Helmut Hennig referiert beim "Historischen Club" über die Geschichte Arzbergs
Vom Bergbau zur Industrie

Vor großem Publikum und rund eine Stunde lang widmete sich Helmut Hennig der Geschichte Arzbergs. Die einstige Bergbau- und Porzellanstadt wurde vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt. Bild: wro
Vermischtes
Marktredwitz
09.02.2018
58
0

750 Jahre Arzberg: Das einstige Bergbaustädtchen und dessen Geschichte stehen im Mittelpunkt eines außergewöhnlich gut besuchten Vortragsabends beim "Historischen Club".

Marktredwitz/Arzberg. Hermann Meier und Bernd Leutheußer, die Leiter der Veranstaltungsreihe, freuten sich über das große Interesse am Vortrag im "Meister-Bär-Hotel". Arzberg wurde 1268 erstmals als "Arzperge" urkundlich erwähnt. Ein Abdruck der Urkunde findet sich im Buch von Dr. Friedrich Wilhelm Singer. Die Röslaustadt und ihre langjährige Geschichte wurden von Helmut Hennig am Dienstagabend in Worten und Bildern vorgestellt.

Die Arzberger "Elf-Uhr-Glocke", die seit 1644 im Turm der evangelischen Stadtpfarrkirche hängt, wurde in Marktleuthen gegossen. "Zu Marktleuthen durchs Feuer floß ich, Johann Berger von Weimar goß mich. Wo Gott zum Haus nicht gibt sein Gunst, so arbeit' jeder Mann umsunst", zitierte Hennig deren Inschrift und gestand, dass er von der Verbindung lange Zeit nichts wusste. "Offenbar waren fahrende Glockengießer im Ort, die den Auftrag hier an Ort und Stelle erfüllten", so der Referent vom Marktleuthener Arbeitskreis, der dazu einlud, auf eine weite, rund einstündige Reise zurück in die Arzberger Stadtgeschichte zu gehen. Und so folgte man ihm in eine Zeit, wo die befestigte Kirche entstand, weil eine Stadtmauer zu teuer war, wo man in elf Zechen Eisenerz (daher auch der Name Arzberg) abbaute, um es an Ort und Stelle zu verarbeiten. Auch dorthin wo später Nagel- und Porzellanfabriken und ein Kraftwerk entstanden. Im Mittelpunkt stand aber auch die Landschaft entlang der Röslau. Hennig durchstreifte die Wälder, folgte dem Röslaubach und erreichte Elisenfels, das durch seine Munitionsfabrik traurige Berühmtheit erlangen musste. "Ein seltsamer Anblick", kommentierte er die heute noch sichtbaren Gebäude-Reste und bedauerte die teilweise Zerstörung (zu Kriegszeiten) der sich jetzt wieder intakt präsentierenden Landschaft. Er erinnerte an das Leid, das den dort arbeitenden, "Kanarienvögel" genannten und bedauernswerten Menschen (wegen ihrer gelben Haut- und Haarfarbe aufgrund von Leberschäden) seinerzeit zugefügt wurde. Der Referent wanderte zum historischen Anwesen nach Schlottenhof, stellte den dort "lebenden" Brunnenwastl in Egerländer Tracht vor. Erneut kehrte er zurück ins wenige Kilometer entfernte Arzberg, um sich der Stadtentwicklung zu widmen, bei der auch die Porzellanindustrie und deren Niedergang nicht fehlen durfte. "Ein heute trostloses Bild", bedauerte Hennig. "Die Gebäude sind vom Verfall gezeichnet." Es bleibe nur zu hoffen, dass das Vorhandene eine Renaissance erlebe. Stichwort Kohlekraftwerk. Ein vergessenes Bild tauchte auf. Kühltürme prägten einst das Stadtbild. Davon übriggeblieben sei der Stausee im Süden unweit von Haid. Hennig richtete den Blick nach vorne: Zwei Industriegebiete und ein Gewerbegebiet sorgen für Hoffnung. Der Referent schloss: "Ich wünsche dem einstigen Bergbaustädtchen eine positive Entwicklung."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.