22.08.2014 - 00:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Ausstellung zeigt Bierkrüge aus Hirschau und Mitterteich "Prosit" im Museum Mitterteich

Prosit in gemütlicher Runde: Steingutkrüge aus Hirschau. Bild: Kempf
von Susanne KempfProfil

"Prosit" heißt es bis 26. Oktober im Museum Mitterteich. Den Besucher erwartet jedoch nicht etwa ein Bierfest, vielmehr werden in der ehemaligen Porzellanfabrik historische Bierkrüge aus den Hirschauer Steingutfabriken neben Porzellankrügen aus Mitterteich gezeigt.

Die bereits in Teilen 2012 gezeigte Zusammenstellung wurde für die Sonderausstellung um Porzellan-Exponate aus Mitterteich ergänzt. Anlass für die Ausstellung ist das Jubiläum "150 Jahre Kommunbrauhaus". Michael Popp, Initiator der Ausstellung, erklärt: "Die Ausstellung ist umfangreicher und systematischer. Am Ende stellt sie mit den seltenen Reservistenkrügen einen vorsichtigen Bezug zum Thema dieses Jahres, 100 Jahre Ausbruch Erste Weltkrieg."

Etwa 200 Exponate

Die Hirschauer Steingutfabriken waren vermutlich am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert die größten Produzenten "gelber" Steingut-Bierkrüge. Die Organisatoren der Ausstellung zeigen rund 200 Exponate aus eigener Sammlung, aber auch zahlreiche Leihgaben von Sammlern. Organisator Michael Popp ist Nachkomme der Familie Dorfner.

Jahrzehntelang produzierte die Familie Dorfner Steingutkrüge, belieferte damit Käufer in aller Welt. Antoni Dorfner kam als Einwanderer aus dem italienischen Friaul um 1700 in die Oberpfalz. Innerhalb von drei Generationen wurde die Familie zur reichsten im Ort. Andreas Dorfner erwarb 1812 Anteile an kommunalen Braurechten und errichtete 1818 eine eigene Brauerei. Das bald blühende Geschäft erbte sein Sohn Josef Konstantin, der 1826 Anteil an der Gründung der Steingutfabrik hatte.

In dieser Zeit wurden auch Bierkrüge hergestellt. 1890 kam es zu einem Familienstreit, Folge war der Bau einer zweiten, der "neuen" Fabrik. 1956 endete die Firmengeschichte, Steingut wurde zunehmend durch das Porzellan verdrängt. Als nach über 110 Jahren die Porzellanproduktion in Mitterteich eingestellt wurde, bedeutete dies das Ende einer großen Ära. Damit das Porzellan nicht aus der Erinnerung verschwindet, wurde auf dem Gelände der Fabrik ein Museum eingerichtet.

Zu sehen sind Andenkenkrüge, Alltags- und Bierzelt-Krüge, Anlasskrüge, Städtekrüge, Münchner Kindl-Krüge, Reifenkrüge, Zinndeckelkrüge, marmorierte Krüge, Bildmotive und Krüge zum Bierholen. Trinkkrüge waren für den täglichen Gebrauch daheim oder im Wirtshaus bestimmt. Es gab sie mit den unterschiedlichsten Verzierungen und Motiven. Größte Motivgruppe sind Krüge mit Städtemotiven aus ganz Deutschland mit der Aufschrift "Gruß aus...". Bring- und Holkrüge dienten dazu, Fassbier aus der Wirtschaft oder aus der Brauerei nach Hause zu holen.

Weltweit verkauft

Besonderes Kennzeichen der Hirschauer Steingutproduktion: marmorierte Krüge und "gelbe Steinkrüge", die in riesigen Mengen produziert und in der ganzen Welt verkauft wurden. Neben den Steingutkrügen sind Porzellankrüge aus der ehemaligen Porzellanfabrik Mitterteich oder Porzellanmanufaktur Weig zu sehen.

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Öffnungszeiten des Museums: Dienstag bis Freitag 9 bis 17 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr, Sonntag 14 bis 17 Uhr, Telefon 09633/18778, Email: Info[at]museum.mitterteich[dot]de

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