14.05.2018 - 17:20 Uhr
MarktredwitzDeutschland & Welt

Zum Glück im Schwarm

Seit mehreren Tagen häufen sich kleine Erdstöße im oberpfälzisch-tschechischen Grenzgebiet. Was manchen nervt, hält Roland Eichhorn für einen Glücksfall. Denn Bayerns Chef-Geologe weiß, die Alternative wäre katastrophal.

Dr. Roland Eichhorn.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

 

Seit vergangenen Donnerstag wackeln wieder einmal die Tassen in den Geschirrschränken entlang der tschechisch-oberpfälzischen Grenze. Die Stiftländer wissen längst, die Erdbeben haben etwas mit dem Egerer Graben zu tun. Noch besser weiß aber Roland Eichhorn, was es mit der Häufung auf sich hat.

Der Leiter des geologischen Dienstes des Landesamts für Umwelt in Hof greift auf eine Analogie aus der Backstube zurück: Der Egerer Graben markiere die Grenze von Erzgebirge und Kaiserwald. Zwischen den beiden tschechischen Gebirgen arbeite die Geologie wie beim Backen mit Hefeteig: „Wenn der aufgeht, reißt auch die Kruste auf“, erklärt Eichhorn. Nichts anderes passiere im Egerer Graben. Die beiden Gebirge werden wie der Teig angehoben, der Graben reißt auf. An der oberpfälzisch-tschechischen Grenze passiere dies immer wieder und in vielen kleinen Rucken als Schwarmbeben. „Die beiden Gebirge arbeiten sich aneinander ab wie Reibeisen.“ Dies sei ein Glücksfall für die Region, anderswo stürzen solche Gräben plötzlich um mehrere Meter ein. Erdbeben und heftige Zerstörung sei die Folge.

In Tschechien treten die Beben gehäuft – im Schwarm – auf. Alle paar Jahre können sich die Stöße über Tage manchmal Wochen hinziehen, erklärt Eichhorn. Dafür erreichen sie Werte von maximal vier auf der Richterskala, in Tschechien sollen schon Werte knapp über vier gemessen worden sein. „Solche Stöße bemerkt man auch bei uns in Deutschland, sie richten aber keine Schäden an“, sagt Eichhorn.

Tatsächlich spielen sich auch die jüngsten Beben im von Eichhorn genannten Bereich ab. In der Nacht zum Montag zeichneten die Messstationen einen Stoß mit einem Wert von 3,2 auf der Skala auf. Das Epizentrum lag dabei in Nordwesten von Novy Kostel. Der Ort mit dem deutschen Namen Neukirchen liegt etwa zehn Kilometer nordöstlich von Eger (Cheb). Der Ort wird häufig in Zusammenhang mit den Schwarmbeben genannt.

Wie lange sich die „Erdbeben-Saison“ diesmal hinziehen wird, lasse sich nicht prognostizieren, gibt Roland Eichhorn zu. Das können Wochen dauern. Eine andere Prognose traut sich der Geologe dagegen zu: Wirklich schwere Erdbeben werde es in der Region auf absehbare Zeit nicht geben. „Das gibt die Geologie hier einfach nicht her.“

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