Marktredwitz verleiht Dr. Birgit Seelbinder zum 70. Geburtstag die Ehrenbezeichnung ...
Couragierte Kämpferin für Europa

Großer Bahnhof für Alt-Oberbürgermeisterin Birgit Seelbinder, die ihr Glas erhebt und für die vielen guten Wünsche dankt. Anstelle von Geschenken erbat sie Spenden für die Sing- und Musikschule. Dennoch war der Gabentisch üppig gefüllt. Bild: fph
Politik
Marktredwitz
22.01.2018
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OB Oliver Weigel überreicht seiner Vorgängerin Birgit Seelbinder die Ernennungsurkunde zur Alt-Oberbürgermeisterin. Bild: fph

Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz lobt die Leistung Dr. Birgit Seelbinders in höchsten Tönen. Zum 70. Geburtstag ernennt ihr Nachfolger sie zur Alt-Oberbürgermeisterin.

"Sie hat immer über den Tellerrand hinausgeschaut. Sie ist eine Frau mit europäischem Herz." Zum 70. Geburtstag von Dr. Birgit Seelbinder, die 24 Jahre lang die Geschicke von Marktredwitz geleitet hat, lobt Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz die erste Oberbürgermeisterin Bayerns in höchsten Tönen. Die Stadt hat am Montag ihr zu Ehren zu einem großen Empfang ins historische Rathaus geladen. Oberbürgermeister Oliver Weigel verleiht seiner Vorgängerin unter dem Beifall zahlreicher Gäste den Titel der Alt-Oberbürgermeisterin.

Gewohnt farbenfroh

Großer Bahnhof für die dienstälteste Oberbürgermeisterin Bayerns, die bis 2014 im Amt war: Zahlreiche Wegbegleiter aus den verschiedensten Bereichen geben sich zum runden Geburtstag ein Stelldichein, stehen Schlange, um Seelbinder zu gratulieren. Wie gewohnt in farbenfrohem Gewand, nimmt sie freudestrahlend die vielen guten Wünsche entgegen, ehe Oberbürgermeister Weigel zur Laudatio auf die Vorgängerin ansetzt. "Die Vielfalt der Gäste spiegelt die Vielfalt der Tätigkeiten Dr. Seelbinders wider", lobt das Stadtoberhaupt das Engagement der Ehrenbürgerin. Ihre Verdienste seien von allen Stadtratsfraktionen und über Parteigrenzen hinweg anerkannt. Aus diesem Grund habe man einstimmig den Beschluss gefasst, ihr zum 70. Geburtstag die Ehrenbezeichnung "Alt-Oberbürgermeisterin" zu verleihen. Als Weigel ihr den Blumenstrauß zur Urkunde überreichen möchte, blickt er einen Augenblick etwas verwirrt zum üppig bestückten Gabentisch, in dessen Fülle er den städtischen Strauß nicht gleich entdecken kann. Heiter geht der Gratulationsreigen weiter mit Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz, die daran erinnert, dass es auch ein "Leben vor Marktredwitz" für Seelbinder gegeben hat. "Vor über 30 Jahren war sie meine Chefin. Anfang der 70er-Jahre war sie eine der wenigen Juristinnen im gehobenen Dienst", erinnert sich Piwernetz. Damals eine Frau in einer Männerdomäne, habe sie jungen Frauen Mut gemacht, ähnliche Wege zu gehen, so die Regierungspräsidentin. "Lang, länger, Seelbinder", zitiert sie eine frühere Schlagzeile. Mit ganzem Herzen sei ihre frühere Chefin Stadtoberhaupt gewesen und habe mit der ihr eigenen Unnachgiebigkeit vieles auf den Weg gebracht. Auch heute, im Unruhestand, lasse Seelbinders Engagement für die Menschen im Fichtelgebirge und ihren grenzüberschreitenden Einsatz für Tschechien nicht nach, lobt Piwernetz den "großen psychischen und physischen Einsatz" der Kommunalpolitikerin. "Der Ausdruck Alt-Oberbürgermeisterin geht mir nur schwer über die Lippen", meint Kulmbachs Landrat Klaus Peter Söllner, der als Vize-Präsident der Euregio Egrensis Seelbinders Stellvertreter ist. "Ohne Birgit Seelbinder gäbe es die Egrensis auf bayerischer Seite nicht", zollt er der Präsidentin "riesigen Respekt" und bezeichnet sie als "Gesicht und Motor der Euregio Egrensis". Die deutsch-tschechische Zusammenarbeit sei ein entscheidender Mosaikstein in ihrem stolzen Lebenswerk. Sie habe die Euregio über ein viertel Jahrhundert geprägt.

Wort-Kaskaden

Auch Söllner outet sich, einst unter den Fittichen Seelbinders gearbeitet zu haben. "Als junger Jurist bei der Regierung von Oberfranken hat sie erklärt, wie alles abläuft - bis hin zur Kleiderordnung." Wenn es jemand gewagt habe - vor allem in der Euregio - nicht ihrer Meinung zu sein, "dann ist es für andere gefährlich geworden", sagt Söllner schmunzelnd. Der habe dann die kämpferische Seelbinder mit enormen Wort-Kaskaden erlebt.

Eine gewichtige Stimme hat die ehemalige Oberbürgermeisterin auch dem bayerischen Städtetag verliehen. Bernd Buckenhofer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, lobt Engagement und Courage der Frau, "die die Bedeutung Europas in praktischen Beispielen deutlich gemacht hat". Herzlichkeit und Offenheit zeichneten die Frau aus, die bundesweit vernetzt sei und auch im deutschen Städtetag tatkräftig mitgearbeitet habe. Diesem Vorbild müssten mehr folgen, denn bislang seien unter den 280 Mitglieds-Städten im bayerischen Städtetag nur zehn Prozent weibliche Rathaus-Chefs.

Aufregende Zeit

"Ich habe noch drei Wünsche", betont Seelbinder, als sie sich für den Empfang zu ihren Ehren bedankt. "Wir müssen es schaffen, dass sich Marktredwitz als Hochschulstandort etabliert. Die Glasschleif soll als Kulturhalle in Betrieb gehen, und die Bahn muss elektrifiziert werden." Die Verleihung des Titels Alt-Oberbürgermeisterin wisse sie sehr zu schätzen. "Jetzt passt er auch zu mir, während ich vor vier Jahren noch anderer Meinung war." Sie blicke zurück auf eine "spannende, aufregende, ausgefüllte und schöne Zeit" als Oberbürgermeisterin - ob Altlastenfall Chemische, Erweiterung von Egerland-Kulturhaus, Sanierung des Klinikums, der dreifache Anschluss von Marktredwitz an die Autobahn, die Landesgartenschau, das Gewerbegebiet Rathaushütte, der ewige Kampf um die Eisenbahn oder die Schul- und Städtepartnerschaften.

Lang, länger, Seelbinder.Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz
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