17.07.2017 - 19:32 Uhr
Maxhütte-HaidhofOberpfalz

Als Mörder hinter Gitter

Seine Taktik ging nicht auf. Er wollte durch hartnäckiges Schweigen in den Bereich einer zeitlich begrenzten Haftstrafe kommen. Doch das Schwurgericht war im Urteil ebenso gnadenlos wie der Täter bei seinem Kapitalverbrechen. Wegen Mordes muss ein 45-Jähriger lebenslang hinter Gitter.

Eine 59 Jahre alte Frau starb bei einem Kapitalverbrechen, begangen am 31. Mai 2016 in diesem Wohnblock an der Imigstraße in Maxhütte-Haidhof. Das Schwurgericht verurteilte den 45-jährigen Täter nun zu "Lebenslang wegen Mordes". Archiv-Bild: Hösamer
von Autor HWOProfil

Amberg/Maxhütte-Haidhof. Wenn jemand permanent säuft, gilt er zwar als Trinker. Dann aber ist auch bei 1,6 Promille durchaus die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit gegeben. Mit anderen Worten: Der 45-Jährige, über vier Prozesstage hinweg vor dem Schwurgericht des Mordes angeklagt, ist ein Verbrecher, der als Mörder gebrandmarkt und lebenslänglich eingesperrt werden musste. "Er hat heimtückisch gehandelt", hieß es im Urteil, das am Montag gesprochen wurde. Vier Tage Beweisaufnahme, viele Zeugen und etliche Gutachter. Das Augenmerk galt dabei dem 31. Mai letzten Jahres, als der Arbeitslose in der Wohnung seiner 59 Jahre alten Freundin in Maxhütte-Haidhof erschien, ein Gespräch wegen der ins Wanken geratenen Beziehung suchte und dann eine Pistole aus seiner Manteltasche zog. Sekunden später feuerte er drei Schüsse auf die neben ihm stehende und gleich darauf am Boden liegende Frau ab. Sie starb noch am Tatort.

Mordmerkmale erfüllt

War das ein Totschlag? Geschehen in Momenten der Unüberblickbarkeit und im Ausnahmezustand? In seinem Plädoyer verneinte dies der Leitende Oberstaatsanwalt Joachim Diesch. "Das Opfer hatte keine Chance, für die Frau erfolgte alles völlig überraschend", unterstrich Diesch in seinem Schlussvortrag. Der mit seiner Waffe in die Wohnung an der Imigstraße gekommene Mann habe durch seine Alkoholsucht immer mehr die Kontrolle über sein Leben verloren, habe abends zuvor erneut eine Blutentnahme wegen Trunkenheit am Steuer über sich ergehen lassen müssen.

"Er brachte die Pistole mit und bekam sie nicht erst in der Wohnung von seiner Lebensgefährtin ausgehändigt", ließ Joachim Diesch erkennen und trat damit einer Erklärung des Täters entgegen, die Waffe sei von der Frau aufbewahrt und ihm kurz vor den Schüssen ausgehändigt worden. Der Mann, fuhr der Leitende Oberstaatsanwalt fort, sei zur Tatzeit im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesen, habe heimtückisch gehandelt und damit ein Mordmerkmal erfüllt.

Verteidigung scheitert

Damit sei auch der vom Gesetzgeber vorgegebene Strafrahmen klar: "Lebenslange Haft". Vor der Verbüßung billigte Diesch dem 45-Jährigen eine Alkoholentzugstherapie in einer geschlossenen Anstalt zu. Die verhängten die Richter dann auch. Im Anschluss kam etwas ganz Wesentliches: Joachim Diesch verzichtete in seinem Strafantrag auf die Feststellung von besonders schwerer Schuld. Dies tat später auch das Schwurgericht. Ein solcher Ausspruch hätte dem Täter die Entlassung nach frühestens 20 Jahren Haft ermöglicht. So könnte er nach 15 freikommen.

Verteidiger Martin Gelbricht (Nürnberg) hielt ein Verbrechen des Totschlags für gegeben. "Man wird nicht mehr klären können, was zwischen beiden Leuten in den Augenblicken vor den Schüssen geschah", ließ er anklingen. Er empfahl dem Schwurgericht, die Tat mit zehn Jahren und zehn Monaten Haft zu sühnen. Eine Verurteilung wegen Totschlags hätte unter Umständen Vorteile für den Täter gebracht. Denn dann wäre ihm bei guter Führung ein Drittel der Strafe erlassen worden. Nun aber, bei "Lebenslang wegen Mordes", ist das nicht möglich.

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