07.09.2013 - 00:00 Uhr
Maxhütte-HaidhofOberpfalz

Widerstand gegen Abrissbeschluss für den Bahnhof Maxhütte "Maxhütte 21": Frevel am "Gesicht der Stadt"

Bei der Stadtratssitzung im Juli 2012 fiel der Hauruck-Beschluss: Der Bahnhof aus der Jahrhundertwende soll abgerissen werden. Ein Arbeitskreis wehrt sich dagegen, das "Gesicht der Stadt" derart zu zerstören. Der Regensburger Kunsthistoriker Professor Hans-Christoph Dittscheid (Bild) mahnt: "Den Bahnhof abzureißen, ist das völlig falsche Signal."

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Sie laden am Sonntag, 8. September, am "Tag des Offenen Denkmals", zum Runden Tisch, der sich für den Erhalt des Bahnhofs einsetzt: Wer steckt hinter dieser Initiative?

Professor Christoph Dittscheid: Das Abrissvotum hatte zur Folge, dass sich Bürgerinnen und Bürger sich im Herbst zur Gründung eines Arbeitskreises zusammenfanden. Inzwischen hat dieser sich dem altehrwürdigen Historischen Verein der Oberpfalz angeschlossen, um eine ausreichende wissenschaftliche Legitimation aufbieten zu können. Wir haben etwa 20 Mitglieder aus dem Städtedreieck.

Hat es sich bereits rumgesprochen, dass der Abriss droht?

Dittscheid: Vielen Leuten ist noch überhaupt nicht klar, was da passieren soll. Wir haben deshalb mehrere öffentliche Veranstaltungen organisiert, die für Maxhütter Verhältnisse außerordentlich gut besucht werden - mit etwa jeweils 50 Leuten.

Welchen architektonischen Wert würden Sie dem Bahnhof zubilligen?

Dittscheid: Es ist ein historisches Monument, das an die große Zeit des Maxhütter Werks erinnert. Der Bahnhof ist auch Ausdruck dessen, dass der Verlauf der Bahnlinie aufgrund des bedeutenden Eisenwerks so verlegt wurde, wie sie heute verläuft - ursprünglich war eine Linie durchs Vilstal geplant.

Sie halten die geschätzten Sanierungskosten für den Bahnhof von 1,5 Millionen Euro für zu hoch?

Dittscheid: Nachdem die Summe der vermuteten Sanierungskosten auf den Tisch kam, hat man noch am selben Tag für den Abbruch gestimmt. Wir wissen nicht, wo diese Schätzung herkommt. Ich habe daraufhin einige Fachleute befragt. Die haben zum Vergleich die Sanierungskosten der Alten Post angesetzt, deren größerer Sanierungsaufwand mit rund einer Million Euro bewältigt wurde.

Sie stellen Parallelen zu dem Projekt Stuttgart 21 fest - inwiefern?

Dittscheid: Mit "Maxhütte 21" ruft man genügend Assoziationen hervor. Offensichtlich gibt es Interessen an einem Neubau, obwohl die Stadt völlig überschuldet ist. Zudem scheint sich bei der Stadt noch nicht rumgesprochen zu haben, dass die Elektrifizierung der Strecke Regensburg-Hof ansteht, mit der Folge einer notwendigen Zurücknahme der Bauflucht. Das heißt im Klartext: Ein Neubau wäre von seiten der Bahn gar nicht genehmigungsfähig. Der Rückbau aber wäre mit Risiken verbunden: Bei solchen Projekten wurden Schutzmauern notwendig, die mit Hundertausenden Euro zu Buche schlagen würden. Das ist doch ein Schildbürgerstreich: Wie viel sinnvoller wäre das Geld in die Sanierung investiert!

Sie kritisieren nicht nur die Verwahrlosung des Bahnhofs, sondern auch die unzumutbare Situation für Passagiere - was wäre Ihr konstruktiver Nutzungsvorschlag?

Dittscheid: Wir rechnen in absehbarer Zeit mit der Einführung einer Regensburger Stadtbahn, die auch das Städtedreieck inklusive Maxhütte anbindet. Der ÖPNV muss attraktiver werden, um die Überlastung der Städte durch den privaten Pkw-Verkehr abzufedern.

Wie würden Sie Eltern, die erst einmal in Kindergärten und Schulen investieren würden, davon überzeugen, dass der Erhalt des Bahnhofs keine Verschwendung ist?

Dittscheid: Das ist doch genau der Punkt: Viele unserer Kinder gehen in Regensburg aufs Gymnasium oder auf eine Hochschule. Viele Studenten wohnen zu Hause und fahren mit dem Zug in die Stadt, weil das mit dem Studententicket abgedeckt ist. Da ist der Zug konkurrenzlos.

Waren sich alle Stadträte bewusst, welch weitreichende Folgen der Abriss haben kann?

Dittscheid: Wir haben viele Stadträte angesprochen, die uns sagten: "Wir hatten keine ausreichenden Hintergrundinformationen." Ich bin überzeugt, dass nur im Einvernehmen mit der Stadt eine Lösung möglich ist - mit Mitteln der Städtebauförderung. Ich denke, dass da noch alle Wege offen sind.

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