28.09.2017 - 14:44 Uhr
MitterteichOberpfalz

Ausstellung mit Engelbert Süß Experiment klar vor Duktus

Engelbert Süß ist Mitterteicher. Er lebt und arbeitet seit 27 Jahren in Pfreimd. Nach 25 Jahren stellt er endlich wieder einmal in der alten Heimat aus. "Neues Glas" ist die Präsentation im Museum für Porzellan, Glas und Handwerk tituliert.

von Norbert Grüner Kontakt Profil

In der Oberpfalz und im Stiftland hat sich Süß vor allem mit seinen Brunnen mit riesigen Bronzeskulpturen einen Namen gemacht. Die Protagonisten dabei sind oft Figuren, die in Sagen und Legenden eine Rolle spielen. So zum Beispiel der Mitterteicher Schmied, der den Teufel in den Sack steckt, oder der Mönch Gerwig auf dem Esel im Waldsassener Stadtpark Schwanenwiese. Auch der Marienbrunnen neben der Tirschenreuther Pfarrkirche ist eine Schöpfung des Künstlers Engelbert Süß.

Holz und Glas

Dass der Künstler auch schon immer mit Holz und mit Glas arbeitet, ist in seiner alten Heimat eher unbekannt. "Seit Anfang der 1980er Jahre arbeite ich ständig auch mit Glas", erklärt Engelbert Süß, als er an einem Sonntag im Sonderausstellungsraum des Mitterteicher Museums vor Ort ist und die Fragen von Kunstinteressierten und alten Weggefährten beantwortet. Um mit Glas künstlerisch arbeiten zu können, sei das Erlernen der Materialtechnik unerlässlich. Denn bei der Arbeit mit verschiedenen Werkstoffen sei die Formgebung sehr materialspezifisch. Manche Materialien ließen nur ganz bestimmte Formen zu. "Alle meine Werke sind formal miteinander verknüpft, alles hängt irgendwie zusammen, ergibt einen großen Kreis."

Ganz von selbst

Was er wann macht, ergibt sich meist ganz von selbst. Manchmal sind es genaue Vorgaben von Auftragsarbeiten, manchmal Neigungen, manchmal Technikversuche, die einfließen. "Ich bin immer gerne für Experimente zu haben, mich interessieren neue Dinge."

Das trifft auch ganz speziell auf die Glasarbeiten zu, die Süß im Museum zeigt. Denn viele Unikate sind mit Techniken entstanden, die so niemand anwendet. Zum Beispiel die Gewebegläser, die der Künstler Gespinste nennt. Süß hat die abstrakten, filigranen Gebilde mit einer ganz besonderen, völlig neuen Gusstechnik realisiert. Von weitem betrachtet wirken sie wie Spinnennetze, aus der Nähe erinnern sie an Stofffasern, wie sie unter dem Mikroskop stark vergrößert aussehen. Jeder wird etwas anderes in diesen Gebilden sehen. Das ist auch beabsichtigt, deshalb bezeichnet Engelbert Süß, obwohl er fast für jedes Kunstwerk einen Titel hat, die Unikate im Museum schlicht als Objekte. Je schwieriger die Aufgabenstellung, desto reizvoller ist sie für den 69-Jährigen.

Als Konsequenz daraus ergäben sich zahlreiche Fehlversuche, "bis das kommt, was ich will." Glas sei sehr launisch, wolle respektiert werden, weiß der Künstler. Das erfordere spezifische physikalische Grundkenntnisse. Die hat sich Süß bereits in den 1970er Jahren in der Glasfachschule in Zwiesel angeeignet.

Selbst erfunden

Seine selbst erfundene Gespinsttechnik beherrscht er seit fünf Jahren. Aber das ist nicht alles, was im Museum zu sehen ist. Auch fast ganz normale Techniken stellt er bei der Präsentation vor. Hinterglasmalereien zum Beispiel. Dafür verwendet er keramische Industriefarben, die bei über 900 Grad Celsius in das Material eingebrannt werden. Das verleiht den Gläsern eine ganz besondere Brillanz. "Eine Technik befruchtet die andere, da lernst du jeden Tag was dazu. Das ist wichtig, damit du nicht müde wirst und nicht alterst", erklärt der 69-Jährige. Engelbert Süß erledigt zwar viele Auftragsarbeiten, "aber im Prinzip mache ich schon alles für mich selbst.

Allerdings greift er bei Aufträgen auch schon mal gern auf bewährte Methoden zurück. "Heute sagt man in der modernen Kunst, du musst immer denselben Duktus haben, damit der eigene Stil erkannt wird. Daran halte ich mich nicht, ich bleibe im Experiment sonst wird es mir schnell langweilig."

Engelbert Süß arbeitet zu Hause in Pfreimd in zwei Ateliers. Dort hat er sechs Öfen in allen erdenklichen Größen, die es ihm ermöglichen, seine gläsernen Ideen umzusetzen.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Neues Glas" von Engelbert Süß geht noch bis zum 5. November und ist wie folgt geöffnet: Dienstag bis Freitag von 13 bis 16 Uhr sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr.

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