionetten hat das Marktredwitzer Partner-Museum, nämlich das Regionalmuseum Eger (Muzeum Cheb), zur Verfügung gestellt: darunter das Insektenorchester, das in Marktredwitz erstmals öffentlich zu sehen ist. Geschaffen hat die musizierenden Insekten der aus Pilsen stammende Schnitzer Gustav Nosek, der von 1960 an in Eger lebte und 1926 die legendäre Figur des Hurvínek erschaffen hat. Der vorlaute und alles hinterfragende Hurvínek mit den rollenden Augen kam als Gegenpart und Sohn der Marionettenfigur Spejbl ins Spiel, die Gustav Noseks Onkel Karel für den bekannten Pilsener Puppenspieler Josef Skupa geschnitzt hatte. Hurvínek und Spejbl gelangten in Tschechien zu höchster Popularität und wurden auch im Fernsehen gesendet - das jedoch letztlich in den 60er Jahren europaweit das Ende der Marionettenbühnen einläutete.

Öffnungszeiten

Die Sonderausstellung im Egerland-Museum ist vom 13. Oktober bis 18. März zu sehen. Eröffnung ist am Donnerstag, 12. Oktober, um 19 Uhr. Geöffnet ist jeweils Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr. (fph)

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