Vortrag mit Friedrich Haubner beim Historischen Club
Wo der Zoigl zu Hause war

Die „Marktredwitzer Zoiglwirtschaften“ (so der Titel des Vortrags mit Friedrich Haubner) interessierten viele. Rasch füllte sich der Saal im „Meister Bär“ Hotel, während bereits die ersten ("Frei") Bier-Krüge weitergereicht wurden. Bild: wro
Kultur
Marktredwitz
20.03.2018
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Friedrich Haubner (links) hatte den Freibierbedarf für seinen Zoigl-Vortrag auf 30 Liter geschätzt. Dass er sich verrechnet hatte, wurde ihm schnell bewusst. Bild: wro

Zoigl ist längst mehr als nur ein heimliches Wahrzeichen der Region. Kein Wunder, dass sich auch der "Historische Club" früher oder später mit dem unfiltrierten Bier befassen musste.

Der Zoigl aus den Oberpfälzer Braustätten Falkenberg, Mitterteich, Eslarn, Neuhaus und Windischeschenbach findet immer mehr Freunde. Für seinen außerordentlich gut besuchten Vortrag hatte Vorstandsmitglied Friedrich Haubner auch ein Fässchen organisiert. Doch die 30 Liter waren bereits zu Beginn seines bebilderten Vortrags weg, was Haubner verblüffte: "Es ist doch Fastenzeit."

Dass sich im "Meister Bär Hotel" gute Stimmung breit machte, war aber nicht nur der Bierspezialität, sondern auch Haubners launigem Vortrag zu verdanken. Freilich widmete sich der Referent dabei weniger den Zoiglsternen in der benachbarten Oberpfalz, die er sehr schätzt. Haubner ließ Erinnerungen an die Kommunbier-Tradition vor Ort anklingen. "Die Zoiglwirtschaften in Marktredwitz", von denen es einmal zwölf gegeben haben soll, lautete sein Referat. An die damaligen Wirte, die die Stadt mit Kommunbrauerbier versorgten, erinnerte er fast wehmütig. Haubner besuchte den "Dammschuster", den "Rößlers Fritz" und kehrte beim "Riesenfriedrich" ein. Jeder, der ein Haus mit Keller sein Eigen nannte, durfte im Prinzip einbrauen, fügte er Namen wie den "Becknsannl", erwähnte das historische Kommunbrauhaus "Im Winkel" und die Gaststätte "Altes Rathaus", von dem alte Bilder gezeigt wurden. Straßennamen wie "Braustraße" und "Am Malzhaus" erinnern noch immer an die "gute alte Zeit". Wohin das Straßenschild der "Zoiglgasse" wohl hingekommen sein mag, wusste auch Haubner nicht: "Vielleicht hat es einem Sammler gefallen."

Handgemachtes Bier stand schon immer hoch im Kurs. Gerne holte man es auch nach Hause, schickte zu den Gassenschänken mitunter Kinder, die auf dem Nachhauseweg davon kosteten. Der Schwund wurde kaschiert: "Einmal kräftig umrühren und schon überdeckte eine frische Schaumkrone den Verlust", scherzte der Referent. Auch heute noch gibt es die Braukeller, die unter manchen alten Marktredwitzer Häusern vor sich hin schlummern. Haubner gestand, selber einen daheim zu haben. Fässer, die man bei Bauarbeiten an der Schulturnhalle entdeckt hatte, seien nicht mehr zu retten gewesen, bedauerte er. Der Keller an der Grundschule galt bis dahin als unbekannt.

Haubner, der einen Film über die Zoiglherstellung in Windischeschenbach folgen ließ, rührte gut 90 Minuten lang die Werbetrommel für ein Markenzeichen, das in der Stadt und in der nahen Oberpfalz für Furore sorgt. Danke sagte er Bernhard Fischer, der ihn bei der Erstellung seines kleinen "Bierseminars" unterstützt hatte, sowie Stadtarchivarin Edith Kalbskopf, die bei der Suche nach Material behilflich war. Bald waren die Zoiglkrüge leergetrunken, nachschenken war nicht mehr möglich. Das Fässchen müsse er wieder zurückgeben: "Es gehört der ,Wolframstub'n' in Windischeschenbach", schloss Haubner und wies schon auf den nächsten Termin hin: Am Dienstag, 3. April, referiert Günther Juba über die freie Reichsstadt Eger.
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