22.08.2017 - 20:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Neues Leben für alte Ampelgläser

Um eine Attraktion reicher ist das Mitterteicher Museum: Die Abteilung Handwerk und Industrie ziert jetzt ein Ampelmännchen der besonderen Art.

Künstler Hartmut Zimmermann (rechts) hat mit Gläsern der einstigen DESAG ein Ampelmännchen besonderer Art geschaffen. Der Förderverein Museumslandschaft Mitterteich um Vorsitzende Maria Kunz und Stellvertreter Stefan Grillmeier hat die Kosten übernommen. Bild: wmr
von Redaktion OnetzProfil

Die Museumsleitung und Künstler Hartmut Zimmermann sind vor einiger Zeit auf die Idee gekommen, bisher im Depot der Einrichtung eingelagerte Signalgläser, hergestellt von der einstigen DESAG (Deutsche Spiegelglas AG), in möglichst ansprechender Form auszustellen. Und so entstand ein bunt leuchtendes Kunstwerk.

Gepresstes Glas

Die Deutsche Spiegelglas AG, später auch als Deutsche Spezialglas AG bekannt, hat nicht nur Glasbläser in seinen Hallen in Mitterteich beherbergt, sondern auch "Glaspresser". Während aus dem geblasenen Glas weitgehend Scheiben hergestellt wurden, fand das präzise gepresste Glas im Alltag vielfache Anwendung. Die Firma DESAG, eine Tochter der Schott-Gruppe, hatte eine umfangreiche Produktpalette. Diese bunten Gläser wurden benötigt für Eisenbahn-Signalanlagen, Verkehrsampeln, den Schiffsverkehr oder für Flugzeuge und Flughäfen.

Trotz guter Geschäfte und schwarzer Zahlen wurde das Werk in Mitterteich aufgelöst. Das endgültige Aus zeichnete sich bereits im Oktober 1996 ab. Auch der engagierte Einsatz zahlreicher Politiker konnte den Niedergang nicht verhindern. Nach und nach wurden Produktionslinien geschlossen bis dann Ende 1997 endgültig Schluss war. Etwa 50 Arbeitnehmer standen vor dem Aus. Zwar hatte ihnen die Firmenleitung im Stammwerk Grünenplan eine Weiterbeschäftigung angeboten, aber kaum jemand nahm diese Offerte an. Ein Großteil der Glasmacher konnte zur Firma Schott-Rohrglas wechseln, die auf dem gleichen Gelände ansässig war. Die Spezialisten versuchten, bei der Firma Lamberts in Waldsassen unterzukommen.

"Weibliche Attribute"

An die örtliche Glasmacherkunst hatte die Stadt bereits in einem Raum im Kellnerhaus erinnert. Dazu waren auch Objekte der ehemaligen Produktpalette zu sehen. Viele dieser gepressten Signalscheiben lagen aber lange Zeit ungenutzt und ungeachtet im Depot. Schließlich nahm Maria Kunz vom Museums-Team die Sache in die Hand und beriet mit dem Mitterteicher Künstler Hartmut Zimmermann über die Verwendung der Scheiben. Vier Monate dauerte es, bis Zimmermanns Idee von einem "Signalmann" ausgereift war. Es entstand ein "Ampelmännchen mit weiblichen Attributen", wie er erklärt.

Zimmermann, der auch der Künstlergruppe "Triangl" angehört, war früher bei der Wiesauer Firma Wiesauplast und später bei Wifona beschäftigt. Zuletzt arbeitete er als Entwicklungsleiter. Die Glasscheiben sollten seiner Meinung nach wieder die alte Funktion bekommen und leuchten. Zunächst wurde an eine einfache Schauwand gedacht - bis Zimmermann auf die Idee mit dem Ampelmännchen kam.

Lebendige Erinnerung

Zusammen mit der Mitterteicher Firma Stiftland-Elektronik wurde ein Beleuchtungssystem ausgetüftelt. Sobald jemand in die Nähe der Statue kommt, gehen die Lichter an und die Ampelgläser leuchten wie einst. Verlässt der Besucher den Raum, erlöschen auch die Lampen. Der Museumsförderverein übernahm die Kosten des Kunstwerks, das eine lebendige Erinnerung an altes Mitterteicher Handwerk sein soll. Besonders Kinder haben schon Gefallen am Ampelmännchen gefunden und springen gerne hin und her, um die Lichter zu aktivieren.

Öffnungszeiten

Das Mitterteicher Museum für Porzellan, Glas und Handwerk ist von Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, samstags von 9 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Eingeschränkte Öffnungszeiten gelten für die aktuelle Präsentation "Neues Glas" des Künstlers Engelbert Süss im Sonderausstellungsraum. Dieser ist von Dienstag bis Freitag von 13 bis 16 Uhr sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zugänglich.

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