05.07.2017 - 20:00 Uhr
Maxhütte-HaidhofOberpfalz

Prozess um tote Frau in Maxhütte-Haidhof: Urteil erst in zwei Wochen Mord oder Totschlag?

Amberg/Maxhütte-Haidhof. Die Frage wird wohl erst im Urteil beantwortet: War es Mord oder Totschlag, als ein heute 45-Jähriger am 31. Mai letzten Jahres in Maxhütte-Haidhof seine Freundin erschoss? Das Schwurgericht hat seine umfangreiche Beweisaufnahme am Mittwoch abgeschlossen.

Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

Als die tödlichen Schüsse fielen, war der mutmaßliche Täter weder in seiner Einsichts- noch in seiner Steuerungsfähigkeit trotz 1.6 Promille gravierend beeinträchtigt. Das erfuhren die Richter am vierten Verhandlungstag von der psychiatrischen Sachverständigen Dr. Anna-Christine Wunder-Lippert (Nürnberg). Allerdings bescheinigte die Fachärztin dem Angeklagten eine seit langem vorhandene Alkoholabhängigkeit, die einer Entzugsmaßnahme bedürfe. Das müsste dann im Weg einer vom Schwurgericht angeordneten Therapie-Unterbringung geschehen.

Wo kam die Waffe her?

Mit der Psychiaterin hatte sich der 45-Jährige bei mehreren Gesprächen in der Justizvollzugsanstalt Straubing ausführlich unterhalten. Dabei wurde deutlich: Das vom Alter her ungleiche Paar - sie damals 59 Jahre alt, er 44 - hatte sich erst am 3. Januar 2016 kennengelernt. Ab dann kam der Mann nahezu täglich in die Wohnung seiner neuen Freundin. Der Psychiaterin erzählte er, quasi als Nebensächlichkeit: "Die Maria hat gekocht wie eine Verrückte. Einen riesigen Schweinebraten für zwei Leute." Und er fügte hinzu: "Ich vermisse sie."

Eine zentrale Frage in dem Verfahren ist auch: Brachte der mutmaßliche Todesschütze die Waffe mit in die Wohnung an der Imigstraße in Maxhütte-Haidhof oder erhielt er sie dort von der Frau, die ihn angeblich gebeten hatte, die bei ihr deponierte Pistole abzuholen? Der Gutachterin berichtete der Angeklagte, sie sei ihm kurz vor den abgefeuerten Schüssen übergeben worden.

Fortsetzung am 17. Juli

Beobachter hatten in dieser vierten Prozessrunde mit den Plädoyers gerechnet. Doch sie fanden nicht statt. Die Schwurgerichtsvorsitzende Roswitha Stöber vertagte den Verfahrensfortgang auf Montag, 17. Juli. Dann sollen der Leitende Oberstaatsanwalt, der die Familie der Getöteten vertretende Nebenklagevertreter und der Verteidiger ihre Schlussvorträge halten. Das Urteil wird zwei Tage später verkündet.

Unterdessen hat das Schwurgericht mehrere in der Anklageschrift enthaltene Anschuldigungen vorläufig eingestellt. Der 45-Jährige hatte bei seiner Festnahme zwei Ringe mit Emblemen aus der NS-Zeit getragen, er saß nachweislich im Anschluss an die Bluttat alkoholisiert und ohne Führerschein am Steuer seines Fluchtwagens. Das aber, so die Richter, falle bei der Höhe der zu erwartenden Strafe wegen eines Tötungsdelikts "nicht mehr erheblich ins Gewicht."

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