Komparsin bei "Arthurs Gesetz"
Warten auf den "großen Auftritt"

Die lange Wartezeit bis zum Dreh überbrücken die Komparsen mit Witzchen erzählen und dem gegenseitigen Kennenlernen. Rechts im Bild Siegfried Rosner aus Waldsassen. Bild: ubb
Vermischtes
Marktredwitz
08.02.2018
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Schnell ein Selfie zur Erinnerung. Mehr ist nicht drin, denn Fotos sind am Set verboten. Bild: ubb

Halbzeit in der Drehwoche zur Serie "Arthurs Gesetz". Zweite Regieassistentin Jana Schütt zählt gegen 16 Uhr 19 Komparsen. Auch einige Neulinge sind dabei. Vor dem "großen Auftritt" kommt daher die Arbeit. 

Zunächst müssen also Formulare ausgefüllt werden: Kontonummer, Sozialversicherung, Steuernummer, Adresse. Wer seine Daten nicht parat hat, kann nicht mitmachen. Die Regeln sind streng an einem professionellen Filmset. Die "alten Hasen" schmunzeln. "Klar darfst du nicht fotografieren. Das ist absolut verboten", sagt Siegfried Rosner. Der 62-Jährige outet sich als Rentner aus Waldsassen. Er und seine Frau Beate haben über acht Drehtage hinter sich. "Ich habe Zeit", begründet Rosner seine späte Karriere. Stolz erzählt er, dass er Jan Josef Liefers persönlich kennt. Zum Beweis zeigt er ein Handyfoto und betont verschwörerisch, dies dürfe er keinesfalls weitergeben. "Nur für privat!" Die Serie "Arthurs Gesetz" wird unter anderem in Marktredwitz gedreht (wir berichteten) und von "TNT Comedy" und der "good friends Filmproduktions GmbH" produziert. Hauptdarsteller sind Jan Josef Liefers, Martina Gedeck und Nora Tschirner.

Totales Chaos

Jetzt geht's in die Maske. "Leise sein." Nebenan wird gedreht. Jan Josef Liefers sei da, heißt es. Zu sehen kriegen ihn die Komparsen nicht. Unheimlich spannend bleibt es dennoch. Schon allein dieses Flair: In der Kostümprobe liegen Klamotten scheinbar wahllos zwischen Kleiderstangen und auf alten Sofas herum. Überall Kabel, Equipment und Techniker, denen man ja nicht in die Quere kommen darf. Dazwischen schminken nette Mitarbeiterinnen die Komparsen. Was völlig chaotisch erscheint, ist einer perfekten Logistik unterworfen. "Was hast du mitgebracht?", fragt Kostümbildnerin Brigitte Lohrer-Horres, greift aber gleich nach hinten an die Kleiderstange, reicht einen Tüllrock, Glitzerjacke, Hasenohren: "Das dürfte passen!" Ich bin entsetzt: "Ist das nicht kindisch?" Die Kostümbildnerin schaut mich streng an. "Einfach kann jeder. Mehr Mut!" Ich füge mich seufzend und finde mich schrecklich. Jetzt beginnt das lange Warten. Siegfried und Gerhard Hofmann aus Selb bringt nichts aus der Ruhe. "Das ist normal", klären sie auf, dass sich vorherige Szenen oftmals zeitlich verschieben. Jana schaut stündlich nach uns: "Bitte Geduld!" Wir lernen uns kennen, erzählen Witze und warum wir diesen Wahnsinn mitmachen. Siegfried schwärmt von Liefers, der nett sei. Gerhard wurde von seiner Frau geschickt. "Jetzt hat sie ihre Ruhe daheim!" Gerhards Kostüm: Pandabär mit großem Kopf. Später wird den Selber niemand erkennen. Martin Henkl aus Bayreuth meint mit Blick durchs Fenster: "Wenn ich erst um 4 Uhr morgens heimkomme, kann ich gleich den Schneeräumer aus der Garage holen." Schneeräumen ist Martins Beruf. Die Profis unter uns haben viel erlebt: Der Bad Bernecker Theaterleiter Wolfram Gittel hat in Hollywood-Produktionen mitgewirkt. Vor der Kamera bewegt er sich sehr selbstsicher. Gittel bekommt heute eine Rolle als Stripteasetänzer.

Alles auf Anfang

Gegen 22 Uhr wird es ernst. Jeder bekommt auf der "Faschingsparty" seinen Platz zugewiesen. "Und ja nicht weggehen!" Requisiten (Bier, Zigaretten, Schnapsgläser und anderes) dürfen nicht weggestellt werden. Am Set trägt jeder persönlich die Verantwortung für einen reibungslosen Ablauf. Es ist eine echte Herausforderung. Und wir wollen es gut machen. Wir tanzen ohne Musik und ohne zu sprechen. Zu Tonaufnahmen stehen wir still, johlend und grölend. "Achtung. Alles auf Anfang!" Wie oft haben wir das in dieser Nacht gehört. Die Szene wird zehn Mal wiederholt. Jana bringt in Drehpausen Wasser, fragt nach unserem Befinden, zupft an verrutschten Kostümen. Überhaupt ist die 30-Jährige unglaublich konzentriert, um 2 Uhr morgens. Wie macht sie das? Unser Respekt gilt dem gesamten Drehteam. Gut 40 bis 50 Leute arbeiten wie die Besessenen. Vanessa Vizethum und ihre Kolleginnen pudern Nasen, ziehen rotverschmierte Lippen nach.

Regisseur Christian Zübert gibt Anweisungen, bis er zufrieden gegen 3.30 Uhr Schluss macht. Jetzt sinkt der Adrenalinspiegel. Uns befällt bleierne Müdigkeit. Schnell in die Garderobe, wo keiner richtig Platz findet. Jeder zieht sich irgendwo um - ohne Scham. Schließlich sind wir jetzt ein Team. Bevor wir in die Winternacht entlassen werden zur Heimfahrt auf glatten Straßen, verteilt Jana die Gagen. Nur wer bis zum Ende durchhält, erhält Geld. Nicht viel, aber Fahrtkosten und Auslagen sind gedeckt. Egal. Hier geht es um den Spaß an der Sache. Komparse für eine Fernsehproduktion sein: Das kann süchtig machen.

Unverbrauchte RegionDie Produzenten der Serie "Arthurs Gesetz" - Comedy mit den Schauspielern Jan Josef Liefers, Martina Gedeck und Nora Tschirner in den Hauptrollen - haben sich als Drehort Oberfranken ausgesucht. Als Gründe nennt die Pressestelle die unverbrauchte Region um Marktredwitz, welche dennoch nicht allzu typisch bayerisch sei. Schauplatz ist nicht nur Marktredwitz. Auch in Wunsiedel, Arzberg und Hof ist das Filmteam unterwegs. Ende 2018 soll die Serie auf TNT Comedy ausgestrahlt werden. Ein Teaser zum Film kann bereits auf dem Youtube-Kanal der TNT-Sendegruppe in Deutschland angeschaut werden:




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