Felix Merl alias FEEL.ikx aus Leonberg arbeitet an erstem eigenem Rap-Album
"Hand aufs Herz"

Rapper Felix Merl hat sich in seiner Wohnung einen kleinen Arbeitsplatz eingerichtet. Hier feilt er als FEEL.ikx an seinen Songs. (Foto: Kevin Haidl)
Vermischtes
Maxhütte-Haidhof
07.01.2017
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Es ist Sommer. Der neunjährige Felix Merl ist mit seinen Eltern im Urlaub. Die Reise führt durch Italien. Im Fiat läuft Eminem: „Without me“. Felix Papa hat die Musik aufgelegt. Den englischen Text versteht der Junge nicht, aber die Musik bewegt ihn. Es ist seine erste Berührung mit Hip-Hop. Eine Leidenschaft ist geweckt und lässt ihn nicht mehr los.

Fast 15 Jahre später ist Felix immer noch begeistert von der Musikrichtung. Und das sehen Besucher in seiner Wohnung in Leonberg bei Maxhütte-Haidhof auf den ersten Blick: Im Gästezimmer des 24-Jährigen sind ganze Regale gefüllt mit CDs. Besondere Alben und Sammler-Boxen stehen hübsch und ordentlich präsentiert auf Regalbrettern. Ein Mikrofon mit Kopfhörern am Fenster und ein Mikrofonvorverstärker auf dem Schreibtisch verraten aber noch mehr: Felix macht als FEEL.ikx mittlerweile selbst Musik, genauer gesagt Rap. Aber nicht wie Eminem auf englisch, sondern auf deutsch. „Musik macht in der Muttersprache mehr Sinn für mich. Ich kann Gefühle besser ausdrücken. Mit Worten, die ich auch im Alltag benutze. Es ist die Sprache, in der ich träume“, erklärt Felix.

Wie alles begann

Mit dem Rappen angefangen hat Felix 2006. „Da war ich wirklich richtig schlecht“, gibt er lachend zu. 2008 hat er sich dann sein erstes eigenes Mikrofon gekauft und die ganzen Ferien geübt. Geholfen hat ihm dabei der Bayreuther Max Herzing alias Das W. „Für mich ist er der beste Rapper, den das Land zu bieten hat“, ist Felix überzeugt. Die Eltern der beiden sind gut befreundet. „Die Basics habe ich von ihm gelernt. Er war auch der Knackpunkt, wieso ich angefangen habe, selber Texte zu schreiben. Damit habe ich einen Kanal gefunden, um mich auszudrücken.“ Jedes Mal, wenn die Familie in Bayreuth zu Besuch war, hat Felix stapelweise Texte mitgebracht und die beiden haben stundenlang gemeinsam daran gearbeitet. Selbstkritisch ist Felix immer noch. Auch an einem Song, der eigentlich schon fertig ist, ändert er immer wieder Kleinigkeiten. Er kann sich in der Musik verlieren: „Manchmal merke ich gar nicht, wenn drei oder vier Stunden vergehen. Aber irgendwann muss man zu sich selbst sagen: Ich habe alles gemacht, was mir möglich ist.“



Anfang 2017 will FEEL.ikx sein erstes eigenes Album mit dem Titel „Hand aufs Herz“ veröffentlichen. Wie der Name schon verspricht, sind die Lieder sehr persönlich, tiefsinnig und gefühlvoll. Sie erzählen eine Geschichte. Felix Geschichte. „Genau das ist eben das Album“, erklärt er. 15 Songs hat er für das Album bereits aufgenommen. Einer davon - „Eiskalt“ - ist sogar schon veröffentlicht. Den Track hat er gemeinsam mit „Tatwaffe“ von „Die Firma“ gemacht. Der feierte 2005 mit „Die Eine“ große Erfolge. „Ich habe ihn bei Facebook gesucht und angeschrieben. Das Video zu meinem Song 'Herzensangelegenheit' hab ich mitgeschickt“, schildert Felix die Kontaktaufnahme. Positiv überrascht war der junge Musiker, als einen halben Tag später schon eine Antwort kam. „Tatwaffe habe ich als ganz bodenständigen Typ kennengelernt. Der bildet sich nichts ein, ist nicht abgehoben“, beschreibt Felix den Rapper, der mit bürgerlichem Namen Alexander Terboven heißt.

Video-Dreh mit "Tatwaffe"

Über Facebook blieben die beiden in Kontakt. Irgendwann fasste Felix Mut: „Ich habe mich langsam vorgetastet und gefragt, ob er gemeinsam einen Song und ein Video mit mir aufnehmen würde. Habe ihm meine Ideen und meinen Part geschickt und dann hat er zugesagt.“ Wenn mehrere Künstler gemeinsam Rap machen, schreibt jeder seinen eigenen Text, dann werden die Teile aneinander angeglichen. Für den Video-Dreh ist Felix nach Köln gefahren. „Ich habe gedacht, Tatwaffe nimmt sich nur kurz für ein paar Szenen Zeit. Aber er war dann beim Dreh sogar fünf oder sechs Stunden dabei, hat selber noch Ideen für Locations eingebracht. Irgendwann musste er dann weg. Zur Fußballmannschaft, die er trainiert“, ist Felix begeistert.

Schon vor drei Jahren hat Felix den ersten Song seines Albums geschrieben. Insgesamt hat er aber nur etwa 18 Monate am Album gearbeitet: „Ein Jahr lang hab ich mal fast nichts gemacht, weil ich so demotiviert war. Ich stecke da mein ganzes Herz rein. Aber es ist schwierig, Leute zu finden, die sich auch so sehr einbringen möchten.“ Vieles kann Felix nicht alleine machen. So ist er zum Beispiel auf seinen Beatproduzenten in Berlin angewiesen. „Wenn man ein Album veröffentlichen möchte, ist die Zeit, in der man aktiv Musik macht, nur ein kleiner Bruchteil. Aber jetzt ist das Album genau das, was es werden sollte. Es war wichtig, diesen langen Weg zu gehen“, ist Felix überzeugt.

