10.04.2018 - 16:10 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Revue "Der verspielte Mann" Witzig leicht, nie oberflächlich

Der regionale Musiknachwuchs lockt zahlreiche Kulturliebhaber in die Marktredwitzer Stadthalle. Balladen, Operette und Big-Band-Sounds stehen auf dem Programm.

Kulturpreisträger Wolfgang Geiger, Gitarrist Torben Hebrock und Gesangsstudent Max Dollinger (von links) begeisterten mit der Revue "Der verspielte Mann". Bild: fph
von Autor FPHProfil

Von Christine Wild

"Der männlichen Riten gibt es mehrere Arten - und man muss sie nicht ,Angewohnheiten' nennen, dazu ist die Sache zu ernst. Aber warum ist das alles so? Weil sie uns nicht lange genug mit unserer Eisenbahn haben spielen lassen - und nun tragen wir Zeit unseres Lebens die Sehnsucht mit uns herum, uns einmal richtig auszuspielen." - Mit diesen Zeilen aus der Feder von Kurt Tucholsky und einem selbstironischen Augenzwinkern skizziert Max Dollinger den "Verspielten Mann", den Titelhelden des Programms, das der 22-jährige Gesangsstudent aus Regnitzlosau zusammen mit dem Marktredwitzer Kulturpreisträger Wolfgang Geiger in liebevoller Kleinarbeit zusammengestellt hat. Und das bunte, unterhaltsame und nachdenkliche Programm der Nachwuchsmusiker aus der Region interessiert so viele Kulturliebhaber, dass keiner der 357 Plätze in der Stadthalle Marktredwitz am späten Sonntagnachmittag frei bleibt.

"Ich bin nur gut, wenn keiner guckt", verrät Max Dollinger im gleichnamigen Song von Max Raabe, Annette Humpe und Christoph Israel. Während er mit dem Publikum kokettiert und - erfolglos - vorschlägt, dass sich alle umdrehen, um ihm das Lampenfieber zu nehmen, bettet ihn das Palais-Orchester auf charmant-swingenden Big-Band-Sound. Neun größtenteils studentische Musiker - allesamt Freunde, Verwandte oder Kommilitonen - hat Wolfgang Geiger rund um den Flügel, an dem er sitzt, zum Palais-Orchester versammelt. Und er zaubert mit nur zwei Klarinetten und je einem Saxofon, je einer Trompete, Posaune, Geige, Gitarre, einem E-Bass und Schlagzeug: Egal, ob Nummern von Max Raabe, Roger Cicero oder Operettenmelodien: Wolfgang Geiger arrangiert sie dem Palais-Orchester auf den Leib. Von sanfter Ballade über schmalzigen Operettenwalzer bis hin zu fetzigen Big-Band-Klängen reicht das Repertoire des jungen Orchesters. Dabei imitiert Wolfgang Geiger die Originale, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt - und von da an entwickelt er sie weiter; schneidert nach Maß; begeistert.

Songs und Arien

In vielen Momenten lässt er Melodien und Harmonien der einzelnen Songs auch einfach am Flügel weiterfließen und liefert Max Dollinger auf diese Weise einen zarten musikalischen Unterbau für die Lyrik, die der Solist immer wieder zwischen den Songs und Arien einstreut. Wie aus einem Guss durchreist und verbindet der charmante Sänger auf diese Weise Kindheit und Pubertät des verspielten Mannes bis hin zu dessen Studium, dem Kennenlernen der Liebe und Anflügen von Ernüchterung in der Beziehung. Für feuchte Augen und Gänsehaut sorgt er mit seiner so verschmitzten wie einfühlsamen Interpretation von Reinhard Meys "Zeugnistag", bevor er einer Dame in der ersten Reihe mit verführerischem Charme anbietet: "Küssen kann man nur zu zweit, ich wär' dazu bereit" - und zu seiner eigenen Überraschung tatsächlich mit einem Küsschen bedacht wird. "Ist das nun meine Heimat - diese Wohnung?", fragt er in einem der zahlreichen Gedichtausschnitte von Heinz Kahlau, um den Studien-Abschnitt einzuleiten. Doch nicht nur die große Stadt, auch die Liebe bewegt den verspielten Mann: "Manchmal entsteht aus ,Ich liebe dich' ,Wir lieben uns'. Erst dieser Satz hat wirkliches Gewicht." Tiefgründige, große Emotion verknüpfen Wolfgang Geiger und Max Dollinger mit witziger Leichtigkeit, wobei sie nie oberflächlich werden.

Schön timbrierter Bariton

Die typisch männliche Ur-Angst des verspielten Mannes vor der festen Ehe-Bindung säuselt Max Dollinger in purer Ironie in Georg Kreislers "Hochzeitstag" ins Mikro und ergänzt mit Roger Cicero: "Alle Möbel verrückt, Duftkerzen im Flur - von mir fehlt jede Spur!" Und auch der junge, eigentlich klassische Sänger ist um keine musikalische Facette verlegen. Ob Jazz, Operette, Musical oder Pop, immer trifft er genau den richtigen Ton und setzt seinen wunderschön timbrierten Bariton in eigenen Interpretationen der Gesangsnummern ein. Kein Wunder, dass der Saal nach zwei Stunden mit dem "Verspielten Mann" tobt.

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