06.02.2018 - 20:10 Uhr
Marktredwitz

Interview mit Dr. Axel Schmucker Neue Therapien zeigen Erfolge

Seit 2004 gibt es das Ambulante Onkologische Zentrum am Klinikum Fichtelgebirge in Marktredwitz. Dr. Axel Schmucker baute das Zentrum auf und betreut jedes Jahr rund 500 Patienten. In einem Interview informiert er über Behandlungsmöglichkeiten und Therapieerfolge.

Dr. Axel Schmucker. Bild: exb
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Im Ambulanten Onkologischen Zentrum erhalten Krebspatienten Chemotherapien; sie müssen während der teilweise mehrwöchigen Behandlungsdauer nicht stationär im Krankenhaus bleiben. Für die betroffenen Patienten bedeutet dies einen enormen Zugewinn an Lebensqualität.

Welche Krebsarten werden in Marktredwitz behandelt?

Dr. Axel Schmucker: Fast alle sogenannten "soliden Tumore". Darunter fallen alle klassischen Krebserkrankungen - außer Leukämien, also Blutkrebs. Von der Behandlung in unserem Zentrum in Marktredwitz ebenfalls ausgenommen sind Tumore im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, im Muskelsystem sowie Hautkrebs und Krebserkrankungen des Gehirns. Hierfür gibt es spezialisierte Zentren in Bayreuth, Regensburg und Nürnberg, mit denen eine enge Zusammenarbeit besteht.

Wenn über Krebs gesprochen wird, denkt man immer noch an eine in jedem Fall tödlich verlaufende Krankheit. Ist das nach derzeitigem Stand noch zutreffend?

Nein. Die Überlebensraten haben sich in den letzten Jahren verbessert. Wir erleben es dennoch immer wieder, dass Patienten mit einer ausgeprägten Herzinsuffizienz ihre Diagnose wesentlich gefasster aufnehmen und die Dramatik nicht erkennen. Laut den kürzlich veröffentlichten Zahlen aus der Concord-Studie sind die Fünfjahresüberlebensraten bei den meisten Krebserkrankungen seit 2000 gestiegen. Bei Brustkrebs liegt Deutschland mit 86 Prozent im "Spitzenfeld" im internationalen Vergleich. Selbst bei aggressiven Tumoren in Leber (13 Prozent) und Lunge (von 14,8 auf 18,3 Prozent) gibt es kleine Fortschritte. Für das maligne Melanom, also Schwarzer Hautkrebs, liegt Deutschland mit 93,1 Prozent weit vorn. Bei den Leukämien beträgt der Wert 54,9 Prozent. Das Prostatakarzinom wird immer früher erkannt, daher liegt die Überlebensrate hier auch inzwischen bei 91,6 Prozent. Bei der eingangs erwähnten Herzinsuffizienz beträgt sie nur 50 Prozent.

Welche Fortschritte gibt es in der Behandlung?

Durch regelmäßige Vorsorge, Screeningprogramme und wirksame Therapien wurden enorme Fortschritte gemacht. Hoffnungsvoll stimmen auch Therapien mit Immunzellen und Antikörpern, die sehr gut verträglich sind und auch für einige Krebsarten bereits erfolgreich zum Einsatz kommen. Denn eigentlich erkennt unser Immunsystem Tumorzellen als geschädigte Zellen und baut diese selbstständig ab. Bei manchen Menschen entwickelt sich dennoch Krebs - auch wenn ihre körpereigene Abwehr eigentlich gut funktioniert. Bei diesen neuen Therapieansätzen wird man die Entwicklungen dennoch abwarten müssen. Noch sind viele Fragen nicht vollständig geklärt.

Sind Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll?

Absolut. Es geht darum, letztlich tödliche Krankheiten - wie den Prostatakrebs - in einem Stadium zu identifizieren, in dem sie noch heilbar sind. Nur rund 18 Prozent der Männer gehen zu Vorsorgeuntersuchungen. Bei den Frauen liegt der Anteil mit 60 Prozent deutlich höher. Hier sollten die Männer aufholen. Wenn Männer dann einen Arzt aufsuchen, sind die Beschwerden meist schon so stark, dass es für eine Früherkennung von ernsthaften Erkrankungen bereits zu spät ist und eine dauerhafte Heilung nicht mehr zu erreichen ist. Man kann sich auf der Internetseite der Deutschen Krebsgesellschaft gut informieren, welche Vorsorgeuntersuchungen für welches Alter empfohlen werden.

Gibt es schon neue Erkenntnisse zu den Ursachen von Krebs?

Es gibt eine Menge bekannter Risikofaktoren, die jeder so gut es eben geht meiden kann. Dazu gibt es aber auch noch eine individuelle genetische Veranlagung, die letztlich bei der Entstehung von Krebs auch eine große Rolle spielen.

Seit einigen Jahren setzt sich ein gesünderer Lebensstil durch, wird regelrecht "Mode". Merkt man hier schon Auswirkungen?

So schnell merkt man den Effekt leider nicht. Dennoch ist es weiterhin sehr zu empfehlen, auf das Rauchen zu verzichten, Alkohol nur in vernünftigen Mengen zu sich zu nehmen und sich ausgewogen zu ernähren. Mir ist natürlich bewusst, dass gerade in unserer Region das traditionelle Essen und das gute Bier für einige Ausnahmen im Jahr sorgen. Es sollte nur eben nicht jeden Tag genossen werden.

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