Das Album: „Hand aufs Herz“ Sein Album „Hand aufs Herz“ hat Felix in vier Teile gegliedert: Aufbruch, Eindruck, Steine und Ankommen. „Wie die vier Herzkammern“, erklärt er.
Das Intro handelt vom Erwachsenwerden, "wenn man merkt: Die Welt ist nicht rosarot." In den ersten drei Teilen zieht Felix ein Resümee aus seinem bisherigen Leben und seiner Entwicklung. Im vierten Teil geht es um die Zukunft: „So geht es weiter. So möchte ich sein. Ich bin bei mir selbst angekommen.“
Aufbruch: Die Songs im ersten Teil des Albums handeln von der richtigen Selbstwahrnehmung. „Vor einiger Zeit habe ich den Zugang zu mir selbst verloren. Ich habe immer weniger Leuten vertraut, desto mehr hab ich mich verschlossen und desto schlechter ging es mir. Ich war null im Einklang mit mir selbst. Da musste ich erst einen Mittelweg finden", erklärt Felix
Eindruck: Im zweiten Abschnitt tritt Felix vor allem als Storyteller auf. „Storytelling“ bedeutet im Rap, dass nicht nur eigene Eindrücke und Erfahrungen verarbeitet werden. Sondern auch Gespräche von der Straße oder Geschichten aus dem Leben der Freunde.
Steine: Hier geht es ein bisschen härter zu. Die Songs in diesem Teil bezeichnet Felix als Battletracks. Es geht um die Steine, die einem andere Menschen in den Weg legen. Die Songs sind Abrechnung und Kampfansage zugleich. „Auf Battletracks hab ich mich selbst wieder hochgehoben“, sagt Felix.
Ankommen: Im vierten Teil seines Albums ist Felix sehr positiv. Er ist losgezogen und erst einmal, wie er selbst sagt, „auf die Schnauze gefallen“. Dadurch habe er aber verstanden, dass er kein richtiges Ziel hat: „Man wird immer wieder vor Herausforderungen gestellt, aber ich weiß jetzt, dass jeder Schritt ein Ziel ist und ich suche nicht mehr.“ Den letzten Song widmet Felix seiner Freundin, da er durch einen Streit mit ihr geschafft hat, „aus dem Käfig auszubrechen. Ich habe mich endlich von Außen betrachtet“.
Das Outro heißt „Zieh los“. In Anspielung auf die Ziellosigkeit am Anfang und die vielen Veränderungen.

1992 heißt ein unveröffentlichter Song seines neuen Albums, der wichtige Stationen und Situationen aus seinem Leben nachzeichnet:



Mehr als nur ein Hobby

Von der Musik leben kann der 24-Jährige nicht. Mehr als ein Hobby ist sie trotzdem für ihn: „Musik ist meine Leidenschaft.“ Nach der Fachoberschule besuchte Felix die Fachakademie für Sozialpädagogik. Mittlerweile arbeitet er im Berufsbildungswerk (B.B.W.) in Abensberg. Er ist dort Erzieher und Gruppenpädagoge für seelisch und psychisch behinderte Jugendliche. Sie haben Autismus, Borderline-Störungen oder ADHS. In den Wohngruppen lernen sie, ihren Alltag zu meistern und werden rund um die Uhr betreut. Obwohl die Musik sein großer Traum ist, sieht Felix auch Sinn in seinem Beruf: „Aus rein wirtschaftlichen Gründen würde wohl niemand in der Pflege arbeiten. Mir gefällt die Arbeit mit den jungen Menschen. Ich kann dort etwas bewirken.“

Einmal viel Geld nur mit Musik verdienen und davon leben können? So wirklich daran glauben mag Felix nicht: „Aber je mehr Geld ich mit meinen Songs verdienen würde, desto mehr Träume und Ideen könnte ich verwirklichen. Ich muss ja auch für essentielle Dinge Geld sparen und kann nicht alles in die Musik stecken.“ Seine bisherigen Einnahmen waren überschaubar und decken die Ausgaben nicht. Felix muss immer wieder in sein Equipment investieren: „Ich wäre schon zufrieden, wenn ich nicht mehr so krass drauf zahlen müsste.“


Song für krebskranke Emily

Plakate an der Türe und den Wänden des kleinen Arbeitszimmers zeugen von FEEL.ikx ersten Erfolgen. So ist er zum Beispiel beim Isle of Vibes aufgetreten. Im April war er im Jugendtreff in Altdorf, die Einnahmen wurden an die Flüchtlingshilfe gespendet: „Die Leute sind bei diesem Auftritt super mitgegangen und hatten richtig Bock. Das war eine geile Liveerfahrung.“ Das Video zu „Schneekugelwelt“ ist mit 33.000 Klicks auf YouTube Felix erfolgreichstes Video. Besondere Auswirkungen auf sein Leben hatte sein Song „Emily“ von 2010. Damals erfuhr Felix von einer Freundin, dass ihre Cousine an Leukämie erkrankt ist: „Die Geschichte des kleinen Mädchens hat mich so berührt. Ich habe gehofft, durch meinen Song ein paar Leute zu einer Typisierung bewegen zu können.“ Er selbst hat sich auch typisieren lassen und war 2013 der passende Spender für einen Leukämiepatienten: „Das Spenden war gar nicht schlimm und ich bin sehr glücklich, dass ich ein Leben retten konnte.“


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